Stress abbauen

Gefühlt ist das Wort Stress eines der mit am häufigsten benutzen Worte unseres Vokabulars. Scheinbar ist so gut wie jeder am Klagen, er sei im Stress: Stress im Job, Stress mit den Kindern, ja sogar Freizeitstress und letztendlich auch Entspannungsstress, denn für Entspannungsübungen fehlt im Grunde die Zeit. Leider ist Stress heute mit einer der Hauptgründe für körperliche und seelische Beschwerden. Und es ist das Stressgefühl, das uns davon abhält, das Leben zu genießen und den Moment wertzuschätzen. Also müssen wir Stress abbauen, damit wir uns am Ende nicht irgendwann ausgebrannt, freudlos und leer fühlen. Stress abbauen mithilfe von Achtsamkeit ist deshalb eine gute Methode, weil wir in der Achtsamkeit erkennen, welchen Anteil äußere und innere Faktoren an unserem Stressempfinden haben. Dieses Erkennen in Achtsamkeit ist kein reines intellektuelles Verstehen sondern führt unweigerlich zum Spüren. Wir nehmen unseren Körper und unsere Gefühle wahr. Somit ist Achtsamkeit einer der besten Wege, wenn wir erfolgreich Stress abbauen wollen.

Stress abbauen

 

 

Stress abbauen ist eine Frage der Haltung

Vielleicht kennt ihr folgenden Spruch: Der Stress ist nicht der Stress. Darüber muss man erst einmal nachdenken. Aber es ist wahr: Was uns stresst sind in den seltensten Fällen die alltäglichen Herausforderungen. Es ist unser Umgang damit, unsere Haltung. Diese entscheidet, ob wir etwas als Stress wahrnehmen oder als normale Aufgabe, die sich uns stellt.

„Berufliche Anforderungen haben oft etwas mit dem Wetter gemeinsam: Wir haben keinen Einfluss auf das Wetter und die Aufgaben, die an uns herangetragen werden. Wir haben jedoch einen Einfluss darauf, wie wir mit dem Wetter und den Aufgaben umgehen – wie wir auf diese reagieren.“

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Wenn es regnet, regnet es. Es liegt an uns, ob wir uns klagend unter ein Dach stellen und miesepetrig in die Pfützen schauen oder zu Gummistiefeln und Schirm greifen und frohen Mutes in den Tag hinaus schreiten. Ebenso wenn zum Beispiel der Bus direkt vor eurer Nase abfährt. Natürlich könnt ihr euch nun schwarz ärgern. Doch der Bus ist weg, Punkt. Warum jetzt nicht umdenken und diese Zeit dafür nutzen, Stress abzubauen, statt gedanklich anzustauen? Nehmt ein oder zwei tiefe Atemzüge und nutzt diese kurze Pause dafür, euch bewusst mit dem Boden zu verbinden und zu erden. Oder ihr setzt euch in Ruhe auf die Wartebank und spürt jetzt einmal achtsam mit allen Sinnen: Nehmt Geräusche und Düfte wahr, die Farben und Formen der Umgebung. Wartezeiten und Verzögerungen sind im Grunde willkommene Achtsamkeitspausen der Entspannung.

Tägliche Gedanken-Checks helfen den Stress abzubauen

„Wie soll ich das denn noch schaffen?“ „Was für eine Hektik mal wieder.“ „Ich fühl mich total gehetzt.“ „Bis heute Abend bin ich lange nicht fertig.“ Stopp!! Kennt ihr derartige Selbstgespräche? Sie führen zu nichts anderem als dazu, dass ihr euch innerlich total unter Druck und Anspannung setzt. Ertappt ihr euch bei Gedanken, die eure innere Balance ziemlich ins Schaukeln bringen, haltet kurz inne und atmet. Bewusstes Atmen ist immer der beste Weg, um sich blitzschnell mit dem Körper zu verbinden. Dann erst spürt ihr. Checkt jetzt eure Gedanken: Wie fühlen diese sich an, was bewirken sie in euch – psychisch und körperlich. In diesen achtsamen Momenten bewusster Wahrnehmung erkennen wir, wie sehr unsere Gedanken uns unter Druck setzen und beeinflussen. Und wir haben jetzt die Möglichkeit durch „Umdenken“ unseren Stress abzubauen: „Eins nach dem anderen, ich schaff das schon.“ „Was heute Abend nicht fertig ist, das muss eben warten.“ Fühlt mal hinein, wie viel entspannter sich solche Formulieren anfühlen und wie viel positiver sie sich sofort auf euer Stressempfinden auswirken.

