Mit innerer Ruhe zu mehr Zufriedenheit

Kennt ihr das auch, dieses Gefühl, innerlich unter Strom zu stehen? Zwar sitze ich am Schreibtisch und will mich konzentrieren doch innerlich bin ich ruhelos. Also lese ich mal schnell meine Mails, klicke „Likes“ bei facebook oder gehe in die Küche, mal gucken, was es dort so gibt. Auf dem Weg schaue ich bei meinem Sohn rein und ärgere mich, denn logisch, er hängt mal wieder am Handy. Nach dem typischen Mutter-Gedibbel („Hast Du keine Hausaufgaben auf, ewig hängst Du am Handy….“) sitze ich schließlich wieder am Schreibtisch und kann trotz äußerer Ruhe keine innere Ruhe finden.

Die Menschen glauben aufrichtig, die Ruhe zu suchen, und suchen in Wirklichkeit nur die Unrast.“
Blaise Pascal,
franz. Mathematiker und Philosoph, 1623 – 1662

Dieses Zitat gibt mir zu denken. Wie geht ihr mit Ruhe um? Könnt ihr Ruhe aushalten oder macht sie euch innerlich kribbelig? Unser Außen ist auf Unruhe gepolt. Besonders hier in der Stadt spüre ich im Vergleich zum Landleben eine geradezu pulsierende Energie, die mich geradezu elektrisiert. Alles scheint dynamisch zu sein, bloß kein Stillstand. Andererseits mag ich es, wenn etwas los ist in meinem Leben. Ich möchte am Tag etwas „erledigen“. Das gibt mir abends ein gutes Gefühl, zwar müde, aber zufrieden. Und paradoxerweise fühle ich mich an solchen Tagen innerlich ruhiger. Blaise Pascal schreibt in seinen „Pensée – Gedanken über die Religion“, dass es die Zerstreuung sei, die wir suchen. Ohne Zerstreuung wären wir in unseren Gedanken gefangen wie ein Sträfling in seiner Zelle. Ist das so, wenn ich hier sitze und meinen Blog schreibe? Also wie im Gefängnis fühle ich mich nun wirklich nicht :-) Ich schreibe total gerne! Doch tatsächlich bin ich mit meinen Gedanken alleine und weiß zu Beginn des Schreibens nie, wohin die Reise meiner Gedanken geht.

Wir knüpfen Ruhe an Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit wir uns das leisten können, sonst haben wir ein schlechtes Gewissen.“
Professor Ralf Konersmann,
Interview mit „Psychologie heute“ 01/2016

Der verdiente Ruhestand oder die verdiente Pause nach getaner Arbeit. Wenn ich ehrlich bin, dann steckt mir genau diese Haltung in den Knochen. Ich bin damit aufgewachsen. Daher vielleicht auch die Schwierigkeit, mir Ruhe zu gönnen, weil immer eine Art schlechtes Gewissen damit einhergeht. Zum Beispiel letztes Wochenende: Mein Mann rüstete nachmittags unseren Balkon auf, um ihn in eine grüne Oase zu verwandeln. Und ich? Ruhelos räumte ich hier und da, denn bei seinem Fleiß konnte ich es mir nicht erlauben, in Ruhe zu entspannen. Geholfen hat das weder ihm noch mir. Im Gegenteil: Ich war am Ende schlecht gelaunt, weil ich den Nachmittag vergeudet hatte.

Es gibt eine Unruhe, die bloß Hektik, Betriebsamkeit, geistloses Nach-vorn-Stürmen ist. Und es gibt eine gute Unruhe, die konstruktiv ist, ……“
Professor Ralf Konersmann,
Interview mit „Psychologie heute“ 01/2016

Oha, ganz klarer Fall: Mein Nachmittag war von unguter Unruhe geprägt, der von meinem „Hausgärnter“ dagegen von guter Ruhe, da konstruktiv, denn jetzt haben wir einen Balkon in voller Blütenpracht. Und während ich ruhelos immer mal wieder einen Blick auf seinen grünen Daumen richtete, stellte ich neidvoll fest, wie selbstvergessen und mit welcher Selbstvergessenheit er bei der Sache war. Dabei bin ich doch diejenige von uns beiden, die in Sachen Achtsamkeit unterwegs ist! An diesem Nachmittag war jedoch eindeutig mein Mann derjenige, der sie auch praktizierte.

In Momenten der Achtsamkeit schaffen wir uns eine kleine Insel der inneren Ruhe inmitten der äußeren Hast und Eile.“
In Momenten der Achtsamkeit findet unser Geist zur inneren Ruhe zurück.

In Momenten der Achtsamkeit findet unser Geist zur inneren Ruhe zurück.

