Die Sonne scheint, im Garten blüht es und Hundekind Henry döst alle Viere von sich gestreckt auf der Terrasse. Sohnemann ist seit dem Wochenende auf Klassenfahrt in Manchester, mein Mann im Büro in der Stadt und die „Kleine“ in der Schule. Herrlich freie Zeit für mich. Und warum zupfe ich dann missmutig Unkraut und jammere über den wild wuchernden Garten? Ich sollte mich freuen und glücklich sein. Stopp! Sollte, müsste – höchste Zeit für einen Perspektivenwechsel und achtsame Abgrenzung!

„Für mich ist das Glück zu einem Hindernis geworden, das Leben in seiner Vollkommenheit und Reinheit zu umarmen, zu küssen und mit ihm zu flirten.“

www.afschin.com

Dieser Satz des Bloggers Afschin bringt es irgendwie auf den Punkt. Allmählich habe ich nämlich das Gefühl, geradezu unter einem Glückszwang zu leiden. Darf ich nicht auch mal jammern obwohl es mir gut geht?

 

Sich im Sud des Jammers zu aalen bringt ebenso wenig wie gnadenlos zu verdrängen. Spürt lieber achtsam in eure Klagen hinein, sie sind ein Signal der Seele.

Sich im Sud des Jammers zu aalen bringt ebenso wenig wie gnadenlos zu verdrängen. Spürt lieber achtsam in eure Klagen hinein, sie sind ein Signal der Seele.

 

Abgrenzung mithilfe eines Perspektivenwechsels

Ehrlich auszudrücken, wie es euch geht, ist doch kein Jammern. Man muss für seine Gefühle einstehen. Tue ich das nicht, bleibe ich nämlich in diesen leidigen Miesepetergefühlen hängen. Alles eitel Sonnenschein nur weil ich jetzt in einem Haus mit Garten sitze? Eben nicht. Gestehen wir uns unser Jammern zu und spüren achtsam in unsere Gefühle hinein, so erkennen wir die wirklichen Ursachen. Entscheidend ist dabei jedoch, die Position eines Beobachters einzunehmen. Mir helfen dabei folgende vier Schritte:

  1. Akzeptieren, was gerade ist
  2. Innehalten, atmen und spüren
  3. Gedanklich auf einen Berg steigen und die Situation von oben betrachten
  4. Spüren: Was brauche ich jetzt beziehungsweise was wünsche ich mir von mir selbst?

 

Abgrenzung gegenüber Erwartungen, die uns nicht gut tun

Abgesehen davon, dass mein innerliches Jammern extrem viel Energie raubt, bringt es mich keinen Schritt weiter, wenn ich mich dafür auch noch verurteile. In der achtsamen Wahrnehmung erkenne ich nämlich den wahren Grund meiner Grummeligkeit. Ich fühle mich noch etwas verloren in der neuen Umgebung und spüre Heimweh nach dem alten Zuhause. Dort wusste ich, wo ich was einkaufen konnte und alles hatte seinen eingefahrenen täglichen Verlauf. Jetzt setze ich mich unter Druck, mich sozusagen auf Knopfdruck ebenso heimisch und gewohnheitsmäßig zu bewegen wie in der alten Umgebung. Kann ja nur schief gehen. 🙁 Gestehe ich mir jedoch meine Unsicherheiten und Ängste zu, erkenne ich, dass sie komplett normal sind und schon krieche ich langsam und mit leichterem Gepäck aus dem Jammertal hervor.

„Du kannst Dich selbst entschleiern, wann immer Du bereit bist, Deine Ängste zu konfrontieren. Denn alles, wonach Du suchst, ist das, wovor Du Angst hattest. Doch Du wirst den Sinn nicht erkennen, der aus der Konfrontation mit Deiner Angst erwächst, bis Du Dich damit konfrontierst.“

www.sein.de

Abgrenzung eröffnet uns die Möglichkeit der Wahl

Nehmen wir unser Jammern als ein wichtiges Signal unserer Seele ernst und konzentrieren uns in diesen Momenten für eine Weile auf unseren Atem, sehen wir das Bedürfnis, das unserem Missmut zugrunde liegt. Dadurch haben wir die Wahl, wie wir mit diesem Bedürfnis umgehen beziehungsweise wie wir ihm nachkommen. In meinem Fall gäbe es zum Beispiel die Möglichkeit, hin und wieder in die alte Umgebung zu fahren, um dort wie gewohnt einzukaufen. Warum nicht? Mit der Zeit wird sich mein Schwerpunkt ganz von alleine verschieben. Aber eben mit der Zeit und nicht von heute auf morgen. Und damit wären wir bei der Geduld, auch ein spannendes Thema. 🙂

„Wer Geduld sagt, sagt Mut, Ausdauer, Kraft.“

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Übrigens ist es erstaunlich, wie schnell sich lediglich durch diese achtsame Gewahrwerdung der eigentlichen Bedürfnisse der Seelenhimmel sofort in ein strahlendes Blau verwandelt. Jammern lässt Wolken aufziehen und bevor es ganz dunkel wird lohnt sich also ein achtsamer Perspektivenwechsel. Ich werde da auf jeden Fall zukünftig bewusst drauf achten!

 

 

dtmg

  • Statt mich für mein Jammern selbst zu verurteilen, konzentriere ich mich auf meinen Atem und spüre achtsam dem wirklichen Grund dafür nach.
  • Welche Erwartungen setzen mich unter Druck? Ich schreibe eine Liste.
  • Ich werde mir einen Zettel mit folgender Frage als Reminder an den Computerbildschirm hängen: „Was wünsche ich mir jetzt von mir selbst?“

 


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