Widerstände aufgeben mithilfe von Gelassenheit

Je achtsamer wir schauen, desto deutlicher erkennen wir, wie oft wir einen inneren Widerstand aufbauen. Dieses passiert unbewusst. Manchmal ist es die Kollegin, die schlanker oder jünger ist. Dann ist es die scheinbar perfekte Ehe des befreundeten Paares oder es sind die Vorzeigekinder der Nachbarn. Achtsamkeit lässt uns erkennen, dass wir viel zu oft nur deshalb „leiden“, weil wir so tief in unseren eigenen Konditionierungen und Glaubenssätzen stecken.

Unbewusst befinden wir uns häufig im Widerstand gegenüber Menschen und Situationen. Durch Achtsamkeit lösen wir den Widerstand und finden zu mehr Gelassenheit.

Unbewusst befinden wir uns häufig im Widerstand gegenüber Menschen und Situationen. Durch Achtsamkeit lösen wir den Widerstand und finden zu mehr Gelassenheit.

Innere Ansprüche nach Perfektionismus, Leistung, Anerkennung etc. lassen uns die Welt schnell durch die Brille des Widerstandes sehen. Unsere eigenen Ansprüche verhindern, dass wir die Dinge mit Gelassenheit akzeptieren. Das raubt viel Lebensfreude und Genuss. Deshalb lohnt es sich, folgende 5 Schritte zu beachten:

 

1. Akzeptanz durch Gelassenheit

Der erste Schritt zu mehr Gelassenheit ist das bewusste Wahrnehmen. Das erfordert zum einen Achtsamkeit und zum anderen Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Natürlich ist es nicht so schön, wenn man sich eingestehen muss, dass man zum Beispiel die Mutter von der Freundin seiner Tochter nur deshalb nicht mag, weil sie so extrem attraktiv und stets bester Laune daherkommt. Neid und Minderwertigkeit nagen an einem. Puh, das ist schwer auszuhalten. Und schon sucht man nach Fehlern und Makeln. Und mit der eigenen Freundlichkeit ist das auch so eine Sache, fällt verdammt schwer. Oder ihr habt zum Beispiel im Job einen Fehler gemacht oder es hat mit der Beförderung nicht geklappt. Und jetzt Gelassenheit?

„Gelassenheit, Gleichmut, innere Ruhe und Gemütsruhe ist eine innere Einstellung, die Fähigkeit, vor allem in schwierigen Situationen die Fassung oder eine unvoreingenommene Haltung zu bewahren. Sie ist das Gegenteil von Unruhe, Aufgeregtheit, Nervosität und Stress.“

wikipedia.org

Um zu mehr Gelassenheit zu gelangen, müssen wir sehr ehrlich unsere eigenen Muster erkennen und akzeptieren. Das gleiche gilt für äußere Faktoren. Es ist, wie es ist. Hinnehmen und erst einmal akzeptieren. Denn je mehr Widerstand wir aufbauen, desto größer wird das „Problem“. Ja, das ist oft nicht so leicht. Im Buddhismus spricht man in Bezug auf alles, was unsere innere Balance ins Schwanken bringt, von „Leiden“. Folgende Formel finde ich sehr verständlich:

Leiden  =  Schmerz x Widerstand

Je mehr Widerstand wir gegenüber unseren Schmerz aufbringen, desto größer wird unser Leiden. Der Widerstand multipliziert unseren Schmerz. Erst in der gelassenen Annahme des Schmerzes können wir unser Leiden so akzeptieren wie es sich uns zeigt.

 

2. Durch Gelassenheit können wir das Gute in der Situation erkennen

Oh doch, es stimmt, in jeder Situation gibt es etwas Gutes. Das ist nur oft in dem Moment nicht ersichtlich. Meist erkennen wir das Gute erst rückblickend. Jedoch hilft Gelassenheit dabei, dieser Entwicklung zu vertrauen. Was soll so gut daran sein, dass ich plötzlich meinen Job verloren habe? Vielleicht ist das die Chance für einen Neuanfang, der glücklicher macht. Was ist das Gute daran, dass der Partner plötzlich geht? Auch hier weiß man nie, was sich daraus ergeben wird. Manchmal zeigt sich das Gute zum Beispiel darin, dass wir ungeahnte Kräfte in uns mobilisieren, dass wir plötzlich mehr Verantwortung für uns selbst übernehmen. Gerade in Situationen, die uns fordern, die uns aus unserer Routine und Bequemlichkeit schupsen, bietet sich uns die Möglichkeit, uns selbst zu entwickeln. Ist euch schon mal aufgefallen, dass es „Pro-blem“ heisst und nicht „Contra-blem“? Ein Problem ist eine Herausforderung für uns und nicht gegen uns. Daher schaut in jeder Situation nach dem Guten darin. Diese Haltung beschenkt euch sofort mit mehr Gelassenheit. Es ist, wie es ist und es ist Gutes darin. Auch dann, wenn ihr es vielleicht nicht sofort seht.

„Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins.“

Marie von Ebner-Eschenbach, österreichische Schriftstellerin

 

3. In der Gelassenheit können wir entscheiden

Ohne Gelassenheit sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht. Erst die Gelassenheit gibt uns die Möglichkeit zu schauen, was wir ändern können beziehungsweise was der nächste Schritt ist. Klingt ganz logisch und trotzdem spielt dort häufig unser Körper nicht mit. Selbst wenn wir die Situation akzeptiert haben und sogar das Gute darin zu erkennen meinen, spielt unser Körper uns hier oft entgegen. Wir sind angespannt, nervös oder niedergeschlagen. Doch um bereit zu sein, tatsächlich etwas zu ändern, muss auch der Körper mit im Team sein. Hier helfen zum Beispiel Körperübungen, um in den bewussten Kontakt mit uns zu kommen.

„Muskelentspannung und Durchatmen. Der Körper spiegelt jede Emotion wider. Die unangenehmen Emotionen verursachen körperliche Verspannungen. Gelassenheit lernen bedeutet, physische Muskelentspannung anzuwenden, so dass man Stress bewältigen und die Emotionen unter Kontrolle nehmen kann.“

www.jerkov.de

Um also in Klarheit zu entscheiden, was als nächstes ansteht, bewegt euch: Bewegung ist das natürlichste Mittel, um Stress zu lösen. In der Bewegung – und sei es nur ein Spaziergang – schafft ihr Distanz zu der Situation und baut gleichzeitig Stresshormone ab. Wer keine Lust auf einen Spaziergang hat, der kann auch zuhause für Muskelentspannung beziehungsweise Muskelentladung sorgen. Zum Beispiel die Musik laut aufdrehen und wild tanzen. Oder sich mit Armen, Beinen, Becken und Kiefer schütteln wie ein Hund. Oder ihr reibt euch ein paar Mal kräftig das Gesicht, seufzt laut, atmet tief ein und auf und reckt und streckt euch.

 

4. In Gelassenheit zur Liebe finden

Sobald ihr in Achtsamkeit akzeptiert und annehmt, werdet ihr feststellen, dass ihr Liebe spürt. Liebe für euch selbst und Liebe zum Leben. Aus dieser Haltung heraus übt euch darin, Liebe zu senden. Vielleicht kennt ihr die eine oder andere Art der Meditation, wo es darum geht, gute Gedanken an eine Person zu „senden“, die euch vielleicht verletzt oder gekränkt hat. Bei dieser Art der Meditation geht es um Vergebung. In dem Moment, wo ihr Gedanken der Liebe verschickt, in dem Moment praktiziert ihr Gelassenheit. Denn alles, was wir senden, kommt zu uns zurück. Fühlt einmal genau in solche Gedanken hinein. Sie versöhnen euch auch mit euch selbst.

„Gelassenheit bedeutet glücklich zu sein und die Überzeugung in sich zu tragen, glücklich sein verdient zu haben – ohne die Forderung zu haben, dass sich die Umstände an einen anpassen müssen, sondern sich selbst an die Umstände anzupassen.“

marialourdesblog.com

Liebe auszusenden in Situationen, die uns aus der Balance werfen, ist für viele nicht leicht. Doch sobald ihr euer Herz öffnet und nicht länger verschlossen haltet, öffnet ihr es immer auch für euch selbst. Denn jegliche Art von Groll, den wir hegen, trifft als erstes immer uns selbst.

Oft sind es die eigenen Glaubenssätze und Konditionierungen, die unserer Gelassenheit im Wege stehen.

Oft sind es die eigenen Glaubenssätze und Konditionierungen, die unserer Gelassenheit im Wege stehen.

 

5. Weitergehen in Gelassenheit

Tatsächlich hilft es in vielen Situationen, einfach weiter zu gehen. Meistens sind wir ohnehin dazu gezwungen, weil wir zum Beispiel Kinder haben, die versorgt werden müssen, und weil wir einer geregelten Arbeit nachgehen. Doch auch hier kommt es auf die Haltung drauf an. Gerade äußerliche Verantwortungen geben uns einen Rahmen und einen Halt. Es ist wichtig, sich in schwierigen Situationen Zeit für seine Gefühle zu nehmen. Doch ebenso wichtig ist es, nicht darin zu versinken, sondern weiter zu gehen. Eine gute Übung des Sebstmitgefühls ist es, sich selbst in den Arm zu nehmen. Dabei streicht ihr euch fest über die Oberarme, wiegt euch ein wenig hin und her und spürt. Nur spüren, keine gedanklichen Aufmunterungen. Diese Geste, ähnlich wie eine Mutter ihr Kind wiegt, ist sehr wirksam. Spürt genau in die tröstende Kraft dieser Umarmung hinein. Und diese Übung stärkt euch, um weiter zu machen, um die Dinge gelassen anzunehmen und euren Weg fortzusetzen. Um weiter zu gehen bedarf es Gelassenheit, ansonsten gehen wir Schritte auf wankenden Beinen.

„Es gibt keinen größeren Beweis für Geistesgröße, als wenn man sich durch nichts, was einem begegnen kann, in Aufruhr bringen lässt.“

Lucius Annaeus Seneca,
römischer Philosoph, 4 v. Chr. – 65 n. Chr.

Abschließend wieder einmal der Hinweis auf den Atem. Ja, ja, man kann es aber nicht oft genug sagen. :-) Atmet, atmet und noch einmal atmet! Über das bewusste Atmen in belastenden Situationen findet ihr schnell zu euch selbst zurück, spürt euren Körper, nehmt achtsam wahr, was sich bei euch auch gedanklich abspielt und werdet automatisch gelassener. Bewusstes Atmen entschleunigt und bringt automatisch Ruhe und auch Distanz in die Situation.

 


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