In den Gärten der Nachbarn funkeln Lichterketten in den Tannenbäumen und am Sonntag zünden wir die erste Adventskerze an. Gemütlich, oder? Wären da nicht die vielen Verpflichtungen, die noch bis Ende des Jahres erledigt sein müssen und die mit der mahnenden „1“ auf meinem Kalender plötzlich sehr real werden. Hurtig, hurtig, so viel Zeit ist gar nicht mehr. Schon spüre ich Gereiztheit und Wut in mir aufsteigen, weil ich wieder so spät dran bin. Wieso schaffe ich es nie, meine Zeit besser zu planen? Doch ich bin typisch norddeutsch und da sagt man mit einem Augenzwinkern: „Dat is mi schietegal.“

 

Es liegt an Euch, worauf ihr den Scheinwerfer der Achtsamkeit richtet. Versucht das Schöne zu entdecken, das in allem enthalten ist, wenn ihr nur richtig schaut.

Es liegt an Euch, worauf ihr den Scheinwerfer der Achtsamkeit richtet. Versucht das Schöne zu entdecken, das in allem enthalten ist, wenn ihr nur richtig schaut.

 

Für Hildegard von Bingen ist der Zorn das schlimmste Laster

„Der Zorn ist nämlich das schlimmste Laster, und es ist so etwas wie des Teufels Herz.“

aus: Liber divinorum operum – Buch der göttlichen Werke

Recht hat Hildegard von Bingen. Wut und Zorn bringen uns nicht weiter. Sei es der Groll gegen uns selbst oder die schlechten Gedanken, die wir plötzlich gegenüber andere Menschen hegen, weil wir uns durch diese gehetzt fühlen oder ihnen ihre Ruhe und Gelassenheit neiden.

„Durch diese unvernünftigen Zornausbrüche schneidet er sich selbst mit Herz und Mund von jeder Glückseligkeit ab, indem er seinen Bruder beneidet. Soweit es ihm möglich ist, verstreut er in Gedanken und im Reden alles, was an ihm gut ist.“

aus: Liber divinorum operum – Buch der göttlichen Werke

 

Laut Hildegard von Bingen siegt die Geduld über den Zorn

Und wäre es denn wirklich so schlimm, wenn wir nicht immer alles schaffen, was wir uns vorgenommen haben? Wie ist es denn, wenn jemand anderes etwas nicht schafft? Seid ihr nachsichtig, habt ihr Verständnis oder bombardiert ihr die Person mit Vorwürfen? Eben, meistens ist es alles halb so wild. Vielleicht hilft es, sich gerade in dieser Zeit selbst mit Geduld zu beschenken und öfter einmal mit den Augen eines nachsichtigen Freundes zu betrachten. Wäre schön, wenn hinter meinem ersten Kalendertürchen ein Zettel stecken würde: „Dat is doch schietegal.“ Das sagte meine Großmutter oft zu mir und wenn ich daran denke, muss ich lächeln und schon entzerrt sich alles ein wenig.

 

Hildegard von Bingen rät uns, das Schöne nicht zu „zertreten“

„Auch der zwölfte Monat behält Kälte mit großer Wucht …, macht sie verdrießlich und beschwerlich. In diesen Eigenschaften sehen wir einen Hinweis auf die Füße, die so vieles zertreten und verstreuen und die Erde eindämmen. Sie beherrschen die Erde, damit sich diese nicht in die Höhe heben kann, sondern dass die Füße über ihr stehen.“

 

Das achtlose Trampeln und Rennen und Hetzen – Damit zerstören wir so vieles, weil wir die vielen Kleinigkeiten in ihrer Einzigartigkeit und Schönheit nicht sehen. Früher haben wir als Kinder immer die beleuchteten Tannenbäume gezählt, wenn wir im Auto unserer Eltern aus der Stadt wieder zurück nachhause gefahren sind. Ich liebe Weihnachtsbeleuchtung, erfreue mich an den Sternen, dem Glitzer und an den bunten Kugeln. Genauso mag ich den Duft nach Glühwein und Lebkuchen. Das Schöne darf bei allen Verpflichtungen und Anforderungen nicht untergehen. Und letztendlich haben wir es selbst es in der Hand, den Moment bewusst wahrzunehmen, zu verweilen und das Schöne in uns aufzunehmen.

Solltet ihr also am Wochenende den ersten Weihnachtsmarktbummel starten ärgert euch nicht über das Gedrängel und den Kommerz. Ihr entscheidet, auf was ihr den Fokus richtet. Ihr bestimmt die Richtung, in die der Lichtstrahl eurer Achtsamkeit weist.

Ich wünsche euch einen schönen 1.Advent!

 

 

dtmg

  • Geduld, Geduld, Geduld! Bewusst verrichte ich die täglichen Dinge einen Takt langsamer. Mal sehen, ob ich es durchhalte.
  • „Schietegal“ – Ich mag dieses Wort und werde es mir wie ein Mantra immer dann innerlich aufsagen, wenn die Stressfalle am Zuschnappen ist.
  • Der Weihnachtstrubel wird nicht weniger, daran kann ich nichts ändern. Also werde ich davon bewusst die Seiten genießen, die mir Freude bereiten. Allem anderen schenke ich keine Beachtung.


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