Wie ihr sicherlich wisst, erscheinen meine Bücher im Lingen Verlag. Als ich dort neulich die neuen Herbsttitel durchschaute, blieb ich bei folgendem hängen: „Die Seelenfeder“.  Mir gefiel das Wort „Seelenfeder“ so gut, dass es mich gedanklich nicht mehr los ließ. Kennt ihr das auch? Ging mir beispielsweise ganz ähnlich bei dem Titel „Liebesblödigkeit“ (Roman von Wilhelm Genanzino) und dem Erzählband „Wenn´s schneit beim Krokodil (von Monique Schwitter). Jedenfalls hatte mich „Die Seelenfeder“ neugierig gemacht. Also habe ich mir das Buch besorgt und in einem Rutsch gelesen, denn es ist spannend, kurzweilig und man findet sich darin wieder.

 

„Wie wir durch das Schreiben wieder in Kontakt mit uns selbst kommen“ – So lautet der Untertitel des Buches.

 

Wie wir durch das Schreiben wieder in Kontakt mit uns selbst kommen“ – So lautet der Untertitel des Buches. Passt thematisch ja prima zu meinem Blog. Deswegen habe ich bei der Autorin Beatrix Schulte angefragt, ob sie mir in einem Interview ein paar Fragen beantwortet, damit ich euch hier ein wenig Einsicht geben kann, worum es in ihrem Buch geht und weswegen es mich so begeistert hat.

 

Liebe Beatrix, erst einmal eine allgemeine Frage: Für wen ist Dein Buch und worum geht es?

„Es ist für alle, die das Leben als ständigen Wandel begreifen und die daran wachsen wollen. Es ist für alle, die neugierig auf sich selbst sind, weil viel Unbewusstes aufgedeckt wird. Es geht darum, dass das einfache Aufschreiben dessen, was in dir ist, die Macht hat, dein Leben zu verändern, nicht deinen Charakter. Schreiben hat die Macht, deinen Charakter und das Unausweichliche, was er mit sich bringt, zu akzeptieren.“

 

Wie hat sich Deine Wahrnehmung des Alltags durch das Schreiben verändert?

„Ich lächle mir mehr zu, wenn ich grad mal was nicht gebacken kriege. Ich bin gerne mit mir selbst zusammen, scherze mit mir und gehe voller Neugierde auf andere zu. Ich würde sagen, ich bin aufmerksamer geworden: mir selbst und anderen gegenüber.“

 

Was rätst Du jemanden, der beim Schreiben Schwierigkeiten hat, seinen inneren Kritiker abzustellen?

„Alles zu Papier bringen, gerade den Kritiker, ihn zu Wort kommen lassen. In meinen Seminaren bekommt der Kritiker einen extra Platz. Der Kritiker ist nichts schlechtes, er ist ein Teil von mir, der auch ein Bedürfnis hat, gehört zu werden. Also das ist ja gerade das Geniale an dem freien Aufschreiben: alle Teile haben ihren Platz und werden angenommen. Ein Dialog auf dem Blatt führen mit beiden Teilen wäre auch eine super Idee.“

 

Kennst Du selbst Schreibblockaden und hast Du Tipps dagegen?

„Generell bin ich dafür, sich die Blockaden anzuschauen und ihnen auch schreibend einen Platz einzuräumen. Ich habe natürlich auch Schreibblockaden, einen spürbaren Widerstand, manchmal auch ein komplettes Versperren. Mein Tipp dafür: Komplett was anderes tun. Einstein spielte Geige, wenn er ein mathematisches Problem zu lösen hatte. Ich gehe in den Wald mit meinem kleinen Hund Fin. Allerdings habe ich auch eine innere Einstellung, die hilft: Lass es liegen. Ich mache mir keinen Stress dabei, ich weiß, dass es vorübergeht wie Bauchweh.“

Sucht euch einen gemütlichen und ungestörten Schreibplatz und bringt mutig eure Gedanken und Gefühle zu Papier – eine tolle Methode, sich selbst näher zu kommen.

Sucht euch einen gemütlichen und ungestörten Schreibplatz und bringt mutig eure Gedanken und Gefühle zu Papier – eine tolle Methode, sich selbst näher zu kommen.

 

Das eigene Schreiben wichtig zu nehmen und wert zu schätzen bedarf eines guten Selbstwertgefühls. Was rätst Du Menschen, die mangels Selbstwert nicht den Mut zum Schreiben haben?

Wenn du mich das vor 3 Jahren gefragt hättest, hätte ich laut aufgejault. Ich und Selbstwertgefühl. Ich schreibe jeden Morgen in mein Affirmationsbuch: Ich bin wertvoll. Mittlerweile glaube ich es sogar. Also das freie Drauflos Schreiben ist ja gerade für Menschen wie mich, die ihren Wert nicht in die Wiege gelegt bekommen haben, die eine Berechtigung, einen Sinn suchen, sich mehr Nähe zu sich wünschen. Jeder kann sich ein Heft nehmen und drauflos schreiben, was in ihm ist. Das soll ja um Himmels Willen keiner lesen.“

 

In der Achtsamkeit ist das Körpergefühl extrem wichtig. Welchen Einfluss hat das Schreiben auf Dein Körpergewahrsein?

