Loslassen durch mehr Selbstwert

Ja, auch ich gehöre zu den vielen, vielen Menschen, die sich im Laufe der Jahre bei irgendwelchen Newslettern eintragen und später vergessen, diese wieder abzubestellen. Entweder klicke ich sie schnell weg oder überfliege die Überschriften, denn verpassen will man ja auch nichts. So schneite vor ein paar Tagen ein Newsletter zum Thema „Beliebtheit“ von Susanne Westphal in meine Mailbox. In der Tat ein sehr lesenswerter Newsletter, sonst würde ich nicht darüber schreiben. Okay, aus dem Everybodys Darling-Alter bin ich lange raus. Und die Süddeutsche Zeitung titelte mal:

Everybody`s Darling is everybody´s Depp.“

Sehr treffend, finde ich. Aber Achtung, denn obwohl ich immer so „klug“ über Achtsamkeit schreibe und wie wichtig es doch sei, bei sich selbst zu bleiben und in sich hineinzuspüren, irgendwie fürchte ich doch das Urteil anderer. Loslassen bedeutet aber eben auch, sich von der Meinung anderer frei zu sagen. Touché, daran hapert es bei mir. Ich möchte gemocht werden. Nicht von jedem, aber von Menschen, die mir irgendwie wichtig sind. Ich mache es kurz: Letzte Woche hatte ich ein Job-Meeting und ich sagte zu etwas Ja, obwohl sich bereits in dem Moment der Zusage alles in mir auflehnte. Ich fühlte körperlich, wie schwer mir dieses Ja im Magen lag, wie sämtliche Energie plötzlich weg war und wie ich innerlich zusammensank. Aber ich traute mich nicht Nein zu sagen. Auch, weil ich mein Gegenüber schätze. Den Rest des Tages fühlte ich mich bleiern. Am Abend erzählte ich meinem Mann davon. Der meinte, dass sei mal wieder typisch. Sobald es um meinen Job ginge, hätte ich null Wertgefühl, weil ich das, was ich mache, nicht für wertvoll erachte. Ich würde nicht für meinen Wert einzustehen. Uiuiui, das saß!

Im Loslassen erblüht der Selbstwert.

Im Loslassen erblüht der Selbstwert.

Loslassen heißt zu erkennen, dass niemand perfekt ist. Also müsst auch ihr nicht perfekt sein. Indem ihr wirklich an euch glaubt, verliert sich der Anspruch an Perfektion und ihr werdet euren Wert mehr spüren und selbstbewusster vertreten.“

Mein lieber Mann, der mich nach all den Jahren nun gewiss gut kennt, setzte noch hinzu: Im Privaten würde ich ganz anders sein, da wäre ich ein harter Brocken. Okay, die Formulierung finde ich jetzt nicht so gelungen, aber stimmt, im Privaten kenne ich meinen Wert. In Bezug auf die Meinung anderer kann ich hier gut loslassen – meistens.

Gesunde Selbstliebe ebnet den Weg zum Loslassen. Wer sich selbst als Mensch wertschätzt und sympathisch findet, hält nicht an dem Urteil anderer fest.

Das hat für mich absolut nichts mit Narzissmus zu tun. Ich denke, sobald man sich selbst mit allen Schwächen zu lieben beginnt, verblassen die vermeintlichen Ansprüche an uns selbst ebenso wie das Bedürfnis, gemocht zu werden. Aus dieser Haltung heraus bringt man automatisch Sympathie und Verständnis für andere auf. Man wird empathischer, alleine schon deswegen, weil man problemlos seine Schwächen zeigt. Und so bekommt man ebenso automatisch Sympathien zurück. Man lässt los und lässt geschehen.

Sei wirklich du selbst. Das klingt trivial, aber Leute, die wirklich beliebt sind, kümmern sich nicht darum, was sie tun müssen, um „dazuzugehören“, da sie sich einfach so wohl fühlen, wie sie sind.“
http://de.wikihow.com/Beliebt‐werden

