Nach langer Sommerpause beginnt bei uns diese Woche wieder die Schule. Für meine beiden Kandidaten extrem aufregend, da sie wegen des Umzugs auf einem neuen Gymnasium starten. Das ist natürlich mit Aufregung und Unsicherheiten verbunden. Meine Tochter meinte gestern, sie hätte Angst, dass die „neuen“ Mädchen alle viel cooler seien. Vielleicht würden die sich bereits schminken und bauchfrei tragen. 🙂

Leider verschleiern die vermeintlichen Ansprüche und Vorstellungen den Blick auf unsere wahre Schönheit.

Leider verschleiern die vermeintlichen Ansprüche und Vorstellungen den Blick auf unsere wahre Schönheit.

 

Loslassen von Vorstellungen und Erwartungen

„Achte nur auf dich und dein Verhalten! Behalte dabei deine Gelassenheit, Zufriedenheit und gute Laune. Mehr ist nicht zu tun, denn mehr Möglichkeiten hast du nicht.“

www.felicee-feeling.de

„Du bist du und damit bist du perfekt so wie du bist.“ Diese Antwort konnte sie ein wenig beruhigen. Doch auch ohne ein derart gravierendes Ereignis wie den Start in einer neuen Schulklasse kennen wir ähnliche Unsicherheiten und Ängste, die an unserem Selbstwert nagen. „Sei du selbst“ – eine wohlgemeinte Aufforderung, doch meistens scheitern wir an unseren eigenen Erwartungen und Vorstellungen. Erst wenn wir diese loslassen und uns kein Bild davon machen, wie wir sein sollten, wie etwas laufen müsse etc., erst dann können wir komplett eins mit uns selbst einen Moment nach dem nächsten genießen. Hört sich einfach an. Da es das aber nicht wirklich ist, hier eine kleine Übung, die euch dabei hilft:

Sicher kennt ihr Personen, die ihr toll findet, bei denen ihr euch insgeheim wünscht, genauso sein zu können. Schreibt einmal alle Eigenschaften auf, die ihr an diesen Personen so bewundernswert findet. Zum Beispiel: Mut, Lebendigkeit, Optimismus usw. Nun guckt bei euch selbst, wo ihr bei euch ähnliche Eigenschaften entdecken könnt. Und fragt euch auch: Warum sind mir diese Eigenschaften überhaupt wichtig? Wie und wo kann ich sie mehr in mein Leben integrieren beziehungsweise verstärken?

Loslassen der Unsicherheiten

Mein wankender Selbstwert entlarvt sich beispielsweise dann, wenn es darum geht, etwas zu entscheiden. Dann beginnt das immer gleiche Spiel: Soll ich oder soll ich nicht? Ich möchte nichts falsch machen, keine Fehler begehen, niemanden verletzen und schon gar nicht abgelehnt werden. Die Frage dahinter ist jedoch: Will ich dieses oder jenes nur aus Angst oder will ich es aus Liebe heraus. Liebe oder Angst, auf diesen Grundaxiomen lassen sich sämtliche Entscheidungen hintunterbrechen. Probiert es selbst einmal aus bei scheinbar banalen Fragen. Zum Beispiel: Möchte ich mich heute Abend mit einer Freundin treffen, weil ich es wirklich möchte (Grundaxiom Liebe: Freude an dem Beisammensein) oder eher aus Pflichtgefühl, weil ich bereits dreimal abgesagt habe (Grundaxiom Angst: Angst vor Ablehnung).

Loslassen des eigenen Schutzpanzers

„Vor dem Loslassen steht nämlich das Zulassen: erst müssen wir den Schmerz wahrnehmen und annehmen. Wir müssen ihn einladen, ihm Raum geben, freundlich zu ihm sein und ihn so wenig bewerten wie möglich. Er will gehört und gesehen und gefühlt werden. Nur dann kann er sich anschließend verabschieden, statt Tag für Tag an unserer Tür zu kratzen wie eine hungrige Katze, in der Kälte draußen alleingelassen (und trotzdem drinnen dumpf zu hören).“

www.mymonk.de

Zurück zu meiner Tochter: Selbstverständlich weiß ich, dass sich hinter ihrer Aufregung die Angst vor Ablehnung verbirgt. Angst, verletzt zu werden und das Gefühl der Verletzung aushalten zu müssen. Natürlich möchte sie gerne sofort dazugehören – zu den coolen Mädchen. Sie hat Angst, ausgegrenzt zu werden, weil sie nicht mithalten kann. Mir würde es an ihrer Stelle ebenso ergehen. Und plötzlich erinnere ich mich an meine Ausbildung zur Kreativtrainerin. Immer hatte ich das Gefühl, für meine Ausbilderin nicht gut genug zu sein, nicht kreativ, nicht unkonventionell genug. Aber durch das offene Gespräch mit den wunderbaren Frauen, die ich dort getroffen habe, konnte ich so sein, wie ich bin. Und die gefühlte Zurückweisung war weit weniger gravierend, weniger schmerzvoll. Indem ich mich öffnete, so wie ich bin, habe ich meinem Selbstwert Raum gegeben, sich zu entfalten unabhängig von den äußeren Gegebenheiten. Der zugelassene „Schmerz“ hat meinen Selbstwert letztendlich nur gestärkt.

Ja, ja, ja ….. mit 13 Jahren hätte ich das auch noch nicht gekonnt. Trotzdem interessant, wie sich dieses Thema doch bis ins hohe Alter 🙂 mit hineinzieht. Gewisse Themen bleiben vielleicht Lebensthemen – Lebensaufgaben, die uns bis zum Schluss wachsen lassen.

 

 

dtmg

  • Merke ich, dass ich in Gedanken wieder einmal mehr bei den anderen bin (was denken sie von mir, was erwarten sie), kehre ich über meinen Atem zu mir zurück.
  • Den Satz „So wie ich bin, bin ich vollkommen“ sage ich mir gedanklich während des Tages immer mal wieder auf.
  • Unangenehme Gefühle der Ausgrenzung oder Zurückweisung nehme ich bewusst wahr. So verliere ich meine Angst davor, denn ich erkenne, sie sind nicht wirklich schlimm.

 


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