Sorge gut für Dich mit einem Lächeln

Ich oute mich gerne: Diese Dauergrinser gehen auf den Geist. Mir kommt nicht mal der Gedanke an ein Lächeln, wenn die Aushilfe am Backtresen mit der Kasse kämpft und ich sehe meinen Bus wegrollen. Aller Anfang ist schwer, natürlich habe ich Verständnis, aber jetzt geduldig lächeln, ist das nicht etwas viel verlangt? Solche Situationen überlasse ich gerne denen, die in der hohen Kunst des Lächelns bereits angekommen sind. Ich bin noch weit entfernt. Oder entknotet ihr etwa selig lächelnd die Wäscheberge, weil eure Kinder wieder nicht in der Lage waren, ihre Klamotten eins nach dem anderen auszuziehen, geschweige denn auf die rechte Seite zu drehen? An dem Tag, an dem sie wohlmöglich ihre Wäsche bereits vorsortiert nach hell und dunkel ablegen, jawohl, von diesem Tag an werde ich mit einem Honigkuchenstrahlen durch den Alltag hüpfen. Trotzdem habe ich mich an die Sache mit dem Lächeln gemacht, denn:

Lächeln ist eine der einfachsten Übungen der Achtsamkeit.

Diese Übung ist leicht zu integrieren und erfordert keine Extrazeit, also genau das Richtige für mich. Denn ich rede ja gerne klug und verbreite meine Ideen, bei der Umsetzung scheitere ich jedoch meist an meiner Bequemlichkeit.

Also los: Lächeln, so oft es geht.

Das dürfte zu schaffen sein: Die Stimmung zuhause war gut, schließlich rettete Fußballer Nicolai Müller mit einem Freistoß die desolate Situation des HSV und der Platz in der Bundesliga war gerettet. Leider habe ich nur mit Fußball nix am Hut, daher auch wenig Verständnis, dass Männer nicht nur das Spiel, sondern auch die anschließende Berichtserstattung sehen müssen. Meinen Frust, dass die Abendroutine, wie etwa Hausaufgaben mit den Kindern, Essen kochen und so dies und das, an mir hängen blieb, nun, diesen Frust wollte ich entschlossen weglächeln. Anfänglich mühsam, gelang es dann doch. Jedenfalls, sieh mal einer an, hatte ich das Gefühl, dieses tägliche Pflichtprogramm sei nicht so wild. Ich ließ mich sogar dazu hinreißen, meiner Tochter noch etwas vorzulesen, wobei sie längst aus diesem Alter raus ist und das Vorlesen nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählt. Und wir hatten Spaß.

Ein Lächeln lässt die Dinge in einem anderen Licht erscheinen.

Ich bin ein freundlicher Mensch, von daher lächle ich im Außen ohnehin recht viel. Und entsprechend nett sind auch die anderen zu mir. Jetzt jedoch achte ich bewusst darauf. Tatsächlich, es macht einen Unterschied. Ich freue mich richtig über die Reaktionen, die habe ich vorher gar nicht so wahrgenommen. Achtet selber mal bewusst auf scheinbar belanglose Gespräche mit Nachbarn, Kollegen oder Unbekannten, nur ein kurzer Austausch einiger Sätze, aber manchmal reicht das, um auch innerlich ein Lächeln zu entfachen. Wenn ich durch die Stadt radle, lächle ich jetzt. Ich warte an der Ampel und schenke der Frau neben mir ein Lächeln, sie lächelt zurück und ich finde es schön.

Alles Friede, Freude, Eierkuchen?

Ein wenig schon, ich fühle mich fröhlicher und lebendiger. Aber ist das nicht nur oberflächlich? Schwierig wird es nämlich, wenn ich tiefer in mich hineinschaue. Da liegt der Hund begraben, wie man so nett sagt: Ich bin gestresst und innerlich gereizt, weil der Spagat zwischen Familie und Job keinen Platz für mich lässt. Da gerade wenig Zeit für Sport ist, fühle ich mich körperlich auch nicht auf der Höhe und der Blick in den Spiegel enttäuscht mich viel zu oft. Ganz abgesehen von dem Gefühl, dass niemand so richtig sieht, was ich hier täglich leiste. Puh, ganz schön viele Klagen, und die soll ich weglächeln? Dass ich nicht lache! Ich bin mir nicht sicher, ob ein Lächeln so tief greifen kann. Also hole ich mir Rat:

Der buddhistische Mönch Thich Naht Hanh schreibt in seinem Buch „Frei sein, wo immer du bist“, dass ein bewusstes Lächeln, eben auch in den Momenten, wo keine Freude in uns ist, innere Entspannung, Ruhe und Freude zur Folge hat.

In unserem Gesicht gibt es mehr als dreihundert Muskeln, die wir angespannt halten, wenn wir gestresst oder traurig sind. Diese Anspannung bewirkt ein Gefühl von Starrheit und Ernst. Ein Lächeln löst die Verkrampfungen, sodass sich die Anspannung legt und wir uns wohler fühlen, leichter und weicher. Das finde ich einleuchtend.

Mit einem Lächeln auf den Lippen zu sagen „Ich koche vor Wut!“ gelingt nicht.

Thich Nhat Hanh spricht hierbei übrigens von „Mund-Yoga“. Der Begriff gefällt mir. Somit praktiziere ich jetzt täglich meine Mund-Asana. (Auch nicht schlecht der Begriff, oder?) Besonders achte ich darauf, in den Momenten zu üben, in denen meine Klagestimmen den Ton angeben. Und da die sich sofort melden, sobald etwas schief geht, habe ich mir für diese Situationen ein dickes Lächeln auf die Fahne geschrieben. Mein Fahrrad hat einen Plattfuß: Ich lächle. Mein Sohn bringt eine Fünf in Mathe nach Hause: Das kriegen wir wieder hin, wäre ja gelacht. Ein mühevoller Text verschwindet im Nirwana: Oh je … ich versuche zu lächeln, sehr anstrengend! All diese Dinge machen mir nicht weniger aus als euch, ganz bestimmt nicht!

Aber durch mein Lächeln, wer sagt`s denn, bekomme ich ein wenig Abstand.

Mein Lächeln zeigt mir, dass solche Situationen kein Weltuntergang sind. Ich betrachte mich und mein Leben durch das Lächeln liebevoller und mitfühlender. Das ist doch schon mal ein Anfang.

Und selbst diese blöden Dauergrinser – die betrachte ich nun gelassener. Wenn die wüssten …

 

dtmg

  • Ich klebe mir einen kleinen Zettel an den Computer oder stelle mir als Erinnerung eine hübsche Karte auf den Nachttisch: Lächle!
  • Sobald ich mich innerlich gereizt oder gehetzt fühle, atme ich tief ein und lächle – drei Atemzüge lang.
  • Auch wenn keine Freude in mir ist, entspanne ich meine Gesichtszüge so oft es geht mit einem Lächeln.

Kleiner Tipp: Zur Not reicht auch ein halbes Lächeln!


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