„Wer regelmäßig durch das freie Schreiben mit sich in Kontakt ist, der ist auch in sich viel präsenter. Ich bin innen anwesend, wenn ich schreibe. Ich bin innen anwesend, wenn ich mit jemandem rede.“

 

Inwiefern unterstützt das Schreiben die Entwicklung von Mitgefühl, Wertfreiheit und Liebender Güte, worum es ja bei der täglichen Achtsamkeitspraxis geht.

„Ich bin christlich geprägt und kam gestern an einem Wegekreuz vorbei, auf dem stand: Glaube, Hoffnung, Liebe. Diese Werte sind auf jeden Fall durch das Schreiben erfüllt. Aber noch mehr: Zugehörigkeit in einer Schreibgruppe gibt ganz viel Kraft und Mut. Durch das Schreiben werden mir meine Werturteile erstmal bewusst, weil ich sie mit dem Stift festhalte und dadurch kann ich sie überprüfen und dann ändern. Von vornherein ohne Werturteile zu sein, das halte ich für unmenschlich oder unehrlich, denn sie sind ja da. Besser sie kommen aufs Papier und werden sichtbar, dann führen sie kein Eigenleben.“

 

Mir gefallen in deinem Buch besonders gut die Morgen- und Abendrituale „for beginners“. Magst Du die ein wenig erklären?

„Wie schon gesagt, es geht alles darum, sich morgens vor dem Tag auszurichten. Die Fragen dienen nur einer Orientierung wie z.B. was ich tun kann, damit es heute ein schöner Tag wird. Wir können bestimmen, wie der Tag verläuft. Wer schreibt, handelt. Das ist ganz wichtig, wir verlassen die hilflose und ohnmächtige Position. Deswegen empfehle ich das ja auch so sehr Menschen, die mit einem harten Schicksalsschlag umgehen müssen. Wer schreibt, will leben. Mit dem Schreiben des ersten Buchstabens auf dem Papier, triffst du eine Entscheidung: Ich will das hier überleben.“

 

Du selbst praktizierst morgens eine Kombination aus Yoga, Meditation und Schreiben. Welches Ritual empfiehlst Du jemanden, der morgens wenig Zeit hat?

Mit Kinder und Beruf empfehle ich die Kurzversion von allem: Es reicht ein Morgengruß, eine Atemübung, ein paar Affirmationen kann man währenddessen laut sagen. Dann mit geschlossenen Augen kurz in sich hineinspüren, woran erkennst du, dass du Füße, Finger oder ein Herz hast? Da geht die Wahrnehmung direkt an die richtige Stelle für den Tag. Ja und dann noch kurz Schreiben. Es reichen fünf Minuten. Das alles kann zusammen in einer Viertelstunde erledigt sein.“

 

Abschließend  noch zu der „Miracle Morning-Methode“ nach Hal Elrod, auf die Du in deinem Buch hinweist. Kannst Du sie ein wenig genauer beschreiben?

„Das würde ich gerne, aber es würde den Rahmen sprengen. Auf Youtube gibt es tolle Videos von ihm und das Buch ist sehr zu empfehlen! Was mir geholfen hat, als ich die Methode in Spanien eines Abends entdeckte, war das frühe Aufstehen, er empfiehlt 5 Uhr. Das ist der Wahnsinn, was das verändert, morgens Zeit zu haben, sich auf den Tag vorzubereiten und zwar mit vielen kleinen Ritualen.“

 

Und zum Schluss noch ein schönes Zitat aus „Die Seelenfeder“, das uns ermuntert, gleich loszulegen. Viel Spaß dabei!

Hast du den Mut, die Schätze, die in dir verborgen liegen, hervorzubringen?

Elizabeth Gilbert (Big Magic)

 

Die Seelenfeder

Die Seelenfeder CoverWie wir durch Schreiben wieder in Kontakt mit uns selber kommen.

Dieses Buch ist in einer persönlichen Auszeit der Autorin in den Cafés von Girona, Spanien, entstanden und ermutigt den Leser, den Stift nicht aus der Hand zu lassen und sich schreibend dem Leben zu nähern, das darauf wartet, verwirklicht zu werden. Mit konkreten Schreibanleitungen zu kreativem und visionärem Schreiben, Briefen, Tagebuch und biografischem Schreiben.

Zum Shop …

 

PS: Ich konnte Beatrix dazu gewinnen in den nächsten Wochen einige Gastbeiträge zu schreiben. 🙂

 

 

dtmg

Dieses Mal ein Tipp aus dem Buch: Die Morgen- und Abendrituale „for beginners“:
Für 21 Tage beantworte ich morgens und abends folgende Fragen (schriftlich), um sie in meinen Tagesablauf zu integrieren:

Morgens:

  • Was wünsche ich mir für den heutigen Tag?
  • Wie möchte ich mich heute fühlen?
  • Was kann ich tun, damit es heute ein guter Tag wird?
  • Was kann ich heute für jemand anderes tun?

Abends:

  • Wofür bin ich dankbar?
  • Gab es eine Situation, in der ich anders hätte reagieren wollen? Wie?
  • Welche drei Dinge sind morgen zu erledigen?

 


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