Gastbeitrag von Renato Kruljac:

Trainer und Autor des Buches „Intuition“.

 

Vielleicht kennen Sie die Geschichte über den Fischer und den Berater von Heinrich Böll. Sie gefällt mir, weil sie deutlich macht, was so manche auf dem Weg zu ihrem Ziel vergessen haben.  Sie schafft es, dass der eine oder andere Mal über seine eigenen Ziele und Bedürfnisse reflektiert.

Die Geschichte über den Fischer und den Berater von Heinrich Böll macht macht, was so manche auf dem Weg zu ihrem Ziel vergessen haben.

Hier lade ich Sie ein, die Geschichte zu lesen und sich selbst eine Meinung zu bilden.

Ein erfolgreicher amerikanischer Investment-Berater war im Urlaub auf einer kleinen Insel. Dort sah er einen Fischer unter einer Palme am Strand liegen. Er ging auf ihn zu, begrüßte ihn und fragte den Fischer, ob er heute schon etwas gefangen hätte. „Ja“, sagte dieser, „einen prächtigen Fisch.“ Das begeisterte den Berater und er schlug vor, den Fischer kostenlos zu beraten. „Also“, sagte er, „warum sind sie jetzt nicht draußen auf See und fangen noch einen Fisch“, wollte der Berater wissen. „Nun“, sagte der Fischer, der Erlös des einen Fisches reicht, um genug für heute und morgen zum Essen zu kaufen. Warum sollte ich dann noch einen Fisch fangen?“ „Na, damit du dir etwas auf die Seite legen und bald ein größeres Boot kaufen kannst, mit dem du noch mehr Fische fängst.“ „Und dann?“ „Dann kannst du bald eine eigene Fischfabrik aufmachen und wirst Millionär.“ „Wie lange wird das dauern?“, fragte der Fischer. „Ungefähr 10 bis 15 Jahre.“ „Und dann?“ Was mache ich dann?“ „Dann kommt das Beste!“, antwortet der Berater, „dann kannst du an die Börse gehen und die Firma verkaufen.“ „Und was habe ich davon?“, wollte der Fischer wissen. „Nun“, sagte der Berater, „dann bist du reich und kannst morgens lange ausschlafen, mit deiner Frau lange Siesta machen und viel in der Sonne liegen.“ „Aber mein Lieber, das mache ich doch jetzt schon!“, antwortete der Fischer.

Siehe auch: Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral

Jetzt gibt es Menschen, die hier schnell sagen: Naja, alles schön und gut mit der Entspannung und dem Sitzen unter der Palme, aber ich habe ein Haus, das abbezahlt werden muss, zwei Autos, Kinder die ernährt und finanziert werden müssen und …

Klar, es ist ein Unterschied ob ich alleine an einem weit abgelegenen Ort in der Karibik lebe oder in einer Großstadt mit zwei Kindern alleinerziehend mein Leben verbringe. Es ist zu tun, was tu tun ist. Nur manchmal legen wir uns unnötig Dinge zu und rennen hinter Zielen her, die wir uns selbst oder andere uns auferlegt haben. Dinge, die für unser Leben und unser Glück von einer gar nicht so wichtigen Bedeutung sind. Oft stellen wir das erst im Nachhinein fest.

Die Bedürfnishierarchie

Jeder sollte seine Ziele nach seinen wahren Bedürfnissen ausrichten. Bedürfnisse haben wir alle und diese sollten nach Möglichkeit auch befriedigt werden. Der Gründervater der Humanistischen Psychologie Abraham Maslow erklärte, dass jedes Bedürfnis was nicht befriedigt wird, zu Verhaltensstörungen und Krankheiten führen kann. Er entwarf die Bedürfnispyramide, in der er verschiedene menschliche Bedürfnisse abbildete.

Diese lassen sich auch für die Beschreibung eines betrieblichen Kontexts verwenden: Auch dort müssen die verschiedenen Bedürfnisse erfüllt werden, damit die Arbeitszufriedenheit und Motivation aufrechterhalten werden können.