„Wenn wir nicht mehr im Gleichgewicht sind, geraten wir entweder in übermäßige Erregung, was Chaos bedeutet, oder sind zu wenig erregt und geraten damit in einen starren oder deprimierten Zustand. Beide Extreme berauben und der Vitalität.“

aus: „mindsight“ von Daniel J. Siegel

Stress abbauen soll uns helfen, das Leben freudvoller und lebendiger zu erleben. Gewöhnt euch daher ruhig an, dreimal am Tag eure Gedanken zu checken, vielleicht mithilfe einer Handyerinnerung. Ertönt das Signal, atmet ihr bewusst und prüft, was ihr gerade denkt. Spürt in den Gedanken hinein, formuliert ihn positiv um und spürt erneut hinein. Nehmt bewusst den Unterschied wahr.

Wer seine Stressoren kennt, kann leichter Stress abbauen

„Stress ist kein Zustand! Es ist eine Reaktion. Wäre Stress keine individuelle Reaktion, so würde jeder Mensch in derselben Situation gestresst reagieren oder auch nicht. Da dem nicht so ist und jeder von uns in unterschiedlichen Situationen bestimmte „Auslöser“ erfährt, ist Stress eine Reaktion auf genau diesen Auslöser. Und sehr individuell.“

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So sieht es leider oder auch zum Glück aus. Denn damit ist Stress keine Gegebenheit, mit der wir uns abfinden müssen. Stress ist etwas, was jeder mithilfe von Achtsamkeit auflösen kann. Beispielsweise das komplett unordentliche Kinderzimmer: Euerem Kind fällt es gar nicht auf. Euer Partner sieht darüber lächelnd hinweg. Nur bei Euch löst das Chaos im Zimmer Wut, Ärger und den Drang zum Aufräumen aus. Kurz gesagt: Euch stresst dieser Zustand. Je achtsamer wir uns derartige Situationen anschauen, desto mehr verstehen wir, warum wir in bestimmten Situationen so und nicht anders reagieren. Vielleicht seid ihr von frühester Kindheit auf Ordnung und Perfektionismus trainiert. Dann ist es nur natürlich, das jegliche Art von Durcheinander euch innerlich stresst. Der Stressor ist dann jedoch nicht das Chaos im Kinderzimmer sondern eure Konditionierung. Um Stress abzubauen, müssen wir genau erkennen, welche inneren Stressoren uns zu Reaktionen verleiten, die wir dann als Stress bezeichnen. Der Zustand ist nicht der Stress, sondern unsere Reaktion, die durch den Zustand ausgelöst wird.

Selbstbestimmter leben und Stress abbauen

Je mehr wir das Gefühl haben, dass unser Leben fremdbestimmt abläuft, desto stärker ist unser Stressempfinden. Stress abbauen bedeutet auch, dafür zu sorgen, selbstbestimmter zu leben. Natürlich sind da die Arbeit und die Familie, aber wir können dafür sorgen, uns zwischendurch selbstbestimmte Zeit einzuräumen. In dem Buch „Glück – The World Book of Happiness“ beschreibt Christian Bjornskov, Professor für Volkswirtschaft, wie er beim Schreiben eines Aufsatzes gedanklich nicht weiter kam und spontan entschied, ein Eis essen zu gehen. Er nahm sich persönliche Freiheit. Fünf Minuten nur für sich. Danach klappte es mit dem Aufsatz besser, denn während er in der Sonne zum Eisladen spazierte und die Sonne genoss, arbeitete sein Unterbewusstsein weiter an den Ideen für den Aufsatz.

