Abgrenzung scheint in meinem Leben ein Dauerthema zu sein. Ist das bei euch auch so? Nehmen wir beispielsweise den heutigen Abend. Oh je, mir graut schon jetzt, dabei ist es im Grunde etwas Schönes, denn ich werde in dem neuen Café meiner Freundin einen Vortrag zum Thema Achtsamkeit halten. Ist doch toll. Und die Erfahrung sagt mir, es wird schon schief gehen 🙂 Trotzdem nagen wie vor jedem Vortrag Ängste an mir: Versagensängste, Ängste, nicht zu reichen, Ängste abgelehnt zu werden, Ängste, im Grunde nichts zu sagen zu haben. STOPP!!!! Ein dringender Fall von Abgrenzung. Abgrenzung von den eigenen Stimmen der Angst. Dabei helfen mir folgende drei Überlegungen:

 

Abgrenzung beinhaltet eine ehrliche Konfrontation mit sich selbst, um über die eigenen Begrenzungen der Angst weit hinaussehen zu können.

Abgrenzung beinhaltet eine ehrliche Konfrontation mit sich selbst, um über die eigenen Begrenzungen der Angst weit hinaussehen zu können.

 

1. Abgrenzung von der Meinung der anderen Menschen

Denn mal unter uns: Niemand interessiert sich so sehr für mich wie ich selbst. Den Anderen ist es beispielsweise egal, ob meine Haare sitzen (Kriegen sie ohnehin nicht mit.) Und ganz im Ernst: Erinnert ihr euch noch daran, was ein Kollege oder eine Freundin beim Treffen vor einer Woche trug? Neulich traf ich meine liebe Freundin Karen zu einem Elbspaziergang und ich erinnere ihr Armband, weil es mir so gut gefiel und ich es so nett fand, dass es ein Geschenk ihrer Tochter ist. Doch auch damit bin ich im Grunde wieder bei mir selbst, weil ich auch gerne so ein Armband hätte und mir wünsche, dass meine Tochter mir später auch mal so etwas Schönes schenkt. Unser Geist weilt nur kurz bei dem Anderen und kehrt schnell wieder zu dem zurück, was unmittelbar uns betrifft. Wozu dann also so viele Gedanken darüber, wie wir auf andere wirken beziehungsweise darüber, wie wir sein müssen, damit wir ihr vermeintlich negatives Urteil abpuffern können. Puh, anstrengend und anmaßend. So wichtig sind wir gar nicht. So wichtig nimmt uns niemand. Jeder nimmt sich selbst am wichtigsten.

„Das Geheimnis von guter Abgrenzung ist, bei sich selbst zu bleiben, anstatt sich auf den anderen zu konzentrieren und ihn abzuwehren.“

www.sternschnuppenzeit.de

 

2. Abgrenzung vom „Everybodys Darling“-Anspruch

Komme ich wieder auf den Vortrag heute Abend zurück, weiß ich im Grunde, das er inhaltlich gut ist. Ich konnte entsprechendes Feedback sammeln, um die Qualität einordnen zu können. Okay, trotzdem kann es passieren, dass die Zuhörer heute mit anderen Vorstellungen im Publikum sitzen, dass ich aus Versehen Inhalte vergesse, Inhalte durcheinander bringe oder einfach insgesamt schlecht vortrage. So etwas kommt vor. Das ist menschlich. Wer mich dafür am Ende verurteilen wird, bitte schön. Ich bin keine Maschine. Und selbst wenn alles glatt läuft, es wird immer jemanden im Publikum geben, der nicht begeistert ist. So what! ich muss nicht von jedem gemocht werden. Wenn mich Menschen doof finden, dann ist es eben so. Seid mal ehrlich, kennt ihr nicht auch genügend Menschen – seien es Kollegen, Nachbarn, Bekannte oder  Vortragende 🙂 – die Ihr nicht mögt? Man muss nicht jeden mögen und nicht jeder muss euch mögen. Wer diese Tatsache akzeptiert setzt seinen Ängsten bereits eine klare Grenze.

 

3. Abgrenzung von der Lüge uns selbst gegenüber

„Seien wir einmal brutal ehrlich – die meisten Dinge, die wir für andere tun, dienen in Wirklichkeit uns selbst.“

Haemin Sunim, aus: „Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst

Der südkoreanische Lehrer des Zen-Buddhismus Haemin Sunim nimmt kein Blatt vor den Mund. Und ich finde, er hat Recht. Neulich hatte ich in einem Beitrag über die Krankheit meiner Mutter geschrieben, wie traurig alles ist und wie sehr es mich belastet. Warum bete ich für sie? Weil ich den Gedanken, ohne sie zu sein, nicht ertragen kann. Weil mich ihr Leiden schmerzt. Auch das Wissen, dass mein Vater nach ihrem Tod alleine sein wird, tut mir weh. Wieder ich. Merkt ihr, worauf ich hinaus will?

Und warum habe ich nun Angst vor heute Abend? Weil ich möchte, dass vielleicht der eine oder andere nach meinem Vortrag zu mir kommt und mir sagt, dass er jetzt Dinge achtsamer angehen, dies und jenes verändern will. Das würde mich glücklich machen. Aber warum? Weil es meiner Arbeit Sinn gibt, weil es mich motiviert. Und bleibt dieses Feedback aus? Dann wird es niemanden aus dem Publikum deswegen schlechter gehen. Nur ich habe mit meinem Ego zu kämpfen. Aber auch das werde ich überleben.

Während ich dieses hier so runterschreibe stelle ich fest, dass mich dieser 3. Punkt doch mehr beschäftigt als ich dachte. War ich hier zu radikal? Was meint ihr dazu? Habe ich hier zu sehr auf das Elementare reduziert? Hm…. ich bin unsicher. Schreibt mir doch mal zu diesem Thema, das fände ich sehr spannend.

 

 

dtmg

  • Erwische ich mich bei dem „Everybodys Darling“-Anspruch nehme ich mir einen Augenblick Zeit und überlege, wen ich alles nicht mag. Na also: Nicht jeder muss mich mögen.
  • Ich achte einmal bewusst darauf, wie viel meiner Gedanken sich im Grunde um mich selbst drehen. Und genauso sieht es bei den anderen Menschen auch aus.
  • Abgrenzung vor meinen Ängsten beginnt bereits mit der simplen Frage: Was kann mir schlimmstenfalls passieren beziehungsweise geht davon die Welt unter?

 


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