Wie das Gestirn, der Mond, erhaben, voll Anlass, plötzlich die Höhn übertritt, die entworfene Nacht gelassen vollendend: siehe: so steigt mir rein die Stimme hervor aus Gebirgen des Nichtmehr. Und die Stellen, erstaunt, an denen du da warst und fortkamst, schmerzen klarer dir nach. Rainer Maria Rilke

 

Es gibt Momente im Leben, da lodert derart viel Sehnsucht in unserer Brust, dass wir es kaum auszuhalten meinen. Wir sehnen uns nach Vergangenem, vielleicht nur nach einem Gefühl, etwa der Leichtigkeit aus Kindertagen oder der euphorischen Liebe in jungen Jahren. Oder aber unsere Sehnsucht bezieht sich konkret auf eine Person: eine verflossene Liebe, ein verstorbener Mensch, die Kinder, die aus dem Haus gegangen sind. Sehnsucht ist einerseits ein Gefühl, dass uns aus unserer ruhenden Mitte wirft, andererseits beinhaltet es viel Lebendigkeit und Verbundenheit mit unserem Herzen. Trotzdem steckt in Sehnsucht auch Schmerz. Man sehnt sich nach etwas, was man in diesem Moment nicht hat, was man jedoch genossen hatte oder von dem man meint, dass es einen glücklicher machen würde.

Spüre in deine Sehnsucht aufmerksam hinein und gebe dem Drängen in deinem Herzen Raum. So kannst du diese Gefühle betrachten und liebevoll annehmen. Du erkennst, woher sie rühren und welche Bedeutung sie für dich haben. Wenn du aus einer liebevollen Distanz diese Emotion betrachtest, füllt sich dein Herz mit Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass du das, wonach du dich sehnst, erleben durftest. Aber auch Dankbarkeit für das, was jetzt alles in deinem Leben existiert. In der Dankbarkeit offenbart sich dir das tiefe Wissen, das in deinem Inneren verborgen ist. Das Wissen darum, dass im Leben alles vergänglich ist und dass anstelle des Alten immer etwas Neues kommt. Dieses Wissen füllt dein Herz wieder mit Freude und Ausgewogenheit.

 

„Wie das Gestirn, der Mond, erhaben, voll Anlass, plötzlich die Höhn übertritt, die entworfene Nacht gelassen vollendend: siehe: so steigt mir rein die Stimme hervor aus Gebirgen des Nichtmehr. Und die Stellen, erstaunt, an denen du da warst und fortkamst, schmerzen klarer dir nach.“

Rainer Maria Rilke

 


Noch Fragen?

Ihr sucht ausführliche Infos über Achtsamkeit: einfach hier klicken