„Trauen Sie sich, Eis zu essen: Tun Sie nicht immer das, was von Ihnen erwartet wird. Genießen Sie Ihr Leben in jedem Moment.“

Christian Bjornskov,
in „Glück – The Wolrd Book of Happiness“

Stress abbauen durch mehr Selbstbestimmung- wie könnte das aussehen? Bummelt in der Mittagspause durch den Park statt wie immer in der Kantine zu essen. Nehmt das Fahrrad zur Arbeit statt den Bus. Sagt eine Verabredung ab und gönnt euch einen Abend mit einem guten Buch. Schaltet am Wochenende das Handy ab. Geht fünf Minuten am Schreibtisch in die Achtsamkeit und atmet: Beim Einatmen langsam bis Drei zählen, kurze Atempause, durch den Mund ausatmen, dabei wieder bis Drei zählen und erneut eine kurze Atempause usw. Es gibt viele Möglichkeiten im Alltag für entspannte Momente zu sorgen. 15 – 30 Minuten bringen dabei bereits eine ganze Menge.

Ohne freien Kopf können wir keinen Stress abbauen

Wenn Stress hauptsächlich im Kopf entsteht, sollten wir dafür sorgen, dass wir im Kopf ausgeglichener und „freier“ werden. Um zu einer ausgewogenen inneren Balance zu gelangen, die uns davor schützt, achtlos auf Trigger zu reagieren, müssen wir für eine ausreichende Regeneration sorgen. Stress abbauen im Schlaf ist häufig ein Wunschgedanke. Trotz Übermüdung liegt man wach im Bett, weil der Kopf keine Ruhe findet. Dabei ist Schlaf nicht nur wichtig zur Regeneration des Körpers, sondern auch für die Regeneration der Psyche. Wer ausreichend und gut schläft, ist am Tage gelassener.

„Gewöhnen Sie sich ein Ritual an, dass Sie vor dem Zu-Bett-Gehen ausführen. Lassen Sie den Tag noch einmal Revue passieren, und konzentrieren Sie sich dabei auf die positiven Seiten. Was ist Ihnen gelungen, was waren schöne Momente?“

Dr. med. Gudrun Starringer,
Ärztin für Fitness- und Entspannungstrainerin

Aus der Achtsamkeit kennt ihr vielleicht bereits das Dankbarkeitsbuch, in das ihr jeden Abend drei Dinge notiert, für die ihr am Tage dankbar seid. Dieses Ritual hilft ebenfalls, Stress abzubauen und den inneren Fokus vor dem Schlafen auf Positives zu richten. Achtet auch darauf, dass ihr euer Bett wirklich nur als Schlafstätte nutzt. Also kein Labtop im Bett und auch nicht im Bett fernsehen oder essen. Hilfreich zum Stressabbau vor dem Einschlafen sind auch Entspannungsübungen: Legt euch ausgestreckt auf den Rücken und spürt jetzt beginnend bei den Füssen bis hinauf zum Scheitel in jede Körperregion hinein. Schickt in Gedanken euren Atem zu dem jeweiligen Körperteil und visualisiert, wie sich hier sämtliche Anspannung löst. Allmählich sinkt ihr gedanklich tiefer in die Matratze. Was ebenfalls hilft beim Einschlafen ist die tiefe Bauchatmung: Dabei atmet ihr gleichmäßig tief in eueren Bauch und ebenso ruhig wieder aus. Beim Einatmen hebt sich eure Bauchdecke, beim Ausatmen senkt sie sich. Der Atem fließt quasi vor und zurück. Atmet so lange weiter, bis ihr einschlaft.

