Fast bin ich damit durch: Das Buch „Ein wenig Leben“ der New York-Times-Autorin Hanya Yanagihara hat mich in seinen Bann gezogen, so sehr, dass ich das Ende fürchte. Ich will weiter an dieser Geschichte teilhaben. Einer Geschichte über die Freundschaft von vier Männern, wie sie erwachsen werden und wie auch ihre Freundschaft reift. Immer wieder geht es auch um Abgrenzung und darum, diese Abgrenzung zu respektieren, ohne die Freundschaft zu gefährden.

Abgrenzung hat nichts mit Liebesverlust zu tun. Diese Furcht ist „hausgemacht“ und beruht auf tiefen Ängsten und Unsicherheiten.

Abgrenzung hat nichts mit Liebesverlust zu tun. Diese Furcht ist „hausgemacht“ und beruht auf tiefen Ängsten und Unsicherheiten.

Ohne Abgrenzung bauen wir unsere Beziehungen auf lehmigen Boden

Als ich neulich einer Freundin in ausführlichster Länge von dem Krankenverlauf meiner Mutter berichtete, merkte ich irgendwann, wie sehr diese Schilderungen meine Freundin herunterzogen. Sie wurde immer stiller. Schließlich stoppte ich und ging mit der Frage nachhause: Hätte ich das überhaupt erzählen sollen? Irgendwie schon, schließlich belastet mich dieses Thema und daher möchte ich es mit meiner Freundin teilen. Doch hätte meine Freundin mir andererseits ehrlich gesagt, dass dieses Thema ihr nicht gut tut, wäre ich in der Lage gewesen, das einfach so zu akzeptieren? Hätte ich ihre Abgrenzung respektiert können, ohne mich verletzt zu fühlen?

„Wer seine Freunde einmal belügt, betrügt sie für immer. Und wenn man sich vor den Menschen versteckt, die einem am nächsten stehen, wartet die Einsamkeit sicher an der nächsten Straßenlaterne.“

www.zeit.de

Abgrenzung bedeutet nicht, einen Riegel vor Mitgefühl und Liebe zu schieben.

Seid ihr so ehrlich, dass ihr auch unangenehme Wahrheiten offen platziert? Manchmal lächeln wir geduldig, wenn unsere Freundin / unser Freund sein Leid klagt, wobei wir innerlich vielleicht denken, mein Gott, da stellt sich jemand aber ziemlich an. Würdet ihr das offen aussprechen? Besser wäre es schon, finde ich. Denn am Ende fühlt sich eine solche Situation nie gut an. Man spürt deutlich, wie sich die Nähe hier löst. Schließlich bleibt man selbst mit einem unguten Gefühl zurück, wohlmöglich mit einem Gefühl von Ärger und Verdruss. Dabei darf man sich in einer Freundschaft von der Meinung und den Bedürfnissen des anderen durchaus abgrenzen.

Rücksichtsvolle Abgrenzung bedarf achtsamer Wahrnehmung

Je achtsamer ihr eure eigenen Gefühle wahrnehmt, desto selbstverständlicher werdet ihr euch auch abgrenzen. In der Achtsamkeit spürt man sehr klar, ob einem das Verhalten eines Freundes nur deswegen stört, weil es etwas bei einem antriggert, eine unangenehme Wahrheit, vor der man lieber die Augen verschließt. Manchmal nervt es mich beispielsweise, wie ein Freund von mir jedes kleine tägliche Detail mit einer unglaublichen Wichtigkeit erzählt. Bin ich ehrlich, stört es mich nur, weil es mir zeigt, wie wenig ich mich selbst wertschätze. Ich neige nämlich dazu, möglichst schnell zu erzählen und dann nur Wichtiges. Darunter lauert so ein blöder Satz: „Was habe ich schon Interessantes zu sagen.“

Abgrenzung braucht Vertrauen

„Wer gute Freunde hat, scheint auch einen anderen Blick auf das Leben zu haben. Mit vertrauten Menschen an der Seite werden Probleme als weniger bedrohlich empfunden. Außerdem hat man an Tagen, an denen man Freunde trifft, ein höheres Selbstwertgefühl.“

www.planet-wissen.de

Eigentlich sollte es uns in einer Freundschaft wesentlich leichter fallen uns abzugrenzen als beispielsweise im Beruf. Denn eine Freundschaft basiert auf Vertrauen, dem Wissen, geliebt und geachtet zu werden. Wie ist das bei euch? Wo fällt euch Abgrenzung leichter?

Und welcher Ebene ordne ich nun meine Beziehung zu euch, meinen Lesern ein? 🙂 Denn ob es mir nun schwer fällt oder nicht: Ich grenze mich jetzt ab und lese mein Buch bis zum Ende weiter. Und damit Tschüß 🙂

 

 

dtmg

  • Spüre ich in einer Freundschaft Unmut, traue ich mich, ganz offen darüber zu sprechen.
  • Ich werde mich mutiger abgrenzen und die Angst, damit vielleicht weniger gemocht zu werden, liebevoll annehmen.
  • Ich werde zukünftig genau schauen, in welchen Konstellationen mir Abgrenzung besonders schwer fällt, um hier zukünftig mehr zu wagen.

 


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