Autsch, die Bemerkung hätte ich mir echt sparen können. Kennt ihr solche Situationen? Da rutscht euch gegenüber einem Kollegen oder einer Freundin ein Satz raus, dabei habt ihr es gar nicht so gemeint. Manchmal versuchen wir uns damit zu retten, indem wir das Gesagte als Scherz hinstellen, doch spüren selbst, dass diese Variante wenig glaubhaft ist. Was reitet uns in solchen Momenten? Warum lassen wir Spitzen los, obwohl uns der andere gar nichts Böses will? Irgendwie mischt da klammheimlich unser Ego mit.

„Das Ego wird gefüttert“, mit jeder Bestätigung und Zuwendung. Das Ego ist also abhängig davon, wie wir von außen wahrgenommen werden. Das ist uns in der Regel nicht gleichgültig. Wir „basteln“ deshalb gern an unserem Ego, wir polieren es auf, damit es gut aussieht.

www.seele-verstehen.de

 

Unser Ego setzt sich aus vielen Prägungen und Erfahrungen zusammen. Abgrenzung vom Ego ist manchmal extrem wichtig, um sich selbst treu zu bleiben.

Unser Ego setzt sich aus vielen Prägungen und Erfahrungen zusammen. Abgrenzung vom Ego ist manchmal extrem wichtig, um sich selbst treu zu bleiben.

Unser Ego glänzt gerne

Unser Ego ist ein Konstrukt aus Prägungen (Konditionierungen, Glaubenssätze) und Erfahrungen. Es entscheidet über unser Selbstbewusstsein, sprich den Selbstwert, den wir für uns spüren und nach außen präsentieren. Und da unser Ego gerne strahlt und glänzt, werkelt es sozusagen in aller Stille, damit dieser Putz erhalten bleibt. In dem Moment, wo wir beispielsweise jemanden tadeln hüpft es vor Begeisterung, denn so kriegt es seine volle Bestätigung. Wer jedoch zum Beispiel ein etwas mickriges Ego besitzt, da rappelt sich das Ego hoch, indem es über andere ablästert. Hört sich das zu simpel an? So ähnlich funktionieren wir jedoch – leider. Denn achtet selbst einmal darauf, wie oft ihr euch an Klatsch und Tratsch beteiligt und wie sich das anfühlt.

„Wer andere verurteilt, bekommt Macht über sie und es kann sein, dass genau das der heimliche Grund ist, warum uns der Tadel oft so leicht über die Lippen geht.“

aus: „Zeit Wert Geben – Ein Inspirationsbuch mit 40 guten Gedanken

 

Unser Ego schlängelt sich so durch

Jemanden tadeln, das hört sich sehr streng an, oder? Doch nichts anderes tun wir, wenn wir jemanden zurechtweisen, sein Verhalten kritisieren oder an ihm herumgängeln. Wir als „Sender“ würden natürlich sofort dagegen halten, von wegen derart streng hätten wir es nicht gemeint. Doch versetzen wir uns in den „Empfänger“, spüren wir sehr wohl einen Tadel, sprich Missbilligung und Herabsetzung. Da braucht unser Ego gar nicht so zu tun, als sei alles nicht halb so wild. Weichzeichnen gilt hier nicht.

„Der Tadel (auch Rüge oder Schelte) bezeichnet eine meist verbale missbilligende Beurteilung, die oftmals mit dem Ziel einer Mäßigung oder Verhaltenskorrektur verbunden wird und gelegentlich als Strafe fungiert.“

www.wikipedia.org

 

Unser Ego verleitet uns zu seinen Gunsten

Ich nehme mich da nicht aus. Bestes Beispiel nachmittags mit den Kindern: Immer finde ich irgendetwas, um sie klein zu reden: „Schaffst Du es nicht einmal, das Geschirr in die Spülmaschine zu stellen! Wie oft muss ich Dir sagen, dass die Schuhe in den Schrank kommen! Wärst Du nicht so faul, würdest Du bessere Noten schreiben.“ – Schlimm, oder? :-( Je achtsamer ich mittlerweile werde, desto klarer erkenne ich, dass ich meine Kinder nur deswegen herunterputze, damit ich mich überlegen fühlen kann. Ich weiß, super schrecklich, ich bin auch nicht stolz drauf. Und warum fühle ich mich klein (beziehungsweise mein Ego)? Weil ich durch die Arbeit von zuhause aus keine direkte Anerkennung im Job erhalte. Weil ich mich zwar bewusst dafür entschieden habe, nachmittags für die Kinder da zu sein, jedoch spüre, dass mir auch hier die Anerkennung fehlt. Und grabe ich noch tiefer stoße ich auf die fehlende Selbstliebe. Wäre die vorhanden, würde ich reichen, so wie ich bin. Für mein Ego wäre das die Katastrophe schlechthin, denn es nährt sich durch Glaubenssätze, wie beispielsweise: „Ich bin nicht gut genug.“ oder „ Ich muss etwas leisten, um wertvoll zu sein.“

„Ego ist in diesem Sinn eine Überlebensstrategie, die meistens auch erfolgreich ist. Sie ist aber mit Leiden verbunden. Erfolg macht nicht glücklich, weil man ständig für ihn kämpfen muss, das kostet Lebenskraft und macht krank. Anpassung macht ebenfalls nicht glücklich, weil man seine eigene Natur unterdrückt.“

www.seele-verstehen.de

 

Unserem Ego können wir etwas entgegenhalten

Immerhin bin ich durch die tägliche Achtsamkeitspraxis schon einmal so weit, dass ich mich bewusst aus Lästereien heraushalte. Versucht es auch, ihr werdet merken, wie viel freudiger der Alltag wird. Und das Paradoxe daran: Ihr fühlt euch plötzlich selbstbewusster und selbstverantwortlicher. Diese Runde geht also bereits eindeutig an euch. Und um dem Ego auch in Bezug auf Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen, achtet darauf, immer auf Augenhöhe zu bleiben und euch nicht über den anderen zu stellen. Ich arbeite dran und spüre schon jetzt, wie sehr ich davon profitiere und mich wesentlich entspannter und mehr eins mit mir selbst fühle.

 

 

dtmg

  • Achtsam halte ich mich bewusst aus Lästereien heraus.
  • Statt zu nörgeln und zu kritisieren spüre ich erst einmal achtsam in mich hinein: Tut das jetzt wirklich Not? Und wenn ja, wie bleibe ich auf Augenhöhe ohne zu verletzen?
  • In meinem Urteil über andere bleibe ich bewusst bei mir selbst, um zu erkennen, in wie weit ich mich hier von meinem Ego leiten lasse.

 


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