Wer Stress abbauen will muss in Bewegung kommen

Habt ihr einmal ausprobiert, gerade in Hochphasen von Stress, den Hampelmann zu machen? Probiert es aus: Stellt euch aufrecht hin und hüpft wie Kinder: Beine zur Seite und gleichzeitig gestreckte Arme über den Kopf zusammenbringen. Das puscht ruck zuck Energie in euren Körper und der Stress im Kopf löst sich auf. Um Stress langfristig abzubauen, ist es durchaus ratsam, sich täglich 30 Minuten zu bewegen. Keine Sorge, es muss kein schweißtreibendes Fitnessprogramm sein. Joggen, Walken, Tanzen, Spazierengehen oder Fahrradfahren, Hauptsache es macht Spaß. In der Bewegung löst sich angestaute Energie am besten. Gleichzeitig belohnt uns unser Körper mit der Ausschüttung von Glückshormonen. Yoga wirkt hier zum Beispiel sehr ganzheitlich:

„Yoga zielt auf die Verbindung zwischen Körper und Geist, Atem und Bewegung. Der Blick richtet sich dabaei nach innen, auch mit dem Ziel, sich selbst anzunehmen.  Das macht uns frei, in Einklang mit unseren Möglichkeiten und Fähigkeiten zu leben und auch, sich den Maßstäben unserer Leistungsgesellschaft zu entziehen.“

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Thai Chi hilft ebenfalls sehr gut, Stress abzubauen: Die dabei im Zeitlupentempo ausgeführten Bewegungen in Kombination mit einer konzentrierten Atmung folgen dem Prinzip des „Yin und Yang“. Diese gegensätzlichen Kräfte werden bei den Übungen vereint, ausgehend davon, dass auch im Menschen die gegensätzlichen Kräfte in einem ausgewogenem Verhältnis sein müssen, damit die Lebensenergie frei im Körper fließen kann. So werden Blockaden und stressbedingte Spannungen gelöst.

„Entspannung durch Bewegung kann auch durch Qigong“ erreicht werden, … Im Zentrum stehen auch hier eine bewusste und tiefe Atmung sowie ruhige, konzentrierte Bewegungen, wodurch Körper, Geist und Seele (wieder) in Einklang gebracht und negative Einflüsse bzw. Stress vermindert werden sollen.“

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Doch Vorsicht: Um Stress abzubauen sollte das Bewegungsprogramm nicht in Stress ausarten, sprich zum Pflichtprogramm werden. Der Spaßfaktor ist wichtig!

Stress abbauen mittels eines strikten Grübel-Verbots

„Hätte ich bloß…“ – „Wäre es nicht besser gewesen….“ – „Was passiert wenn…“ – Oh je, ihr kennt das alle, diese ewige Grübelei. Dahinter verbirgt sich ein hoher Anspruch an Perfektion sowie Angst, Fehler zu machen. Doch endloses Hadern und Kreieren von „Was-wäre-wenn“-Szenarien sorgt unterschwellig für ein enormes Stressniveau. In der Achtsamkeit lernen wir, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind. Wertfrei und urteilslos. Sämtliche Gedanken der Unsicherheit, sei es in einer Partnerschaft oder im Job, verursachen permanent Stress in unserem Körper.

„Stress ist eine chemische Reaktion unseres Körpers. Wir schätzen eine Situation als gefährlich ein und sofort werden in unserem Körper Adrenalin und Noradrenalin in die Blutbahn ausgeschüttet. Unser Körper rüstet sich zu Kampf und Flucht.“

www.psychotipps.com

Natürlich müssen wir nicht mehr gegen wilde Tiere kämpfen, aber unsere Feinde sind zum Beispiel Zeitdruck und Straßenlärm oder eben auch emotionale Stressoren wie Unsicherheiten und Ängste. Gerade diese „inneren“ Stressoren sind besonders gefährlich, da sie uns ständig unter Anspannung halten, sprich den Stresspegel hoch halten, was letztendlich zu Kopfschmerzen, Herzproblemen, Kreislaufbeschwerden, Verdauungsproblemen oder Rückenschmerzen führen kann. Angst vor beispielsweise Misserfolgen, vor Ablehnung und Versagen können wir in der Achtsamkeit peu à peu ablegen, da wir in der bewussten Präsenz erkennen, welche Glaubenssätze (z.B.: „Du reichst nicht.“ „Du bist nicht liebenswert.“) hier zugrunde liegen. In der Regel werden Grübeleien immer durch einen Mangel an Eigenliebe und Selbstvertrauen genährt.

