Sorglos traurig

Oh je, mich hat der Winterblues erwischt, dabei ist noch nicht einmal November. Nicht, dass dieser Monat nicht auch schön sein könnte, aber mit November verbinde ich immer trübe Stimmung, Regen, alles Grau in Grau. Falls ihr jetzt bester Stimmung meinen Blog lesen wolltet, bitte entschuldigt, ich will euch nicht runterziehen.

Am Wochenende wird mal wieder die Zeit vorgestellt. Juhu, wir gewinnen eine Stunde Schlaf! Was ist also so schlimm an der Umstellung auf die Winterzeit? Gar nichts. Ich bin es selber. Ich hänge in einem Stimmungstief fest. Irgendwie macht mich der Gedanke an die kürzer werdenden Tage traurig. Warum kann ich nicht sagen. Vielleicht, weil mir bewusst wird, dass damit bald wieder ein Jahr vorbei ist. Vielleicht aber auch, weil mir dunkle Monate meistens aufs Gemüt schlagen. Keine Ahnung, was mit mir los ist – Mist.

Grübeln oder der Versuch, negative Gedanken und Gefühle zu unterdrücken, führen zu paradoxen Effekten und dazu, dass die negativen Gefühle bestehen bleiben, statt abzunehmen.“
Dr. Thorsten Barnhofer
(aus: „Achtsamkeit – mitten im Leben“)

Paradoxe Effekte hat diese Stimmungstalfahrt bei mir zum Glück noch nicht bewirkt. Obwohl … Bin jetzt nur ich das oder kennt ihr Folgendes auch: In Phasen wie dieser greife ich morgens lustlos irgendetwas Dunkles aus dem Kleiderschrank, keine Lust, mich chic zu machen, Haare gefallen eh nicht und beim Make-Up nur das Nötigste. Ich gefalle mir nicht sonderlich. Vor allem habe ich ein unfreundliches Körpergefühl, mag mich gar nicht spüren, will mich grad nicht haben – das ist schon irgendwie paradox.

Die Gründe für ein seelisches Tief sind manchmal schwer zu entdecken, da sie mit früherem Erleben zusammenhängen, das schmerzhaft war und zu einer Vermeidung des eigenen Erlebens führte.

Mag schon sein, dass der Übergang von Herbst zum Winter mit irgendeinem Erlebnis verbunden ist, auf das ich mit dem Ausblenden von Gefühlen und Körperempfinden reagiert habe, weil es für mich als Kind irgendwie bedrohlich erschien. Das würde auch erklären, warum ich heute gar keinen Zugang dazu finde. Alles, was ich erspüre ist ein Gefühl der Traurigkeit und diffusen Unzufriedenheit.

Indem wir uns nicht in grübelnder oder vermeidender Weise mit negativen Emotionen und ihren Auslösern beschäftigen, sondern uns vielmehr dafür entscheiden, negative Gedanken und Gefühle mit Offenheit und Freundlichkeit im Bewusstsein zu halten, wird eine neue und hilfreiche Reaktionsreihe etabliert.“
Dr. Thorsten Barnhofer
(aus: „Achtsamkeit – mitten im Leben“)

Es bringt ja auch nichts, wenn ich weiterhin griesgrämig bin, weil ich gerade alles und jeden so düster sehe. So bleibe ich in meiner Trübsal stecken. Und je mehr Gedanken ich mir darum mache, umso mehr verdichtet sich mein seelischer Herbstmorast.

Achtsamkeit basiert auf dem Verstehen der Nichtdualität:
Unser Leid ist nicht unser Feind.

Eben! Statt weiterhin diesem paradoxen Versuch hinterherzuhinken, mir selbst aus dem Weg zu gehen, wende ich mich mir selber mitfühlend zu und schließe mich liebevoll in meine Arme. Wann habt ihr das zuletzt gemacht? Ich weiß ja nicht, wie eure Vermeidungsstrategien an solchen Tagen sind, aber ich wette, etwas Zuwendung euch selbst gegenüber wäre für euch keine schlechte Idee.

Sich mit Achtsamkeit dem Erleben zuzuwenden bedeutet nicht nur, dass wir uns dessen bewusst werden, was wir spüren, sondern auch der Tatsache, dass wir spüren.“
(aus: „Achtsamkeit – mitten im Leben“)

Da unsere Gefühle sich immer sehr deutlich durch den Körper Verhör verschaffen, sollte ich mich mit meinem Körper wieder verbünden und speziell den Körperregionen meine liebevolle Aufmerksamkeit schenken, die ich gerade so ablehne. Checkt doch einmal selber, welche Regionen eures Körpers entsprechend auf bestimmte Gefühle reagieren? Traurigkeit lastet als Schwere auf der Brust, bei Angst werden die Knie wackelig und wer kennt es nicht, Kopfschmerzen bei Stress und Anspannung. Im Grunde ist es so einfach, würden wir nicht ständig verdrängen, ausweichen, unterdrücken und missachten. Und was liegt näher, als Zwiesprache mit unserem Körper?

Sich selber liebevoll zuzuwenden ist eine Art Wertschätzung an das Leben.

Leider habe ich mit diesem Durchhänger auch nicht so große Lust zu meditieren. Doch, doch, ich habe es ja gemacht, aber ganz ehrlich, an meiner Stimmung hat es auch nicht wirklich etwas geändert. Liegt vielleicht an mir. Doch apropos „sich liebevoll sich selbst zuwenden“: Warum bin ich nicht früher auf die Idee gekommen? Ich werde eine Meditation des Mitgefühls praktizieren. Et voilà!

Zu Beginn der Meditation des Mitgefühls formuliert ihr einen Satz, der euch in der jeweiligen Situation stärkt. Er muss sich für euch gut anfühlen, zum Beispiel:

Möge ich gelassen sein …

Möge ich vertrauensvoll das Leben genießen …

Möge ich Liebe für mich selbst entwickeln …

Möge ich mich selber halten …

Möge ich mitfühlend mit mir sein …

Probiert es aus: Diesen Satz benutzt ihr wie ein Mantra. Sobald euer Geist abschweift, eure Gedanken euch davontragen, holt ihr euch gedanklich mit diesem Satz wieder in die präsente Achtsamkeit zurück.

Ich probiere es auf jeden Fall gleich mal aus. Und danach mach ich‘s mir gemütlich und kuschelig.

 

dtmg

  • Wenn mir diffuse negative Gefühle zu schaffen machen, spüre ich in meinen Körper hinein und nehme mitfühlend wahr, wo mein „seelisches Leid“ sitzt.
  • Statt mich zu verkriechen und abzulehnen, nehme ich meine Gefühle wertfrei wahr und schenke mir Mitgefühl. Ich nehme an, kein Grübeln, kein Verdrängen.
  • Ich praktiziere täglich die Meditation des Mitgefühls und freunde mich wieder mit mir an.

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