Frühlingsgefühle tun so herrlich gut. Die Menschen kriegen Lust, sich zu verlieben. Welch berauschender Zustand, denn der Blick der Liebe poliert das Ego. In der Regel fällt unser Selbstbild selten rosig und sonnig aus. Weder halten wir uns für besonders erfolgreich oder schön noch für eine faszinierende Persönlichkeit. Der Blick des Liebenden jedoch sieht das komplett anders. Wie kann es sein, dass Fremdbild und Selbstbild derart auseinander liegen?

„Fremdbild und Selbstbild haben nichts mit Tatsachen zu tun, sondern sind Resultat persönlicher Wahrnehmungen und Bewertungen.“

www.palverlag.de
Alles ist da, reichlich und verschwenderisch: Statt auf den Mangel zu schauen, sollten wir die Fülle, die uns umgibt, erkennen. Ein Nährboden der Wertschätzung.

Alles ist da, reichlich und verschwenderisch: Statt auf den Mangel zu schauen, sollten wir die Fülle, die uns umgibt, erkennen. Ein Nährboden der Wertschätzung.

Unser Ego ist die Brille auf unserer Nase, durch die wir die Welt sehen

Logisch, der frisch Verliebte sieht uns immer ein wenig wie mit Fotoshop bearbeitet. Doch abgesehen von dem Frühlingsrausch: Wir scheinen eine Grundüberzeugung von uns selbst zu haben, wie und wer wir sind. Und dieses Selbstbild sitzt uns wie eine Brille auf der Nase, sprich es färbt alles, was wir im Leben erfahren, unsere gesamte Wahrnehmung. Beispielsweise zeigte mit eine Freundin neulich Fotos von einem Wochenende an der Ostsee. „Toll siehst Du aus“, sagte ich, doch sie hatte sofort etwas einzuwenden: „Naja, da war das Licht gerade ganz günstig.“

„Recherchiert man im Internet die Begriffe Selbstbild und Fremdbild stößt man u.a. auf das Foto einer kleinen Katze, die vor einem Spiegel sitzt und dort einen Löwen erblickt. Besser kann man es kaum darstellen: Während die Umwelt ein süßes Kätzchen wahrnimmt (Fremdbild), ist das Selbstbild ein ganz anderes.“

www.andreas-nemeth.de

Passen wir nicht auf, bestimmt unser Ego unsere Entwicklung

Informationen, die nicht mit unserem Selbstbild übereinstimmen, nehmen wir meist gar nicht richtig wahr. Ganz anders dagegen die Signale, die unser Selbstbild verfestigen. Sie wiegen unser festgefahrenes Ego in Selbstbestätigung. Damit stehen wir uns jedoch selbst im Weg, zumal unsere Selbsteinschätzung meist Richtung Selbstunterschätzung geht. Wollen wir unser wahres Selbst erkennen, sollten wir den Reaktionen unseres Umfeldes etwas mehr Glauben schenken. Jedenfalls  den Menschen, von denen wir wissen, dass sie uns nichts Böses wollen.

„Das Große ist, nicht dies oder das zu sein, sondern man selbst zu sein.“

Søren Kierkegaard

Unser Ego speist sich aus Muster der Vergangenheit

Statt uns weiterhin selbst zu sabotieren, sollten wir achtsam schauen, welche verinnerlichten Vorstellungen aus der Vergangenheit (Erlebnisse aus der Kindheit, Jugend etc.) noch immer in uns präsent sind. Tiefenpsycholgisch spricht man hier auch von „Selbstrepräsentanz“. Diese Muster und Überzeugungen sind es nämlich, die uns daran hindern, von uns selbst begeistert zu sein und an uns zu glauben.

„Der größte Wert, den wir durch tägliches Gedankentraining für unser Leben beisteuern können, besteht darin, mehr wir selbst zu werden.“

Gerald Hüther, aus Interview mit „einfach.ich“, Ausgabe 1

Vielleicht ist es einen Versuch wert: Beginnt ab heute damit, anders über euch zu denken. Statt den Blick auf Makel zu richten, betrachtet euch als leuchtende Persönlichkeiten. Aus neurobiologischer Sicht übrigens absolut sinnvoll, denn bei jedem neuen Gedanken verschalten sich Neuronen im Gehirn, es bilden sich neue Nervenstraßen und je öfter wir diese Gedanken wiederholen, desto tiefer und breiter verfestigen sich diese Straßen.

Diese Haltung ist quasi eine Kampfansage an euer Ego. :-) Das ist jedoch nicht wirklich schlimm. Im Grunde könnt ihr nur gewinnen oder es bleibt eben so, wie es ist.

 

 

dtmg

  • Täglich nehme ich mir gleich morgens vor: Heute bin ich von mir gegeistert. Mit dieser Haltung bestreite ich meinen Tag.
  • Komplimente und Lob nehme ich dankend an OHNE sie klein zu reden oder auf irgendeine abwertende Art zu kommentieren.
  • Welche Glaubenssätze untermauern mein Ego? Ich schreibe davon einige auf und überlege, woher sie stammen.

 


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