Gastbeitrag von Beatrix Schulte:

Meine-Schreibbar-Bloggerin und Autorin des Buches „Die Seelenfeder“.

 

Ich finde, man kann das Schreiben nicht genug anerkennen als eine Form der Selbstheilung, Selbstentfaltung und der inneren Achtsamkeit. Schreiben ermöglicht uns, im Augenblick zu sein, Gefühle zu fühlen und sie aufs Papier zu entlassen, Gedanken zu sortieren und sie neu auszurichten. Schreiben öffnet unser Herz und ist fähig, unsere Seele zu befreien von Scham und Schuld, die tief sitzen. Wir alle kennen das Führen eines Tagebuchs oder Schreiben von Briefen und viele erleben es als entlastend und befreiend.

Schreiben als Reise ins Unbewusste

Doch Schreiben kann noch mehr. Es kann eine Reise ins Unbewusste sein, da es die linke mit der rechten Gehirnhälfte verbindet. Die linke Gehirnhälfte steht für unsere Gedanken, Sprache und Ordnung und für das Bewusste und die rechte Gehirnhälfte für das Emotionale, Spontane und Kreative und das Unbewusste. Wenn wir schreiben, können wir in Kontakt treten mit dem unbewussten Ich, dem, das oft unsere Handlungen steuert, obwohl unser bewusstes Ich etwas ganz anderes will. Ich möchte euch hier einige Formen des Schreibens vorstellen, die sich speziell mit dem Schreiben als Reise ins Unbewusste befassen.

 

Wenn wir schreiben, können wir in Kontakt treten mit dem unbewussten Ich

 

Expressives Schreiben

Das Expressive Schreiben geht auf eine sehr erfolgreiche Therapieform der 80er Jahre zurück, die von James Pennebaker entwickelt wurde, einem Psychologen der University of Texas. Die Klienten schrieben in der Studie 15 Minuten lang über ein Erlebnis, das sie aus der Vergangenheit belastet hat. Sie schrieben auf, was genau passiert ist und wie sie sich dabei gefühlt haben. Hierbei geht es nur um die reine Darstellung des Erlebnisses und wie man sich dabei fühlte. Diese Übung wurde an 3-5 aufeinander folgenden Tagen wiederholt. Die Schüler berichteten nach der Studie über bessere Noten, intensiveres Glücksempfinden und dem Gefühl der inneren Befreiung.

Automatisches Schreiben

Das Automatische Schreiben dient dem Bewusstwerden verborgener Anteile, Wünsche, Überzeugungen unseres Selbst, um sie bewusst zu machen und zu verarbeiten. Der französische Psychologe Pierre Janet arbeitete mit dieser Methode, indem er seine Patienten vor dem Schreiben in Hypnose oder Trance versetzte. Dabei machte er erstaunliche Entdeckungen, denn die Patienten schrieben zum Teil mit geschlossenen Augen und in einer ganz anderen Handschrift! Noch wundersamer wurde es, als in altertümlichen Schriften geschrieben wurde.

Wie der Name schon sagt, wird bei dieser Form des Schreibens automatisch geschrieben. Die Worte lässt man frei fließen, wie sie in einem auftauchen. Hier wird darauf geachtet, dass man vorher mit Musik oder einer kurzen Meditation entspannt. Dann kann man ein bestimmtes Thema oder eine Frage aufschreiben und die Antwort aufsteigen lassen, indem man drauflos schreibt ohne Punkt und Komma. Es geht um eine gewisse Schnelligkeit beim Schreiben, damit man nicht ins Grübeln kommt. Das Prinzip ist weiterschreiben, nicht stocken. Hört erst auf, wenn ihr das Gefühl habt, der Strom ist vorbei. Korrigiert nichts und löscht nichts. Versucht nicht, den Text zu analysieren, das, was wichtig ist, wird sich schon in euer Bewusstsein drängen.

Freewriting

Freewriting, das freie Schreiben, ist eine Methode des Schreibforschers Peter Elbow, dem es um eine Form des inneren Gesprächs geht. Hier steht die Bewusstmachung von Gedanken und Vorstellungen im Vordergrund mit dem Ziel, seiner eigenen Kreativität wieder einen neuen Schub zu verleihen. Wichtig ist, dass der Fluss des Schreibens nicht unterbrochen wird. Man schreibt 10-15 Minuten frei, was in einem aufsteigt, ohne den Stift abzusetzen. Es wird nichts durchgestrichen oder korrigiert, damit der Schreibfluss nicht gestoppt wird.

Eure Beatrix

 

 

dtmg

  • Übt das freie Schreiben, indem ihr jeden Morgen vor dem Aufstehen, 10 Minuten das aufschreibt, was in euch an Gedanken auftaucht (eine Art Gedankenleeren). Wer einmal damit angefangen hat, kann schlecht wieder aufhören!
  • Wem könntet ihr mal wieder einen Brief schreiben? Diese schöne alte Tradition sollte wiederbelebt werden!
  • Führt jeden Abend eine Art Tagebuch, in dem ihr notiert, was ihr am Tag gemacht habt und wie ihr euch dabei gefühlt habt. Das kann enorme Veränderungen anstoßen!

 


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