Kennt ihr das auch: Die einen schwärmen von Yoga, andere erzählen in höchsten Tönen von der neuen Pilates-Gruppe und wieder andere schwören auf Body Balance. Und ich? Keine Ahnung, weder das eine noch das andere, ich jogge hin und wieder. Doch mich bringen solche Erzählungen jedes Mal ins Straucheln. Sollte ich nicht auch? Wäre es nicht besser? Und überhaupt, woher soll ich nun wissen, was für mich gut ist?

 

Abgrenzung bedeutet nicht, eine undurchdringbare Mauer zu errichten, sondern vielmehr geht es darum, seine Bedürfnisse vertrauensvoll zu positionieren.

Abgrenzung bedeutet nicht, eine undurchdringbare Mauer zu errichten, sondern vielmehr geht es darum, seine Bedürfnisse vertrauensvoll zu positionieren.

 

 

Gesunde Abgrenzung beginnt mit der Beachtung des eigenen Bauchgefühls

Der Philosoph Ralph Waldo Emerson prägte den Begriff „self-reliance“, was man im Groben mit „sich auf sich selbst verlassen“ übersetzen könnte. Also nicht etwas nur deswegen tun, weil andere es einem raten oder es gerade Trend ist. Es geht um Abgrenzung von den vielen Stimmen im außen, die uns permanent etwas zuflüstern und damit arglos von uns selbst ablenken. Statt sofort auf diese Stimmen zu reagieren und ihnen unsere Aufmerksamkeit zu schenken sollten wir immer zuerst alle Aufmerksamkeit auf uns selbst lenken. Wie fühlt sich die Situation an? Was brauche ich gerade (mein Körper/ meine Seele)?

 

Es ist gut zu wissen, warum man Schwierigkeiten mit Abgrenzung hat

Wer weiss, warum er Schwierigkeiten hat, sich abzugrenzen, der ist bereits einen Schritt weiter. Bei mir ist es die Konditionierung, es allen recht machen zu müssen. Darunter lauert sicherlich die Angst, nicht geliebt zu werden. Bei diesem Thema bin ich auf den Blogger Raphael gestoßen, der die Gründe für fehlende Abgrenzung anschaulich zusammenfasst:

  1. Keine Grenzen zu setzen, hat oft mit unserem Bedürfnis nach sozialem Anschluss zu tun.
  2. Wir fühlen Schuldgefühle, wenn wir uns anderen gegenüber abgrenzen. Wir fühlen uns für ihre Gefühle verantwortlich.
  3. Wir denken, dass wenn wir uns abgrenzen, wir den Kontakt zu anderen verlieren.
  4. Menschen, die sich nicht abgrenzen, haben oft ein hohes Einfühlungsvermögen.

 

Lest euch diese Gründe einmal in Ruhe durch und fühlt in sie hinein. Spürt mitfühlend nach. Vielleicht erkennt ihr euch in einigen dieser Punkte wieder. Vielleicht macht es euch auch ein wenig traurig und ihr könnt Mitgefühl für euch selbst aufbringen. Mir ergeht es so. Doch dieses Mitgefühl für mich selbst hilft mir bereits, beim nächsten Mal mehr bei mir selbst zu bleiben und in mich hinein zu horchen.

 

Wer sein Warum kennt, dem fällt Abgrenzung leichter

Mir sagte mal jemand, dass es wichtig sei, immer sein Warum zu kennen. Daher hilft es, sich immer wieder zu fragen, warum man etwas macht und warum man zu etwas „Ja“ sagt. Unsere Vernunft knüpft innerhalb von Zehntelsekunden auf Meinungen und Vorstellungen anderer zurück. Außerdem will sie immer auf Nummer Sicher gehen. Räumt ihr euch jedoch ein wenig Zeit ein, um eurem Bauchgefühlhl nachzuspüren, desto klarer erkennt ihr, welche Gedanken beziehungsweise Motive euer Selbstvertrauen beeinflussen. Sich selbst vertrauen ist im Grunde die Basis für erfolgreiche Abgrenzung.

„Es gilt grundsätzlich: Solange es niemandem aktiv schadet, besteht immer das Recht, persönliche Grenzen zu setzen. Die Bedürfnisse und Forderungen anderer sollten nie über die eigenen gestellt werden, denn ohne persönliche Grenzen wird man schnell überrannt oder verletzt.“

www.open-mind-akademie.de

 

Abgrenzung erfordert einen ehrlichen Blick auf sich selbst

Zu guter letzt muss ich natürlich auch eingestehen, dass ich mich viel mehr vor mir selbst abgrenzen muss als vor den anderen. Meine eigenen Ansprüche an mich selbst verbauen mir den Weg zu meinem Bauchgefühl leider recht häufig. Mein Wunsch, so und so sein zu wollen und andererseits all die Glaubenssätze und Konditionierungen lassen mich oft in einem Dschungel aus Ratlosigkeit zurück weit entfernt von dem, was ich wirklich fühle, was ich wirklich brauche und was mir wirklich gut tut. Und auch hier hilft mir wieder die „Warum-Frage“. Sie führt mich zu den Bedingungen, an die mein Selbstvertrauen geknüpft ist. In dem Erkennen dieser Abhängigkeiten lösen wir uns dann bereits ein wenig davon. Immerhin der erste Schritt Richtung gesunder Abgrenzung.

„Ganz ohne Abgrenzungen können wir nicht leben. Wenn wir uns schwer tun, klare Grenzen zu setzen, werden wir auf andere Weise Distanz schaffen müssen, das Leben zwingt uns ganz einfach dazu.“

www.zartbesaitet.net

 

 

dtmg

  • Bei allem, wozu ich spontan „Ja“ sagen will, hinterfrage ich: Warum möchte ich „Ja“ sagen.
  • Ich nehme mir eine halbe Stunde Zeit, um einmal in Ruhe meine Gründe auszuschreiben, die mir das Thema Abgrenzung so schwer machen.
  • In Situationen, in denen ich mich erfolgreich abgrenze, halte ich danach für einen Moment inne um achtsam zu spüren, wie gut sich dadurch mein Selbstvertrauen anfühlt.

 


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