Mithilfe liebgewonnener Gewohnheiten Stress abbauen

Meistens wird ja das Festhalten an Gewohnheiten eher kritisch betrachtet. In Bezug auf Stressabbau können liebgewonnene Gewohnheiten jedoch hilfreich sein. Das Frühstücken mit der Familie am Morgen, die wöchentliche Joggingrunde mit der besten Freundin, der Abendgang mit dem Hund und vieles andere. Vor allem Gewohnheiten, die wir mit Familie oder Freunden teilen, helfen dabei, Stress abzubauen. Das starke Verbundenheitsgefühl, die Vertrautheit und das Gefühl, sich fallen lassen zu können, geben uns eine sichere Basis. Liebe Menschen schenken uns Verständnis und lassen uns Kraft schöpfen. Jedoch seid auch hier achtsam: Nicht immer herrscht ein Gleichgewicht. Häufig neigen wir dazu, gerade im engen vertrauten Kreis unser „Helfersyndrom“ zu pflegen. Dann setzen wir alles in Bewegung, um den Andren zu gefallen. In der Achtsamkeit erkennt ihr ehrlich das wahre Motiv eures Hilfsangebots. Nicht selten suchen wir Bestätigung und Aufwertung, weil es uns an Eigenliebe und Selbstwertgefühl fehlt. Für alles und jeden die Verantwortung zu übernehmen gibt uns eine Wichtigkeit und das Gefühl der Kontrolle. Nur was wäre zum Beispiel so schlimm daran, die Kontrolle und Verantwortung abzugeben? Ihr seht schon, hier muss jeder sehr ehrlich zu sich selbst sein.

„Packen Sie nicht ohne eine vorherige Einschätzung der Situation an, wenn Sie um Hilfe gerufen werden. Es ist ein häufiger Trugschluss, dass jemand geliebt bzw. akzeptiert wird, wenn er sich um alles kümmert. Sich vor ungerechten Forderungen zu schützen, ist ein wesentlicher Bestandteil beim Stress Management und beugt dem Stress erfolgreich vor.“

www.arbeitstipps.de

Stress abbauen beinhaltet immer auch Abgrenzung. Schaut einmal achtsam, in welchen Bereichen ihr Schwierigkeiten habt, eure Grenzen konsequent zu kommunizieren? Besonders Müttern fällt dieses oft in Bezug auf die Familie schwer. Doch Abgrenzung ist notwendig, um für sich selbst gut zu sorgen. Habt ihr das Gefühl, zu kurz zu kommen, fühlt ihr euch unterschwellig gereizt. Sämtliche Anforderungen werden dann schnell als Stress empfunden. Also achtet darauf, rechtzeitig „Nein“ zu sagen. Wer erst „Ja“ sagt und später „Nein“, stresst sich selbst mit Gefühlen von Schuld und Scham.

Stress abbauen, wo es Not tut

Auch wenn das Wort Stress allgemein negativ interpretiert wird, sollten wir uns darüber klar werden, das nicht jede Art von Stress schädlich ist. Belastungen sind etwas völlig Natürliches. Sie fordern uns heraus und bringen unseren Motor zum Laufen. Nur darf sich der Motor nicht heiß laufen. Ihr kennt alle Situationen, in denen Stress einfach dazu gehört: das erste Date, die Aufregung vor einer Prüfung, einem Wettkampf oder einem Bewerbungsgespräch. Stress holt hier sozusagen das Beste aus uns heraus. Bereits den Urmenschen diente Stress dazu, in Gefahr sämtliche Energiereserven zu aktivieren, um das Überleben zu sichern.

