Am Sonntag war es mal wieder so weit. Ich hätte es wissen müssen: Erst flogen die Fetzen (Motz, Kreisch, Zeter), danach flossen die Tränen. Fazit: Alles zu viel, meine Abgrenzung hatte in den letzten Wochen kläglich versagt. Mein lieber Ehemann fing mich auf, tröstete mich und versuchte mich aufzubauen. Doch was blieb war ein Gefühl des Versagens. Ich war ein Däumling meiner selbst, Selbstwertgefühl gefühlt in den Minus-Graden. 🙁 Damit das nicht wieder passiert, trichtere ich es mir und euch jetzt schriftlich ein:

 

Abgrenzung tut manchmal weh und erfordert Mut, doch traut euch, damit ihr am Ende nicht ausbrennt und euch selbst verliert.

Abgrenzung tut manchmal weh und erfordert Mut, doch traut euch, damit ihr am Ende nicht ausbrennt und euch selbst verliert.

 

1. Räumt euch Bedenkzeit ein

Jemand fragt, ob ihr Zeit habt, schnell mal einzuspringen. Stopp. Bitte keine Pistolenantwort. Atmet einen Moment und spürt in euch hinein: Wollt ihr das wirklich? Wie fühlt sich ein „Ja“ an? Was bedeutet die Konsequenz eines „Ja“ für euch? Zu viele Fragen für ein paar Atemzüge? Kein Problem. Redet ein wenig über das genannte Thema herum (Zum Beispiel geht es um Mithilfe bei einem Weihnachtsbasar und ihr erzählt zunächst ein wenig über den Weihnachtsbasar letztes Jahr.). So gewinnt ihr Bedenkzeit und könnt checken, was ihr wirklich wollt.

 

2. Keinen Honig um den Bart schmieren lassen!

„Du machst das immer so toll… Ich kann das nicht so gut wie Du….“ Oh je, schon sitzt man in der Schmeichelfalle. Natürlich tut es gut, gelobt zu werden. Aber ihr seid auch dann noch Meister in diesem und jenen, wenn ihr „Nein“ sagt.

 

3. Nicht entschuldigen!

„Sehr empathische Menschen tragen einen unermesslichen Schatz in sich. Sie sagen „ja“ zum Leben! Nur allzu oft vergessen sie dabei, dass eben auch ein „nein“ zum Leben gehört!“

www.empathie-test.de

Abgrenzung muss man nicht entschuldigen. Ganz anders dagegen, wenn ihr euer ehrliches Mitgefühl zeigt. Also sagt nicht: „Es tut mir so leid….“ Stattdessen sagt lieber: „Ich verstehe, aber….“ Mit einer Entschuldigung manövriert ihr euch immer in die Verteidigungsposition. Es gibt aber nichts zu verteidigen. Ihr habt ja nichts gemacht, wofür ihr euch entschuldigen müsstest. Und für die Sorge um euer Wohl, dafür müsst ihr euch ganz bestimmt nicht entschuldigen.

 

4. Zeitlich festlegen

Wenn sich für euch ein „Nein“ nicht gut anfühlt, weil ihr irgendwie auch gerne „Ja“ sagen würdet, dann setzt zeitliche Grenzen: Zum Beispiel helft ihr auf dem Weihnachtsbasar gerne mit jedoch nur von 14.00 bis 15.00 Uhr. Im Beruf ist zeitliche Terminierung Gang und Gebe.

 

5. Klar und deutlich

Wenn ihr zu etwas „Ja“ sagt, müsst ihr auch dazu stehen. Ein einmal gegebenes „Ja“ später in ein „Nein“ zu drehen fühlt sich für euch schrecklich an (schlechtes Gewissen), verärgert euer Gegenüber und schwächt eure Glaubwürdigkeit. Der andere achtet euch wesentlich mehr für eine klare Ansage (auch für ein klares „Nein“) als für eine im Nachhinein revidierte Zusage. Dann lieber erst einmal „Nein“ sagen und zur Not später in ein „Ja“ wandeln.

„Bei einer im Alltag besonders häufigen Grenze, dem Gartenzaun, können wir viel über gesunde Grenzen lernen: Kleine Tiere können durchschlüpfen, der Wind kann durchstreichen, die Hecke des Nachbarn wird ihre Zweige durchstrecken, man kann sich mit dem Nachbarn über den Zaun hinweg unterhalten, und nicht zuletzt gibt es eine Türe, die man öffnen kann und liebe Besucher willkommen heißen.

Eine solche Grenze macht mir und der Umwelt klar, wofür ich zuständig bin und wofür nicht. Wenn ein Stück Mist auf der Wiese liegt, oder wenn der Rasen vertrocknet, ist es klar, wer sich damit befassen muss, wenn Blumen blühen, ist es eindeutig, wer sie pflücken darf. Allen ist dadurch geholfen, dass mein Nachbar und ich wissen, wo sein Garten endet und meiner beginnt.“

www.zartbesaitet.net

So, das waren jetzt fünf super schlaue Tipps, die vor allem ich selbst mir hinter die Ohren schreiben sollte. Also eine recht egoistische Themenwahl. 🙂 Könnt ihr auch etwas damit anfangen, um so besser. Doch heute musste ich klar „Ja“ zu mir sagen, ansonsten kapiere ich es nie. 🙂

 

 

dtmg

  • Bevor ich auf eine Bitte gleich mit einer Antwort parat stehe, checke ich erst einmal im Stillen wie sich ein „Ja“ für mich anfühlt.
  • Gebe ich ein „Nein“ brauche ich mich dafür nicht zu entschuldigen oder zu rechtfertigen. Fühlt sich vielleicht zuerst nicht so gut an, später werde ich stolz auf mich sein.
  • Abgrenzung bedeutet für mich auch: Abgrenzung von meiner Haltung, immer für andere da sein zu müssen. Denn achte ich nicht richtig auf mich, kann ich auch nicht gut für andere sorgen.

 


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