Im letzten Beitrag hatte ich über die Gemütlichkeit des Oktobers geschrieben, die dazu einlädt, uns mehr auf uns selbst zu besinnen. Im Grunde der ideale Weg, seine Innere Mitte zu stärken. Nur stolpert man dabei leider ziemlich leicht. Das Paradox: Es sind nämlich viel weniger nicht die äußeren Gegebenheiten als die vielen inneren Muster, die uns im Wege stehen. Achtet einmal auf folgende Aspekte, die erheblich dazu beitragen, wie ihr euren Alltag erlebt:

 

Sobald ihr euch achtsam mit euren Körper verbindet spürt ihr Erdung und findet wieder zu eurer Inneren Mitte.

Sobald ihr euch achtsam mit euren Körper verbindet spürt ihr Erdung und findet wieder zu eurer Inneren Mitte.

 

1. Unsere Innere Mit verträgt kein „muss“

Oh je, ich bin bezüglich dieser „Muss-Arie“ geradezu ein Paradebeispiel: „Ich muss noch die Wäsche aufhängen, ich muss noch staubsaugen, ich muss noch einkaufen, ich muss noch die Welt rettenJ.“ Und besonders extrem in der letzten Zeit: „Ich muss noch zu meinen Eltern fahren, um bei der Pflege meiner Mutter zu helfen.“ Stopp! Gewöhnt euch an euer „muss“ in ein „möchte“ zu verwandeln. Formuliert eure Sätze entsprechend um und spürt in sie hinein. Es macht einen großen Unterschied! Vor allem streichen wir plötzlich wie von selbst so dies und das von unserer To-do-Liste.

„Was wir sagen, wirkt sogar auf unseren Körper. Wählen wir Worte, die uns schwächen, unsere Verantwortung leugnen, uns klein machen und unsere mangelnde Einflussnahme auf das Leben betonen, sinken wir unbewusst im Körper zusammen – und das wiederum hat negative Rückwirkungen auf die Psyche.“

www.dfme-achtsamkeit.de

2. Unsere Innere Mitte liebt Großzügigkeit

Wie großzügig geht ihr mit euch selbst um? Erlaubt ihr euch Schokolade zum Frühstück, ein Nickerchen zwischendurch oder die Absage einer Verabredung? Achtet darauf wie häufig ihr gedanklich von „Ich darf nicht….“ geleitet werdet. Formuliert auch hier um: „Ich erlaube mir….“ Warum denn nicht einmal Schokolade zum Morgenkaffee knabbern? Ein Nickerchen ist sogar gesund. Und man darf Verabredungen auch absagen, jawohl. Einfach ehrlich sagen, was los ist. Freundschaften halten das aus.

3. Es gibt nichts zu rechtfertigen

Wo war ich stehen geblieben? „Ich erlaube mir….“. Genau, ich habe mir eben ein Nickerchen erlaubt, mitten im Text, einfach so, weil ich total müde und meine Konzentration am Ende war. Und schon habe ich mich gedanklich dabei erwischt, mich zu rechtfertigen: „Okay, ich kann mir meine Arbeitszeit frei einteilen, dafür sitze ich auch oft spät abends am Computer und mit Kindern und Hund habe ich ohnehin nie Feierabend und heute Abend wird alles nachgearbeitet.“ –  Was für ein Quatsch! Wir schulden niemanden Rechtfertigung. Genießt alles, was ihr euch gönnt. Denn sobald ihr damit beginnt, euch gedanklich zu rechtfertigen zerstört ihr den Genuss.

4. Bewertungen schaden eurer Inneren Mitte

„Ein achtsamer Mensch achtet auf den Moment, ohne ihn zu bewerten. Wir neigen dazu, alles permanent zu bewerten. Erst durch unsere Bewertungen entsteht Energie – oft negative, die in uns dann Stress erzeugt. Achtsam sein bedeutet, diese Bewertung sein zu lassen und seine Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt zu richten.“

www.der-wertschaetzungs-coach.de

Wie war das noch einmal? Es gibt kein schlechtes und kein gutes Wetter, das Wetter ist einfach. Versucht den Moment anzunehmen wie er ist. Zum Beispiel war meine Tochter ausgerechnet zum Halbjahresbeginn in der neuen Schule die ersten drei Tage krank. Sofort war ich innerlich in heller Aufregung: „Sie verpasst den Anschluss in der neuen Klasse, wird viel länger brauchen, um neue Freundinnen zu finden und was macht das überhaupt für einen Eindruck gleich zu Beginn!“ Puh, anstrengend, oder? Es ist, wie es ist. Unsere Bewertung, meistens ja zusätzlich mit vielen Mutmaßungen verbunden, ändert an der Situation rein gar nichts. Was in solchen Situationen hilft: Stellt euch vor, wie ihr in ein paar Jahren lächelnd auf diese Situation zurückblickt.

5. Vergesst euren Körper nicht!

„Unseren Körper feinfühlig wahrzunehmen gibt Selbstbewusstsein und ermächtigt uns, Gewohnheiten des Alltags hinter uns zu lassen. .… Die Erfahrung des Atems, der einzelnen Körperteile und Organe, des eigenen Stehvermögens, der Aufrichtung und körperlichen Mitte, des Gleichgewichts, des “Geerdetseins” und des Spannungszustands schenkt uns die Möglichkeit, unsere Erlebnis- und Empfindungsfähigkeit zu vertiefen und unsere Lebensqualität zu erhöhen.“

www.amina-karge.de

Ist euch aufgefallen, dass wir in Situationen, in denen wir aus unserer Inneren Mitte geworfen wurden, keine bewusste Verbindung zu unserem Körper haben? Vielleicht spüren wir eine Mattigkeit oder eine Schwere, weil unsere Gedanken auch unseren Körper belasten. Doch sobald ihr euch aufrichtet und bewusst in eurem Körper atmet, euch achtsam mit ihm verbindet, spürt ihr auch gedanklich Entzerrung. Daher gewöhnt euch an, so oft es geht, achtsam in euren Körper zu spüren. Er ist eine Art sichere Bank, die euch erdet und euch bewusst euren Mittelpunkt spüren lässt.

 

 

dtmg

  • Ja, ich vergesse es leider auch viel zu oft: bewusst atmen und in den Körper spüren, ihn achtsam wahrnehmen. Dafür gibt es so viele Gelegenheiten, zum Beispiel an der Supermarktkasse, an der Bushaltestelle etc.
  • Sobald ich mich gedanklich bei einem „ich muss“ erwische formuliere ich um: „ich möchte“.
  • Ebenso achte ich auf gedankliche Formulierungen, die mit „Ich darf nicht..“ beginnen. „Ich erlaube mir…“ schenkt mir Freiheit und ist Ausdruck meiner eigenen Wertschätzung.

 


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