„Alles in uns fixiert sich auf ein Ziel, wir arbeiten hoch konzentriert und ergebnisorientiert.  Sobald der Alramzustand vorüber ist, ebbt der Hormonspiegel automatisch ab. Erst wenn der Stress länger anhält, gehen die Vorteile verloren.“

www.karrierebibel.de/stress

Bei positivem Stress, der uns zu Leistungen anspornt, spricht man auch von Eustress. Erst wenn der Stresszustand sich nicht entladen kann und die Stresshormone weiterhin unseren Körper fluten wird es gefährlich. Sorgen wir hier nicht für Entspannung spricht man von Distress, auf den unser Körper mit Konzentrationsschwierigkeiten, Erschöpfung, Angstattacken, Depressionen reagiert.

In der Achtsamkeit spüren wir über die bewusste Verbindung mit unserem Körper, ob wir Gefahr laufen, in den Distress-Modus zu rutschen. Am besten wir lassen es gar nicht erst so weit kommen. Nach Anspannung (Stress) muss immer Entspannung folgen! Und dieses können wir bereits täglich praktizieren: Geht nach einem Meeting ein paar Schritte vor die Tür nach draußen und kommt über euren Atem wieder bei euch an. Stellt euch nach einem Streitgespräch in Ruhe ans Fenster, atmet und betrachtet den Himmel. Stress abbauen beginnt bei Kleinigkeiten. Der größte Irrtum ist, erst im Urlaub Entspannung vom Stress zu erwarten. Wer nicht bereits täglich dafür sorgt, Stress abzubauen, dem wird es im Urlaub nur sehr schwer gelingen in die Erholung zu finden.

In der Selbstannahme Stress abbauen

Ich bin, wie ich bin und so wie ich bin, bin ich absolut okay. Diesen Satz solltet ihr euch tagtäglich wie ein Mantra so oft es geht eintrichtern. Unsere natürliche Neigung, uns zu vergleichen, setzt uns innerlich unter Stress. Nicht bewusst, aber im Unterbewusstsein arbeitet es:  „Wieso gehen die Anderen so entspannt mit ihren Kindern um? Wenn alle Freunde über Ostern verreisen, müssen wir auch wegfahren. Warum schreiben meine Kinder schlechtere Noten als ihre Freunde?“ Wir laufen sozusagen mit einer Meßlatte herum, die wir an dem Maßstab der Anderen ausrichten. Stress abbauen heißt aber auch, die Dinge anzunehmen, wie sie sind. Sobald ihr achtsamer bei euch seid, könnt ihr derartige Vergleiche registrieren, um ihnen mit einem inneren Lächeln zu begegnen.

„Dieses innere Lächeln spielt z.B. im chinesischen Qi Gong eine wichtige Rolle. Beginnen Sie mit einem Lächeln. Führen Sie dieses Lächeln zum höchsten Punkt des Kopfes und von dort aus zu den Organen: zur Lunge, dem herzen, der Leber, der Milz und den Nieren. In der chinesischen Vorstellung sind allen diesen Organen verschiedene Emotionen zugeordnet, die je nach Ausprägung den Fluss von Energie („Qi“) behindern können. Lächeln entspannt und harmonisiert.“

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Bestimmt kennt ihr die einfache Achtsamkeitsübung des Lächelns: Dabei begegnet ihr jeglicher Situation mit einem Lächeln, auch Ärger und Streit. Um inneren Stress abzubauen, lächelt ihr jetzt vor allem erst einmal euch selbst zu. Sobald ihr euch mit einem inneren Lächeln achtsam beschenkt, werdet ihr schnell spüren, dass ihr Distanz zu euren kritischen Gedanken bekommt, loslassen könnt und zudem noch mit dem guten Gefühl der Selbstverantwortung belohnt werdet. Ein inneres Lächeln ist ein Geschenk der Selbstliebe. Im Grunde praktiziert ihr mit diesem inneren Lächeln Nachsicht euch selbst gegenüber und praktiziert Selbstmitgefühl.