Nach Maslow lassen sich die Bedürfnisse des Menschen in einer hierarchischen Ordnung darstellen:

  • Physiologische Bedürfnisse: Nahrung, Kleidung, Wohnung
    Betriebliche Anreize: Arbeitsplatzgestaltung, Arbeitszeit, Pausen, Freizeit
  • Sicherheitsbedürfnisse: Schutz, Angstfreiheit, Ordnung
    Betriebliche Anreize: Arbeitsplatzsicherheit, Mindesteinkommen, betriebliche Altersversorgung
  • Soziale Bedürfnisse: Zugehörigkeit, Liebe, Freundschaft
    Betriebliche Anreize: Mitarbeitergespräche, Kollegentreffs, Teamarbeit, Kommunikation am Arbeitsplatz
  • Wertschätzungsbedürfnisse: Anerkennung, Status, Achtung
    Betriebliche Anreize: Beförderung, Mitsprache, Titel, Einkommenshöhe, Statussymbole
  • Selbstverwirklichungsbedürfnisse: Entfaltung des eigenen Potentials
    Betriebliche Anreize: Entscheidungsspielraum, Vollmacht, Unabhängigkeit

Die oberste Bedürfnisstufe bezeichnet die Wachstumsbedürfnisse und die unteren vier die Defizitbedürfnisse. Maslows Theorie besagt, dass ein Bedürfnis nur so lange motivierende Kraft hat, wie es unbefriedigt ist, und Wachstumsbedürfnisse sich erst dann entwickeln, wenn die Defizitbedürfnisse befriedigt worden sind.

Um was geht es?

Ich muss herausfinden, welche Tätigkeit mich befriedigt und wo ich meine Gaben und Fähigkeiten am besten einbringen kann. Die Natur, wenn Sie wollen kann ich hier auch vom Universum oder von Gott sprechen, hat da schon was sehr Intelligentes geschaffen. Jedes Lebewesen hat durch sein Dasein einen Sinn und Zweck. Auch wenn das für uns nicht immer ersichtlich ist.

Viele Menschen jagen ihren selbst oder fremd auferlegten Zielen hinterher. Wenn sie sie erreichen, wird sofort ein neues auferlegt. Immer mit dem Zweck, etwas zu erreichen, um glücklicher, zufriedener zu sein. Man sollte sich bewusst machen, welche wahren Bedürfnisse hinter den Zielen stecken. Welche Motivation mich im Inneren antreibt.  Manchmal kann sich hinter den Zielen ein dominanter Wunsch nach Anerkennung und Liebe verbergen. Etwas, was in der Kindheit oder im Laufe der Jahre vermisst worden war. Oder eine Sehnsucht nach etwas Größerem, nach einem Glück, was unabhängig ist. So erreichen viele ihr Ziel und die innere Leere bleibt doch erhalten. Dann sollen es noch mehr Geld, Erfolg oder ein anderer Job sein. Noch mehr Karriere und Macht. Irgendwann auf der Karriereleiter ganz oben angekommen, kommt dann die Frage: Und jetzt?

Ja, was ist jetzt? Geld, Haus, Familie und Karriere sind da, aber das Glück ist immer noch fern. Das Glück liegt nicht in den großen Dingen. Meist sind es die kleinen und fein wahrgenommenen Augenblicke im Alltag. Achtsamkeit hilft uns, den gegenwärtigen Moment zu erfahren. Sich dem Augenblick ergeben heißt, in seiner Unvollkommenheit, vollkommen in der Gegenwart zu sein. Sich und die Welt so anzunehmen wie sie ist. Diese Art der Gegenwärtigkeit ist die Freiheit, von der die Weisen aller Kulturen schon seit Jahrtausenden sprechen.

 

 

dtmg

  • Ich nehme mir ein Blatt und schreibe zu folgenden Fragen intuitiv auf:
    – was will ich?
    – was macht mich glücklich?
    – was will ich nicht?
  • Hier lasse ich meine Hand einfach schreiben. Ich lasse ES schreiben. Dann nehme ich Abstand und reflektiere in ruhiger Minute über das Geschriebene nach.

 


Noch Fragen?

Ihr sucht ausführliche Infos über Achtsamkeit: einfach hier klicken