Nächste Woche findet nun endlich der finale Umzugstag statt, sprich es werden Möbelpacker ranrauschen und schwuppdiwupp sitzen wir im neuen Heim, adé du Altvertrautes. So leicht und locker sich das auch anhören mag, ist es aber nicht. :-( Meine Nerven liegen blank, meine Emotionen springen rauf und runter. Jeder Tag bringt unvorhergesehenes Chaos und trotz meines Wissens um fatale Reiz-Reaktions-Muster, pah, mich haben sie voll im Griff. Also halte ich mir mal wieder die folgenden vier zentralen Aspekte der Achtsamkeit vor Augen. Sie helfen uns, unsere Emotionen zu regulieren und den Griff unserer Bewertungen und Urteile zu lockern.

Erst über die Besänftigung des Körpers mithilfe bewussten Atmens könnt ihr eure Emotionen auflösen.

Erst über die Besänftigung des Körpers mithilfe bewussten Atmens könnt ihr eure Emotionen auflösen.

 

1. Einsicht in körperliche Abläufe

Jede Emotion ruft sofort eine körperliche Reaktion hervor. Ärgert ihr euch zum Beispiel, spannt ihr euren Körper innerlich an. Diesen Aspekt könnt ihr von innen und von außen betrachten. Innen spürt ihr die Anspannung. Von außen betrachtet könnt ihr dieser Emotion entgegenwirken, indem ihr euch beispielsweise aufrecht hinsetzt und für zwei Minuten ruhig atmet. Tief in den Brustbereich einatmen und gleichmäßig ausatmen. Und dabei dem Atemfluss nachspüren! So entspannt ihr euren Körper und lasst die Emotion mehr und mehr los.

 

2. Einsicht in die emotionalen Abläufe

Solange euer Körper in Aufregung ist könnt ihr eure Emotion nicht besänftigen. Erst nach Besänftigung des Körpers (1. Einsicht) über die Atmung spürt ihr wie der Ärger sich löst. Im Grunde erkennt ihr auch erst durch die Konztentration auf den Körper das Ausmaß der Emotion.

Wie passend, dass auf dem Fußboden neben meinem Bett (Der Nachttisch ist bereits verladen) das Buch „Wenn alles zusammenbricht“ der buddhistischen Nonne Pem Chödrön liegt. Darin zitierst sie einen Satz, den sie als Leitsatz für sich gewählt hat:

„Nur in dem Maße, in dem wir uns wieder und wieder der Vernichtung anheim geben, können wir das Unzerstörbare in uns entdecken.“

Pema Chödrön,
„Wenn alles zusammenbricht: Hilfestellung für schwierige Zeiten“

Es geht bei dem 2. Schritt – der Einsicht bezüglich unserer Emotionen – darum, alles loszulassen. Wobei unser Körper uns sozusagen den Weg dahin ebnet.

 

3. Einsicht in gedankliche Abläufe

Selbstverständlich ist es auch wichtig zu erkennen, welche Gedanken euren Ärger provoziert haben. Hier erkennt ihr mit Sicherheit typische Glaubenssätze oder Konditionierungen. Gleichzeitig ermöglicht jedoch die achtsame Distanz über den Atem sowie das Loslassen der Emotion die Formulierung neuer Gedanken. Bei diesem Schritt geht es auch darum, die Gedanken nur zu erkennen und nicht zu beurteilen. Tauchen Bewertungen auf, wie beispielsweise Selbstkritik, dann nehmt sie lediglich wahr ohne euch damit zu identifizieren.

„Jeder Tag bietet uns unzählige Möglichkeiten, uns zu öffnen oder zuzumachen. Die kostbarste Gelegenheit ergibt sich dann, wenn wir an den Punkt kommen, wo wir glauben, mit den Ereignissen nicht mehr fertig zu werden.“

Pema Chödrön,
„Wenn alles zusammenbricht: Hilfestellung für schwierige Zeiten“

 

4. Einsicht in die Geistesobjekte

Dieser letzte Schritt, die Einsicht in das Wissen, beschenkt euch sozusagen mit dem Vertrauen, dass ihr euch im Laufe der Zeit mehr und mehr von all den festgefahrenen Gedankenmustern lösen könnt. Je länger ihr die ersten drei Schritte praktiziert, desto größer wird euer Wissen um die Vielzahl an Emotionen, die an eurem Gleichgewicht rütteln. Je länger ihr Achtsamkeit übt, desto tiefer wird euer Verständnis, welche entscheidende Bedeutung das Zusammenspiel von Gedanken – Emotionen – Körper hat. Und wie verantwortlich ihr selbst für das Zusammenwirken dieser drei Faktoren seid.

„Der Übungsverlauf ist ein wenig so wie Bergwandern. Zuerst ist da nur der eine Hügel, aber wenn wir einen schönen Weg gefunden haben, auf dem es sich sicher und angenehm wandern lässt, erreichen wir unweigerlich immer größere Höhenlagen. Und mit jedem Höhenmeter wird die Aussicht weiter.“

Matthias Ennenbach,
Achtsame Selbststeuerung: Grundlagen und Praxis der Achtsamkeit

Die vier Einsichten sind natürlich nicht mal eben so umzusetzen – schön wär´s. :-) Vielleicht startet ihr erst einmal mit der 1. Einsicht: mit der achtsamen Wahrnehmung des Körpers. Schaut bewusst, wie sich euer Körper in diesem Augenblick anfühlt, welche Haltung habt ihr eingenommen und was verändert sich, sobald ihr euch aufrichtet und achtsam atmet. Für den Anfang ist das bereits recht viel. Übt diesen 1. Schritt mehrmals im Laufe des Tages, bis daraus quasi ein Automatismus geworden ist. Und erst dann geht es an die nächste Einsicht.

Ich werde jedenfalls gleich loslegen. Umzug hin, Umzug her, die Kartons müssen halt warten –  jetzt geht das „Sein“ vor. :-)

 

 

dtmg

  • Ich stelle auf meinem Handy die Erinnerungsfunktion an, damit ich dreimal täglich zum achtsamen Spüren meines Körpers ermahnt werde.
  • Ich übe die Einsicht in meinen Körper konsequent für mehrere Woche und gebe meinem Ehrgeiz nicht nach, der natürlich gleich zum 2. Schritt lospreschen will.
  • Alle Emotionen, die mich täglich begleiten, nehme ich über die Atmung gelassen an und lasse sie über die Atmung wieder los ohne sie zu Bewerten.

 


Noch Fragen?

Ihr sucht ausführliche Infos über Achtsamkeit: einfach hier klicken