Uiuiui, der Egoismus-Vorwurf lastet auf meinen Schultern: Diese Woche reise ich nach Mallorca, weil ich dort eine Ausstellung zusammen mit dem Fotografen Werner Gritzbach und der Künstlerin Jeannine Platz eröffne. Ein Herzensprojekt: Werner hat die Fotos geschossen, ich habe sie betextet und Jeannine hat meine Worte wunderschön kalligraphiert. Statt mich zu freuen mache ich mir Gedanken: keine Zeit für meine Eltern, Hundekind Henry muss wegorganisiert werden und zum Arbeiten komme ich auch nicht. Stopp! Warum fühle ich jetzt nicht mit mir selbst, indem ich mir meine Herzensfreude gönne und mein schlechtes Gewissen liebevoll in die Schranken weise?

„Es gibt inzwischen eine beeindruckende und zunehmende Menge an Forschung, die zeigt, dass es für unser Wohlbefinden essenziell ist, uns selbst auf freundliche, wohlwollende Art zu begegnen.“

Kristin Neff, Professorin der Psychologie
an der Austin-Universität, aus: „moment by moment

Eine selbstmitfühlende Art verhindere zudem nicht nur die negativen Auswirkungen von ständiger Selbstkritik und Selbstverurteilung (Depression, Stress, Ängste) sondern wirke sich gleichzeitig wesentlich erhellend auf unsere gesamte Lebenseinstellung aus.

Mithilfe von Selbstmitgefühl bringt ihr eurer Licht zum Strahlen und stärkt euren Selbstwert.

Mithilfe von Selbstmitgefühl bringt ihr eurer Licht zum Strahlen und stärkt euren Selbstwert.

Selbstmitgefühl stärkt die Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse

Selbstmitgefühl wird ja meist im Zusammenhang mit Leid und Schmerz thematisiert beziehungsweise in Bezug auf den Umgang mit eigenen Fehlern. Das ist wichtig und gut. Doch ebenso wichtig finde ich es, auch dann Selbstmitgefühl aufzubringen, wenn es um die Verwirklichung der eigenen Bedürfnisse geht. Sich selbst wichtig nehmen und das eigene Bedürfnis mit gleichem Wert betrachten wie die vielen Bedürfnisse all der anderen.

„Leider geht mit dem Ideal, bescheiden zu sein und sich um das Wohl anderer zu kümmern, die Folgerung einher, dass wir uns selbst schlecht behandeln müssten.“

Kristin Neff

Schließlich ist es so, dass wir erst dann wirklich mit Freude den Anderen ihre Bedürfnisse und Freiheiten zugestehen, wenn unsere eigenen ebenfalls ausreichend Raum bekommen.

Selbstmitgefühl schenkt Energie und Lebensfreude

Ohne Selbstmitgefühl bleiben wir mit unserem Fokus auf der Selbstkritik, dem widerfahrenem Unglück oder den missachteten Bedürfnissen hängen. Wir gleiten leicht in die Opferrolle ab.  Schlimmstenfalls sogar in eine Märtyrerhaltung: „Sehr mal alle her, wie ich mich aufopfere.“ – schrecklich! Sobald ihr jedoch freundlich und mitfühlend mit euch selbst umgeht erweitert sich euer Radius und ihr erkennt neue Möglichkeiten und Wege.

Selbstmitgefühl umfasst unter anderem: „In den Momenten, in denen wir leiden, für uns selbst so zu sorgen, wie wir es für einen geliebten Menschen tun würden. Zu Selbstmitgefühl gehören ein liebevoller Umgang mit sich selbst, ein Gefühl der menschlichen Zusammengehörigkeit und Achtsamkeit.“

www.aerzteblatt.de

Diesen Tipp finde ich gut: Sobald ich hadere, frage ich mich: Was würde ich meinem Partner jetzt raten wenn er in meiner dieser Situation wäre? Ganz klar, zu meinem Mann würde ich sofort sagen: „Nix wie los und ab nach Malle – enjoy!“ 🙂

Letztendlich bestätigen auch viele Untersuchungen zu diesem Thema, dass selbstmitfühlende Menschen von ihren Partnern als fürsorglicher und Autonomie-fördernder beschrieben werden. Kurzum: Man gönnt dem anderen von Herzen seine Freiheiten, frei von Neid, Missgunst und Ängsten. Das beflügelt und hält eine Partnerschaft in Schwung.

Selbstmitgefühl ist wichtig für den Selbstwert

Abschließend fällt mir noch ein Erlebnis aus dem letzten Sommer ein. Im Familienurlaub hatte ich den Wunsch geäußert, anschließend für fünf Tage komplett alleine zu verreisen. In entspannter Urlaubsatmosphäre plant man ja so einiges. 🙂 Karsten wusste, wie wackelig solche Pläne sind sobald der Alltag mich wieder im Griff hat. Also buchte er sofort die Flüge und ich kam aus der Sache nicht mehr raus. Ende des Sommers befragte dann ein Fernsehteam Passanten auf der Straße, was ihr schönstes Sommererlebnis gewesen sei. Mich fingen sie auch ab und meine spontane Antwort: „Mein „Fünf Tage-Urlaub komplett alleine – herrlich!“ Et voilà. Das sagt doch vieles über die Wichtigkeit, die eigenen Bedürfnisse mitfühlend wertzuschätzen.

 

 

dtmg

  • Nagen Zweifel und Selbstkritik an mir, schlüpfe ich in die Rolle meines Partners: Was würde er mir raten?
  • Stelle ich wieder einmal die Bedürfnisse aller anderen an erster Stelle, nehme ich mir Zeit, um über den Atem zu meinen Gefühlen zu gelangen. So kann ich nach und nach erkennen, welche Ängste mich abhalten, etwas „egoistischer“ zu sein.
  • Bevor ich morgens aus dem Bett hüpfe setze ich mich aufrecht hin, schließe die Augen und sage mir dreimal bewusst in Gedanken: „Möge ich heute mitfühlend mit mir sein.“

 


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