Ausgerechnet am Valentinstag hatten mein Mann und ich einen Streit, tolles Timing. :-) Ich warf ich ihm an den Kopf, es würde ihm an Empathie fehlen. Immer die gleichen Themen (Habt ihr Kinder, kennt ihr diese in- und auswendig.), von wegen ich sei die Alleinige, die sich tagtäglich mit den Frechheiten unser beiden Pubertierenden herumplagen müsse. Seine Antwort: „Seit Jahren redest du von einer Ich-Reise, dann fahr doch endlich alleine weg, zwei Wochen nur Relaxing.“ Hallo? Das wollte ich nicht hören. Warum konnte er nicht einfach so fühlen wie ich und mir bestätigen, wie schwer ich es in meinem Alltag hätte. :-) (Etwas überzogen, gebe ich ja zu :-) ). Denke ich jetzt darüber nach, dann hat er es jedoch total richtig gemacht. Er hat Mitgefühl praktiziert.

Mitgefühl bedeutet sich einzufühlen und gleichzeitig zu schauen, was hilft, heilsam und gut ist.

Mitgefühl bedeutet sich einzufühlen und gleichzeitig zu schauen, was hilft, heilsam und gut ist.

Mitgefühl lässt uns die Situation ganzheitlicher erkennen.

Im Buddhismus spricht man von den vier unermesslichen Geisteshaltungen: Liebe, Mitgefühl, Mitfreunde und Gleichmut. Von Empathie ist da nicht die Rede. Deshalb habe ich mich schlau gemacht:

„Bei der Empathie leidet man selbst mit, beim Mitgefühl ist man innerlich freier und kann klarer denken.“

www.lexikon.stangl.eu

Nach Meinung des Psychologen Paul Bloom hat Empathie auch Schattenseiten, denn der Empathie-Reflex kann uns beispielsweise zu Rachegefühlen oder extremer Wut verleiten, womit niemanden geholfen ist. Empathie ist also etwas, was spontan erfolgt, sozusagen aus dem Bauch heraus und auf eigenen Erfahrungen basiert. Dagegen basiert Mitgefühl oder auch Mitleid eben nicht auf diesen eigenen Erfahrungen. Man geht nicht in dem Leid des anderen auf, sondern entwickelt vielmehr das Bedürfnis, zu helfen.

„Empathie ist Einfühlung. Mitgefühl ist Einfühlung plus den Wunsch, Heilsames zu bewirken“.

Psychoanalytikerin Luise Reddemann

Mitgefühl blickt auf das Gute, was ist.

Praktiziert ihr also Mitgefühl, so blickt ihr wohlwollend und freundlich auf den anderen beziehungsweise auf euch selbst. Ihr seht nicht nur das Leid sondern euer Blick richtet sich auch auf das, was im Leben bereits an Gutem vorhanden ist, was funktioniert. Ihr seht sozusagen gleichzeitig die vorhandenen Ressourcen. Und damit habt ihr immer im Auge, was bereits an Positivem da ist. Daran anschließend sofort die Idee, was kann man an Gutem fördern. Mit dieser Haltung wird das Leid nicht verdrängt oder missachtet, nur anders gewichtet. Vielleicht ist Mitgefühl somit eine lösungsorientierte Variante.

Mitgefühl entwickelt sich aus der Achtsamkeit

Der buddhistische Mönch Yesche Udo Regel unterrichtet Kurse und Retreats zur Tonglen-Meditation. (www.paramita-projekt.de). Bei diese Art der Mitgefühlsmeditation geht es um Geben und Nehmen – Annehmen und Aussenden. Sehr verkürzt beschrieben:  Ihr nehmt das Leid beim Einatmen an, so dass es näher an euch heranrückt und Mitgefühl weckt. Und beim Ausatmen sendet ihr das Mitgefühl aus, verbunden mit der Vorstellung, dass es in das Leidvolle heilsam wirken kann. Hierbei kann man sehr fokussiert hinschauen und hinspüren, was für eine Emotion gerade am Köcheln ist:

„Manchmal verwende ich an dieser Stelle auch die Frage »Was genau ist das Schwierige für mich an dem Problem?«, um es dann besser benennen und verorten zu können.“

Yesche Udo Regel

Tonglen-Meditation kannst du für dich selbst machen, für deine eigenen Probleme und Sorgen aber auch in Bezug auf die Leiden anderer Menschen.

Mitgefühl orientiert sich immer an dem Guten

Vielleicht hat mein Mann am Valentinstag einfach nur Mitgefühl praktiziert. Statt mit mir zusammen in meinem angeblichen „Alltagsleid“ zu schwimmen, hat er den Blick auf das Gute gerichtet. Das Gute, was gegeben ist: Meine Möglichkeit, mir problemlos eine Auszeit zu nehmen. Rückblickend habe ich durch diesen Streit also etwas sehr Wertvolles gelernt: Mitgefühl bedeutet Helfen und Heilung schaffen.

 

 

dtmg

  • In Situationen, in denen ich alles negativ sehe, versuche ich über meinen Atem zu mehr Ruhe zu finden, um in Klarheit zu erkennen, was wirklich ist.
  • Ich richte zukünftig den Blick auf das Positive in meinem Leben, indem ich es mir immer wieder vor Augen halte. Zum Beispiel mithilfe des Dankbarkeitstagebuchs.
  • Streitigkeiten mit Menschen, die wir lieben und die uns lieben, wiegen besonders schwer. Dabei sollte ich nicht vergessen, dass gerade diese Menschen mir nichts Böses wollen – ganz im Gegenteil!

 


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