Vor ein paar Wochen hatte ich in unserem neuen Garten ein großes Gemüsebeet gepflanzt. Danach war ich fix und fertig. 🙂 Doch damit ist die Arbeit längst nicht getan. Fast täglich bin ich am Gießen oder Düngen, Unkraut zupfen und so dies und das. Der Juni ist der Monat des Reifens. Die Natur gibt alles (Sonne, Regen, Blitz und Donner), damit die Pflanzen letztendlich Früchte tragen. Hildegard von Bingen verbindet die Kraft der Natur symbolisch mit unseren Schultern. Und ich stimme ihr dankbar zu, denn bei mir schmerzt alles und ich sehne mich nach einer Schultermassage 🙂

Hiermit wird auf die Schultern des Menschen hingewiesen, die mit ihrer Wärme ebenfalls trocken sind, sich jeder Arbeit unterziehen, jegliches Werk durchführen und so den Körper im Ganzen erhalten.“

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Nach Hildegard von Bingen sollten wir trotz sommerlicher Tatkraft für Ruhephasen sorgen und auch unseren Ohren eine Auszeit der Stille gewähren.

Nach Hildegard von Bingen sollten wir trotz sommerlicher Tatkraft für Ruhephasen sorgen und auch unseren Ohren eine Auszeit der Stille gewähren.

 

Mit Hildegard von Bingen einen natürlichen Rhythmus finden

Trotz aller Tatkraft mahnt Hildegard von Bingen zur Entspannung. Und geht es um unsere Schultern, die letztendlich alles tragen müssen, so diene uns die Natur als Vorbild:

„Zuweilen suchen sie dennoch die Ruhe anstelle der Arbeit,  wie ein Vogel aus Ermüdung seine Flügel im Gleitflug sich erholen lässt und wie die Wurzel ihre Zweige hält.“

aus: „Liber divinorum operum – Buch der göttlichen Werke“

Also sollten auch wir einmal die Flügel ruhen lassen. Denn verausgaben wir unseren Körper leidet auch unsere Seele, sprich wir werden unausgeglichen, gereizt, niedergeschlagen und lustlos.

Mit Hildegard von Bingen dem Gehör achtsame Wahrnehmung schenken

Interessanterweise betrachtet Hildegard von Bingen in diesem Zusammenhang auch unser Gehör. Sie macht darauf aufmerksam, dass unser Gehör immer auf Empfang ist und alles, was wir durch die Ohren aufnehmen, in unsere Seele dringt.

„Ebenso sind unter den menschlichen Angelegenheiten solche, die das Gehör gelassen zulässt, aber auch viele Sachen, die es mit Schrecken und Traurigkeit aufnimmt. Das Gehör ist in der Tat der Anfang der vernünftigen Seele.“

aus: „Liber divinorum operum – Buch der göttlichen Werke“

Tatsächlich raubt vieles, was uns am Tage zu Gehör kommt, sei es durch Nachrichten oder Gerede, den Schwung unserer Seele. Es drückt auf unsere Stimmung und oft fühlen wir uns bedrückt ohne recht zu wissen warum. Durch Achtsamkeit könnt ihr natürlich bewusst eure Aufmerksamkeit auf das Gute lenken und eure Ohren sozusagen gegenüber Negativem und Lästereien verschließen.  Denn unsere Seele ist unseren Ohren ausgeliefert. Daher bezeichnet Hildegard von Bingen das Hören beziehungsweise unsere Ohren als „Flügelchen der Vernünftigkeit“.

Mit Hildegard von Bingen der Resonanz der Seele lauschen

“Indem die Ohren den Klang einer jeden Erscheinung aufnehmen, kann jedes Ding der Natur, was und wo es auch sei, seinem Wesen nach erkannt werden.”

aus: „Welt und Mensch / De operatione Dei“

Hört ihr wirklich achtsam zu, wisst ihr selbst, wie sehr die Seele in dem Klang der Worte mitschwingt. Schnell hören wir heraus, ob jemand traurig oder fröhlich ist, ob er das Gesagte wirklich meint oder nicht wirklich dahinter steht. Unsere Seele hört immer mit. Und gerade deswegen ist es auch wichtig, sich Ruhe zu gönnen.

„Deswegen sucht der Mensch die Ruhe, die er nicht haben kann, obwohl er sie herbeisehnt.“

aus: „Liber divinorum operum – Buch der göttlichen Werke“

 

Für mich persönlich bedeutet Hildegard von Bingens Juni-Text eine klare Aufforderung zum Pausieren. Trotz fleißiger Gärtnerei werde ich mir einen Klappstuhl neben das reifende Beet stellen, die Hände in den Schoß legen und genussvoll lediglich die Geräusche der Natur in meine Ohren dringen lassen.

Ich wünsche euch entspannte und ruhige Pfingsttage!

 

 

dtmg

  • Ich werde mehr auf darauf achten, bewusst Gutes über meine Ohren aufzunehmen. Lästereien meide ich und all die schlechten Nachrichten dosiere ich.
  • Täglich mache ich immer mal wieder eine kleine Pause zwischendurch, um zu spüren, wie sich mein Körper anfühlt (speziell der Schulterbereich).
  • Täglich genieße ich am Abend ein paar Minuten absolute Stille.

 


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