Stress abbauen mit Meditation

Einfach nur sein – herrlich! Meditation ist sicherlich eine der besten Methoden, um langfristig Stress abzubauen. Es ist längs wissenschaftlich erwiesen, dass Meditation gegen Stress und Ängste widerstandsfähiger macht und für innere Ausgeglichenheit sorgt. Setzt euch also 15-20 Minuten täglich zur Ruhe, schließt die Augen, der Rücken ist aufrecht, die Hände liegen entspannt auf den Knien und eure Füße sind fest auf dem Boden. Wer mag, kann auch im Lotussitz mit gekreuzten Beinen sitzen. Kommt über ein, zwei tiefe Atemzüge zur Ruhe und kehrt euren Fokus jetzt nach Innen, auf das Sein: Alles, was an Gedanken und Gefühlen hochkommt, ist okay. Haltet nichts fest, lasst alles vorbeiziehen. Um sich nicht von Gedanken davontragen zu lassen, könnt ihr euch auch ein Mantra wählen, zu dem ihr jedes Mal in die wache Präsenz zurückkehrt. So ein Mantra könnte zum Beispiel ein Wort sein (z.B.: Ruhe, Liebe, Frieden, Stille) oder auch ein Satz (z.B.: „Ich bin okay“. „Ich fühle Liebe.“). Schaut einfach, was für euch am besten funktioniert. Für viele reicht auch bereits der Atem als Anker der Gewahrwerdung.

„Wer nämlich regelmäßig meditiert, lernt mit der Zeit, aufmerksamer mit sich selbst umzugehen und nicht mehr bei jedem Stressauslöser anzuspringen. „Meditation ist aus meiner Sicht ein Training in Selbstregulation“, sagt Ulrich Ott (Neurowissenschaftlre und Meditationsforscher an der Universität Gießen). „Man lernt, sich zu entspannen, zu konzentrieren und sich emotional zu klären.“

Interview zum Thema Meditation,
spiegel online

Und habt Geduld bei Euerer Meditationspraxis: Gerade die Meditationen, bei denen wir meinen, viel zu abgelenkt zu sein, sind oft die wirkungsvollsten.

Stress abbauen durch gesunde Ernährung

Meist neigen wir dazu, in Stressphasen viel Süßkrams in uns hineinzufuttern. Gummibärchen und Schokolade als kleine Seelentröster zwischendurch. Schokolade macht tatsächlich glücklich, denn der darin enthaltene Kakaoanteil enthält Flavonoide. Das sind natürliche Antioxidantien, die helfen, Stresshormone abzubauen. Und je dunkler die Schokolade, desto höher der Flavonoid-Gehalt. Was auch noch hilft:

Joghurt zum Beispiel: Das darin enthaltene Vitamin B beruhigt und das Vitamin B2 bremst die Aktivität der Stresshormone. Angeblich regt Joghurt auch die Produktion des Glückshormons Serotonin an. Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen sind gute Magnesium-Lieferanten. Magnesium ist wiederum ein wichtiger Mineralstoff für die Nerven.

„Abwarten und Tee trinken? Die Redewendung trifft den Kern: Egal ob Kamillen-, Melissen- oder Früchtetee – Tee hat eine entspannte Wirkung auf den Körper. Das fängt bereits bei der Zubereitung an. Lassen Sie sich nicht hetzen und nehmen Sie sich Zeit, den Tee ziehen zu lassen und genießen Sie die paar Minuten Auszeit.“

www.karrierebibel.de/stress

Während ihr achtsam esst und in euch hineinspürt, wie sich bestimmte Nahrungsmittel auf euren Körper und eure Stimmung auswirken, beginnt ihr bereits damit, Stress abzubauen. Der häufigste Fehler ist nämlich der, dass wir aufgrund von Zeitmangel und Stress achtlos nebenbei essen. Oder auf die Schnelle viel zu fette und reichhaltige Speisen in uns hineinstopfen. Achtsames Essen bedeutet immer, sich Zeit nur für das Essen zu nehmen, ohne Ablenkung. Und alleine damit löst ihr euch bereits aus dem Stress-Modus.

