Dort stand ich also gestern Abend, trank Weißwein so trocken, dass bei jedem Schluck jeglicher Speichelfluss stoppte, fingerte durchweichte Häppchen vom Silbertablett und hörte mir leidvolle Jobgeschichten an – Networking nennt man das. 🙂 Das ist im Trend, sei es nun über Xing, Facebook, Instagram oder Linkedin. Muss ich da überall mitmachen? Nein, muss ich nicht. 🙂

Wer klare Grenzen zieht wird mehr respektiert als jemand, der sich nicht zu positionieren weiß.

Wer klare Grenzen zieht wird mehr respektiert als jemand, der sich nicht zu positionieren weiß.

 

Abgrenzung befreit vom Trend-Zwang

„Wer weiß, was ihr wissen wollt?“ Um diese Frage geht es der Autorin J. Kelly Hoey in ihrem Buch „Build Your Dream Network“. Denn nur wenn ihr mit Menschen aus ähnlichen Bereichen Informationen austauscht macht das auch wirklich Sinn für euch. Und das kann ebenso gut im Sportclub, im Malkurs, auf der Yogamatte oder auf der Hundewiese sein. Also grenzt euch ab, ihr müsst nicht bei jedem Networking mitmachen, denn es kostest Zeit, Kraft und am Ende sind wir genervt, weil uns das schlechte Gewissen plagt, wieder war keine Zeit für die Familie. Fragt euch lieber sehr ehrlich folgende beiden Frage:

– Mit wem will ich meine Zeit verbringen?

– Warum möchte ich meine Zeit mit dieser Person verbringen?

 

Abgrenzung verhindert Wischi-Waschi-Absprachen

Natürlich geht es bei dem Thema Abgrenzung immer um klare Ansagen. Laut einer aktuellen Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin leiden Arbeitnehmer in Bezug auf Stress beispielsweise unter der flexiblen Arbeitszeit. Flexibilität hört sich immer so attraktiv an, doch wer hier nicht gesunde Abgrenzung beherrscht, rutscht leicht in die Stressfalle. Überstunden, Mehrarbeit am Wochenende und rund um die Uhr erreichbar sein, alles fatal für Körper und Geist. Daher ist es wichtig, klare Grenzen zu kommunizieren, auch wenn es schwer fällt. Doch wer klar sagt, was er will, der wird mit Respekt geschätzt.

„Wichtig ist, dass Sie dreierlei lernen: Ihren eigenen Wahrnehmungen zu vertrauen, den inneren Druck zu heilen und dem äußeren Druck zu widerstehen.“

www.zartbesaitet.net

Abgrenzung erhöht unser Selbstwertgefühl

Interessant finde ich auch, dass ein zentrales Ergebnis dieser Studie die eigene Entscheidungsfreiheit ist. Wer frei Entscheidungen treffen kann, ohne dabei überfordert zu werden, fühlt sich am wohlsten. Insofern ist es doch eine Motivation, dass wir all unseren Mut zusammen nehmen sollten. Abgrenzung bedeutet für seine eigene Freiheit zu kämpfen. Und wie oft ist es doch leider so, dass wir Dinge tun, die wir eigentlich gar nicht tun wollen? Okay, im Job und in der Familie lässt sich das nicht immer vermeiden. Dennoch oder gerade deswegen: Schaut in den Bereichen, wo ihr „Handlungsspielraum“ habt, dass ihr immer erst achtsam spürt, ob ihr etwas wirklich wollt, weil ihr es wollt.

„Besonders dann, wenn unsere Grenzen bereits in der Kindheit massiv verletzt wurden, wird es sehr schwer sein, dem inneren und äußeren Druck standzuhalten. Wahrscheinlich werden Sie mit Schuldgefühlen, Selbstzweifeln oder gar Existenzängsten zu kämpfen haben.“

www.zartbesaitet.net

Abgrenzung verändert Strukturen

Ein weiterer entscheidender Stressfaktor laut der Studie seien Vorgesetzte, die ihre Angestellten niedermachen statt sie positiv zu motivieren. Da ich ja nun in meinem Büro alleine vor mich hin schreibe, habe ich mit solchen Monster-Chefs zum Glück nichts tunJ Doch ich gestehe, ich bin gegenüber meinen Kindern leider selbst oft so ein „Monster-Chef“L Denn es ist doch egal ob nun im Job oder im Privaten. Wenn ich nicht will, dass man mit mir so umgeht, dann darf ich das auch nicht tun. Achtet selbst einmal darauf: Sobald ihr beispielsweise freundlich und bestimmt sagt, dass ihr nicht respektlos behandelt werden möchtet, verändert sich automatisch auch etwas bei euch. Ihr achtet bewusster auf euer eigenes Verhalten. Ihr spürt mehr Respekt vor euch selbst und aus dieser Haltung geht ihr entsprechend entspannter und fairer mit anderen um.

Eine gesunde Abgrenzung fördert den Respekt untereinander und erhöht definitiv die Lebensfreude.

Ich finde dafür lohnt es sich allemal, etwas mutiger zu sein und eventuelle Schuldgefühle und Ängste in Kauf zu nehmen.

 

 

dtmg

  • Ich achte die nächsten Tagen einmal bewusst darauf, in wie weit mein fehlender Mut zur Abgrenzung dafür sorgt, dass ich meine Kinder respektlos herumkommandiere.
  • Bevor ich blind etwas mache, weil alle es machen, spüre ich achtsam in mich hinein, ob ICH das auch wirklich möchte.
  • Habe ich mich erfolgreich abgegrenzt, lasse ich mir diesen „Sieg“ nicht durch Schuldgefühle oder Ängste vermiesen. Diese Gefühle heiße ich zähneknirschend willkommen und lasse sie schleunigst wieder ziehen. 🙂

 


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