Natürlich bin ich nicht frei davon, geradezu aufzublühen, wenn ich zum Beispiel ein Kompliment bekomme. Herrlich ist das! Sofort herrscht in meinem Oberstübchen Champagnerlaune. Ich liebe es, wenn ich spüre, dass Menschen mich mögen. Das hebt meine Stimmung und beschwingt meinen Tag. Ich fühle mich einfach gut. Aber ich fühle mich ebenso beschwingt, wenn ich etwas tue, wofür ich brenne, was mir Spaß bringt. Ganz für mich alleine. Das Streben nach Anerkennung existiert in solchen Momenten nicht. Wisst ihr, was ich meine? Dazu fällt mir ein Blogeintrag ein, den ich jüngst gelesen habe. Der Blogger hadert, ob er weiter Schreiben soll, weil er nicht mehr mit Herzblut bei der Thematik ist. „Warum will ich überhaupt schreiben?“ Am Ende findet er eine wunderbare Antwort: „Weil ich einfach nur schreiben will.“ Und damit pfeift er auf alle vermeintlichen Bloggerregeln und schreibt zukünftig einfach das, was ihn im Herzen berührt. Er lässt los und kümmert sich nicht mehr um seine „Bloggerbeliebtheit“:

Ich werde neue Wege gehen und habe keine Lust auf Trampelpfade. Ich werde stolpern und fallen. Ich werde mich auch verletzen. Ich werde aber wieder aufstehen. Ich werde vor allem meinen eigenen Weg gehen und meine persönliche Erfahrungen machen. Das ist genau das, was das Leben von uns erwartet.“
www.afschin.com/raum-der-erkenntnisse/

Mich ermutigt diese Haltung, euch auch? Vor allem ermutigt sie mich, achtsam zu schauen, wann und wo ich mal wieder gefallen will. In welchen Situationen verbiege ich mich und richte mich aus? Achtet ihr einmal bewusst auf solche Situationen, um dann innezuhalten und loszulassen. Entscheidend ist, dass wir in diesen Momenten des Erkennens die Wahl haben: Entweder setzen wir ein Stopp oder aber wir gehen doch den eingeschlagenen Weg, um die Sympathie unseres Gegenübers zu erhaschen. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass wir uns bewusst für das eine oder andere entschieden haben. Das fühlt sich sofort ganz anders an, egal welchen Weg wir gehen.

Indem wir achtsam unsere Motivationen erkennen, nehmen wir unser Leben selbst in die Hand. Das hebt das Selbstwertgefühl und verringert die Angst vorm Loslassen.

Gerade gestern Abend wurde ich auf die Probe gestellt. Meine Tochter wollte bei einer Freundin übernachten und ich sagte Nein. Unter der Woche muss das nicht sein, ihre Schulnoten stehen nicht zum Besten. Natürlich hagelte es sofort Vorwürfe. Außerdem würden alle ihre Freundinnen sagen, ich sei viel zu streng und überhaupt immer so kurz angebunden. Peinlich, das ganze Theater vor ihren Freundinnen. Trotzdem blieb ich hart. Dann bin ich eben nicht so beliebt, ist auch okay. Jedoch konnte ich es mir nicht verkneifen, später bei einer anderen Mutter um Sympathiepunkte zu buhlen, indem ich meinen Standpunkt bestätigt haben wollte. Ein typischer Fall von nicht ausreichendem Selbstwert. Kennt ihr so etwas auch oder stehe ich damit alleine da? Sind ja nur Lappalien, könntet ihr jetzt einwenden, doch dahinter verbirgt sich eben doch viel mehr.

Um loszulassen und zu uns selbst zu stehen, müssen wir Erfahrungen teilen und unsere Schwächen eingestehen. So ermutigen wir uns gegenseitig, den Weg zu gehen, der für uns persönlich gut ist.

Um loszulassen, müssen wir mutig zu uns selbst stehen.

Um loszulassen, müssen wir mutig zu uns selbst stehen.

Im ehrlichen Austausch und im Eingestehen der persönlichen Schwächen – vor uns selbst und auch vor anderen – verbinden wir uns miteinander. Wir lassen Gefühle zu, Ängste und Zweifel, wir öffnen uns und lassen los.

Hihi, bleibt zum Schluss die Frage: Möchte ich eigentlich von euch gemocht werden? :-)
Ich freue mich, wenn ihr euch in meinen täglichen „Achtsamkeitshürden“ wiedererkennt. Und deshalb lasse ich hierbei ganz gewiss nicht los. :-)

 

dtmg

  • Sobald ich merke, dass ich etwas nur tue, um zu gefallen, halte ich kurz inne und entscheide, ob ich das wirklich will und ob es mir gut tut.
  • Ebenso aufmerksam werde ich auf das achten, was ich zu anderen sage. Sage ich das nur, um zu gefallen? Wie fühle ich mich damit?
  • Ich versuche, täglich achtsamer bei mir selbst zu bleiben und spüre in mich hinein, wie sich das in Bezug auf meinen Selbstwert anfühlt.

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