Wie ihr mittlerweile ja mitbekommen habt bin ich ein großer Fan des Dankbarkeitstagebuchs. Mit ziemlich regelmäßiger Disziplin notiere ich Abend für Abend drei Dinge, für die ich rückblickend auf den Tag dankbar bin. Bin ich zu müde zum Schreiben baue ich diese Dankbarkeitsübung mit ins Gebet ein. Doch in den letzten Wochen fiel es mir schwer, zeitweise war es nicht möglich. Meine Mutter ist mittlerweile ein kompletter Pflegefall und bei ihrer Krebserkrankung ist keine Heilung mehr möglich. Also ist es für mich an der Zeit, Abschied zu nehmen und mich mit dem Thema Sterben auseinanderzusetzen. Nur will ich das nicht.

Dankbarkeit trägt euch durch die dunklen Phasen des Lebens - sanft und dennoch kraftvoll.

Dankbarkeit trägt euch durch die dunklen Phasen des Lebens – sanft und dennoch kraftvoll.

Dankbarkeit rückt die Dinge ins rechte Licht

Ja, ihr merkt schon, dieses Mal wird es ein sehr persönlicher Beitrag, aber ich kann nicht anders, ich hoffe ihr seht es mir nach. Wie soll ich abends Dankbarkeit niederschreiben wenn ich am Tage das Leid gesehen habe und meine Gedanken voll Mitgefühl und Trauer sind. Und auch Mitleid (Jawohl: Mitleid) für meinen über achtzigjährigen Vater, der seine Frau nach über 60 Jahren Ehe rund um die Uhr begleitet. Mir bricht es das Herz und selbstverständlich versuche ich zu helfen, wo es geht, doch meine eigene Familie fordert ebenfalls meine Aufmerksamkeit ein – zu Recht.  Wie oft habe in den letzten Wochen haltlos mit den Kindern geschimpft nachdem ich bei meinen Eltern war. Darüber beschwerten sie sich und jetzt im Nachhinein bin ich bin Ihnen dankbar dafür. Denn meine Motzerei war nichts anderes als Hilflosigkeit angesichts des nahenden Todes. Daher war ich dankbar, dass meine Kinder ihr Recht einforderten, dass sie mich darauf hinwiesen: Das Leben geht weiter und auch meine Zeit mit ihnen ist kostbar und flüchtig.

„Die Dankbarkeit kommt nicht immer von alleine, aber wir können selbst etwas tun, um sie in unser Leben einzuladen.“

www.in-lauter-trauer.de

Dankbarkeit für das Erleben dunkler Tage

Neulich überkam es mich, vielleicht weil das Haus ohne Kinder zur Zeit sehr still ist. Ich kam mit dem Wäschekorb aus dem Keller und musste mich auf die Stufen setzen, weil die Tränen plötzlich aus mir herausschossen. So saß ich eine ganze Weile, froh, von niemandem gestört zu werden. Ich bemitleidete mich, meine Mutter, meinen Vater und überhaupt das ganze ach so kurze Leben. Und wie gut das tat! Danach spülte ich mein Gesicht mit kaltem Wasser und fühlte mich wie befreit. Am Nachmittag bei meinen Eltern hatte ich die Kraft, ein wenig Freude und Leichtigkeit zu verbreiten, ein Lächeln in Mutterns Gesicht zu zaubern und auf dem Rückweg im Auto bester Dinge über Facetime den Reiseberichten meiner Kinder zu lauschen.

Dankbarkeit hält die Zeit für einen Moment still

Seit diesem Erleben geht es mir besser. Am Abend habe ich endlich wieder in mein Dankbarkeitsbuch geschrieben. Dankbar dafür, der Trauer Raum geben zu können, dankbar dafür, die Freude der Kinder aus vollem Herzen teilen zu können und vor allem dankbar dafür, das Gefühl zu haben, dem Leben nicht hilflos ausgeliefert zu sein sondern es kraftvoll mit allen Hürden annehmen zu können. Während ich schrieb spürte ich noch einmal in das Gefühl nach dem Trocknen meiner Tränen hinein. Einen Moment konnte ich es genau nachempfinden und tief in meinem Herzen verankern.

„Dankbarkeit ist keine Erklärung, die man abgibt. Sie ist Wertschätzung des Gegebenen und Ausrichtung des Bewusstseins auf das, woher die Gabe kommt.“

www.seele-und-gesundheit.de

Dankbarkeit lässt uns unser Potential entfalten

Natürlich ist diese Zeit eine schwere Zeit. Aber mithilfe von Dankbarkeit habe ich gelernt, das Leben in seiner Vollkommenheit zu erkennen. Die Trauer und das Leid sind „nur“ ein Teil davon, auch wenn es sich um einen sehr großen Teil handelt. Doch da sind auch die vielen anderen Teile, wie zum Beispiel die sonnengebräunten Gesichter meiner Kinder auf dem Handydisplay, die mich mit ihren Erlebnissen überhäufen und sich selbstverständlich über den fehlenden Luxus im Feriencamp beschweren. Oder die wieder gewonnene Zweisamkeit mit meinen Mann, wenn wir ohne Kinder unsere Freiheit als Paar genießen. Die Ruhe für meine Arbeit, ungestört von „Mutterpflichten“. Und nicht zuletzt die stillen Momente zusammen mit meiner Mutter, wo Blicke und Berührungen schweigend unsere gemeinsamen Jahre von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter bündeln.

„Dankbarkeit erlaubt uns, an Sicherheit zu gewinnen, wenn es so scheint, als besäßen wir gar nichts. Es schafft dir auch Frieden, wenn du fähig bist zu sehen, wen du in deinem Leben hast, obwohl du dich einsam fühlst. Dankbarkeit verändert dein Leben, wenn du ihr die Möglichkeit gibst, dir das zu zeigen, was du hast.“

www.gedankenwelt.de

Das Schwerste, der endgültige Abschied, wird noch auf mich zukommen. Ich weiß nicht, ob ich dann noch immer so kraftvoll und dankbar empfinde. Ich hoffe es. Manchmal denke ich, auf diese Art und Weise wäre ich gut vorbereitet, doch ich glaube auch, man ist im Endeffekt nie vorbereitet. Dennoch halte ich an der Dankbarkeit fest. Sie hat mir schon so oft geholfen.

 

 

dtmg

  • Bin ich zu müde zum Schreiben blicke ich wenigstens gedanklich in Dankbarkeit auf drei wertvolle Momente des Tages zurück.
  • Ich halte während des Tages öfter inne und spüre meinen Gefühlen nach. Trauer und Verzweiflung lasse ich zu, damit sie sich nicht aufstauen.
  • Das Leben ist wie ein großer Farbkreis. Dieses Bild behalte ich im Kopf, denn so kann ich mich täglich daran erinnern, das zum Leben alle verschiedenen Farben dazu gehören.

 


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