Innere Ruhe hat somit gar nicht immer etwas mit äußerer Ruhe zu tun. Jetzt fallen mir gerade die vielen Nachmittage ein, die ich früher mit den Kindern auf dem Spielplatz verbracht habe. Ein Stimmengewirr aus Lachen, Schreien und Zanken. Überall hüpften und rannten Kinder umher. Und manchmal saß inmitten dieser Tollerei so ein kleiner Spatz seelenruhig im Sandkasten und türmte ein Sandkuchen nach dem anderen, komplett in seiner Welt, als würde das Außen nicht existieren.

Je präsenter wir im Jetzt leben und unser Gewahrsein auf unser Tun richten, desto weniger lassen wir uns von Zerstreuung verleiten.“

Ist euch einmal aufgefallen, dass ihr in den Momenten, wo ihr wirklich präsent seid und eure gesamte Aufmerksamkeit auf euer Tun richtet, dass in diesen Momenten die äußere Unruhe verblasst? Ebenso bedeutungslos wird jegliche Art von Zerstreuung. Ein achtsamer Geist ruht in sich. Und genau das ist die ersehnte innere Ruhe. Meine Lust an digitaler Zerstreuung hat sich jedenfalls verändert. Online ist wichtig, aber nicht rund um die Uhr. In einem Artikel des Zukunftsinstituts habe ich neulich über „Digitales Cocooning“ beziehungsweise „OMline“ gelesen. Ich finde die Begriffe sehr treffend.

Ab und zu offline hilft, wenn die innere Ruhe ins Schwanken gerät.

Ab und zu offline hilft, wenn die innere Ruhe ins Schwanken gerät.

Unruhe und damit verbunden natürlich auch Stress oder Burnout sind alles gesellschaftliche Zeitphänomene, da können wir nicht einfach sagen, das geht uns nichts an. Aber wir können auf uns Acht geben und uns in Bezug auf Zerstreuung rar machen.

Das Internet ist deshalb ein Suchtmittel, weil es uns an unserem archaischen Grundbedürfnis nach Verbundensein und Wahrgenommenwerden packt.“
www.zukunftsinstitut.de

Das finde ich irgendwie traurig. Wie wäre es also, wenn wir uns mit uns selbst verbinden und uns selbst wahrnehmen? Dafür bedarf es aber innerer Ruhe. Touché. Achtsamkeit ist der Schlüssel dafür, das wisst ihr selbst. In der Achtsamkeit erkennen wir die Zerstreuung und haben die Wahl, ihr zu folgen oder bei uns selbst zu bleiben. Und in den Momenten, in denen wir bei uns bleiben, fühlen wir Verbundenheit.

Verwechsle den Finger, der auf den Mond zeigt, nicht mit dem Mond.“

Diese Zen-Spruchweisheit zitiert Myla Kabat-Zinn in dem Buch „Mit Kindern wachsen.“ Der Hinweis selbst ist noch nicht das, worum es geht. Das Wissen um Achtsamkeit, die Methoden und Techniken sind solche Finger, sozusagen Wegweiser, die auf das Ziel zeigen, auf unsere eigenen Erfahrungen. „Sie sind Hilfsmittel wie die Stützräder an einem Kinderfahrrad, die das Kind braucht, bis es ein „Gefühl“ für das Radfahren entwickelt hat.“ Und weiter weist Myla Kabat-Zinn darauf hin, dass wir diese „Stützräder“ brauchen, bis wir selbst ein Gespür dafür entwickeln, was es tatsächlich bedeutet, jeden Moment gegenwärtig zu sein.

Für mich ist innere Ruhe ein emotional stabiler Zustand, indem ich mich ausgeglichen, energievoll und positiv fühle. In dem Zustand innerer Ruhe bin ich selbstsicher, klar, produktiv und leistungsfähig.“
www.anchukoegl.com

Genauso ist es: Sobald ihr eure innere Ruhe findet, seid ihr fokussierter und eure Energie verliert sich nicht in tausend Ablenkungen. Somit also Schluss mit ständigem Mails-Check, auch facebook kann warten und Sohnemann wird irgendwann auch auf den Trichter kommen, dass es auch ein Leben ohne Handy gibt. Nur die Leckereien in der Küche, da nützt mir auch bewusstes Atmen wenig. Der Wille ist stark, doch das Fleisch, ach, so schwach. :-)

 

dtmg

  • Statt mehrmals täglich Mails zu checken, facebook und WhatsApp mache ich mich rar. Facebook alle drei Tage, Mails einmal am Tag und WhatsApp auch in Maßen.
  • Bewusst achte ich auf Zerstreuung. Wo und wann bin ich leicht abgelenkt? Was kann ich an den Situationen ändern?
  • Meditation und immer wieder Meditation. Je disziplinierter ich täglich meditiere, desto mehr innere Ruhe nehme ich mit in den Tag.

Noch Fragen?

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