Stress abbauen auf alternativen Wegen

Stress abbauen mithilfe von Achtsamkeit ist vor allem auf langfristige Sicht ein sehr wirksamer Weg. Dennoch gibt es manchmal akute Stressphasen im Leben, wo es sinnvoll ist, auf alternative Heilmittel zu greifen. Zum Beispiel haben sich hier Schüsslersalze bewährt. (mehr zum Thema Schüsslersalze: www.mueller-frahling.de). Zu den Experten für die Nerven zählen zum Beispiel das Salz Nr. 5 (Kalium phophoricum) in der Potenz D6 und Das „Salz des Immunsystems“ Nr. 3 (Ferrum phosphoricum D12).

Ebenso hilfreich ist auch die Kraft der Pflanzen: Aus Blüten, Blättern, Stängeln und Wurzeln lässt sich ohne großen Aufwand ein Tee herstellen, der bei akuten Stresssymptomen oft große Wirkung zeigt. Ein Teeaufguss mit Passionsblumenkraut sorgt zum Beispiel am Abend für einen ruhigen und tiefen Schlaf.

„Ein gehäufter Teelöffel Passionsblumenkraut wird mit ca. 200ml kochendem Wasser übergossen, der Tee dann etwa 6-7 Minuten ziehen gelassen und anschließend in kleinen Schlucken getrunken.“

www.heilpraxisnet.de

Bachblüten werden ebenfalls sehr oft in akuten Stressphasen empfohlen. Zum Beispiel Cherry Plum (Kirschpflaume) bei innerer Unruhe, Crab Apple (Holzapfel) bei hoher Sensibilität und Centaury (Tausendgülderkraut) für Menschen, die dazu neigen, sich immer mehr um andre als um sich selbst zu kümmern. Wer auf alternative Heilmethoden zurückgreift, um Stress abzubauen, der sollte die Wirkung dieser Methoden jedoch nicht unterschätzen und sich vorher eingehend beraten lassen (Apotheker, Heilpraktiker, Reformhäuser).

Achtsam Stress abbauen bedeutet aber auch, sich Zeit zu gönnen. Zum Beispiel für ein Verwöhn-Bad mit einem Duftöl, das die Entspannung noch unterstützt. In der Aromatherapie gibt es eine Vielzahl unterschiedlichster Duftöle, die man wunderbar als Badezusatz, als Massageöl, als Öl für eine Duftlampe oder einfach in einem Fläschen für unterwegs verwenden kann. Bei dm Gefühl der inneren Unruhe haben sich vor allem folgende Aromen bewährt: Lavendel, Melisse, Ylang Ylang, Orange, Bergamotte, Rosen und Vanille.

„… Düfte bzw. Gerüche wirken direkt auf das sogenannte „olfaktorische Zentrum“ (lat.: olfacere = „riechen“) im Gehirn, wo diese direkt mit Erlebnissen und Situationen in Zusammenhang gebracht werden. das bedeutet zusammengefasst: Angenehme, schöne Aromen werden auch mit angenehmen, schönen Momenten verknüpft – … Dementsprechend kann durch den gezielten Einsatz von Duftölen nicht nur das Wohlergehen generell positiv beeinflusst werden, sondern auch Stress bzw. einem Gefühl der Überforderung.“

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Abschließend noch ein letzter Tipp, mit dem sich ebenfalls sehr schnell und auf sehr angenehme Art und Weise Stress abbauen lässt: Gönnt euch Tagträume! Blickt einfach mal verträumt aus dem Fenster und schickt eure Gedanken auf Reisen. Vielleicht lässt euch der strahlend blaue Himmel sehnsuchtsvoll an den letzten Strandurlaub denken oder das herbstlich gefärbte Laub erfüllt euch mit Melancholie. Genießt diese Momente des Nichtstuns, der Träumerei. Abschalten und innerlich auftanken, genau das passiert beim Tagträumen.