Gastbeitrag von Beatrix Schulte:

Meine-Schreibbar-Bloggerin und Autorin des Buches „Die Seelenfeder“.

 

Seit ca. einem Monat ist mein Tagebuch für Trauernde (Der Seele Trost) erschienen. Zunächst hielt ich es für anmaßend, für Trauernde ein Buch zu schreiben, denn ich wollte auf keinen Fall Ratschläge erteilen. Was sollte ich ihnen in ihrem Schmerz auch raten? Ich fragte mich, ob jemand in der Situation nicht lieber vollkommen in Ruhe gelassen werden will. Da aber viele Trauernde zum Stift greifen, um sich alles von der Seele zu schreiben, habe ich ein Tagebuch entwickelt, das nur Impulse gibt, um die Gefühle einordnen zu können und Klarheit in Gedanken zu bringen.

 

 

Schreiben überwindet die Sprachlosigkeit

Neurowissenschaftler haben bewiesen, dass dem Trauernden im automatischen Sprachzentrum des Gehirns, Blut abgezogen wird. Im wahrsten Sinne des Wortes, macht uns Trauer sprachlos. Um Worte zu finden für das, was in einem ist, muss man sich zunächst mit seinem Inneren verbinden, in sich hineinhorchen. Das geschieht, wenn man beginnt ein persönliches Trauertagebuch zu schreiben. Ich möchte euch hier einige vorstellen, die durch ihre Klarheit und Einfachheit berühren.

 

Die Trauer einer Ehefrau und Mutter

Barbara Pachl-Eberhart hat bei einem Unfall ihren Mann und ihre beiden kleinen Kinder verloren. Um nicht zu verstummen, beginnt sie an ihre Freunde Rundmails zu verschicken. Durch das Schreiben über ihren Verlust entsteht später ihr Bestseller: „Vier minus drei“. Sehr berührend geschrieben und man spürt, wie sie ihre Kraft im Inneren bündelt, ihre Spiritualität entwickelt und ihren ganz eigenen Weg geht ohne Rücksicht darauf, was andere sagen könnten.

 

Die Trauer einer Schwester

Die Krimi-Bestseller-Autorin Charlotte Link, von der ich ein großer Fan bin, hat ihre Erlebnisse im Umgang mit dem frühen Tod ihrer Schwester in dem Buch „6 Jahre“ niedergeschrieben. Ihre Schwester erkrankt an Krebs und sie setzt sich mit allen ihr möglichen Mitteln für einen würdigen Umgang mit ihr in den Krankenhäusern ein. In späteren Interviews sagt sie, wie sehr ihr das Schreiben geholfen hat, um ihre Hilflosigkeit und Wut zu verarbeiten.

 

Die Trauer eines Sohnes

Hanns-Josef Ortheil schreibt in seinem Duden Buch über das Notieren  (Schreiben dicht am Leben) über ein besonderes Trauertagebuch des französischen Schriftstellers Roland Barthes, der über den Tod seiner Mutter schreibt, mit der er bis zu ihrem Tod mit 84 Jahren zusammenlebte (Tagebuch der Trauer). Die Aufzeichnungen dokumentieren die innere Welt des Trauernden, seine Erinnerungen an sie und sein Weiterleben ohne sie. Dort ist die Rede von Momenten „entsetzlicher Traurigkeit“ oder die Erkenntnis, dass sie nie mehr dasein wird, um den Schnee über Paris zu sehen. In seiner einfachen Wortwahl ist das sehr berührend.

 

Die Trauer einer Mutter

Auf einer Trauermesse durfte ich Elke Sohler kennenlernen, die dort ihr Trauertagebuch vorstellte: „Jenseits des Dramas“. Wie ich den Suizid meines Kindes überlebt habe. In ihrem Vortrag sprach sie über das Thema Schuld und wie sie diesem Gefühl begegnet ist. Im Buch erzählt sie davon, dass sie ihrer Tochter einen Abschiedsbrief schreibt und wie hilfreich das für sie war:

„Zuerst dachte ich, das würde ein kurzer Brief. Aber nachdem ich angefangen hatte, merkte ich, dass ich mir viel von der Seele schreiben konnte. (…) Meine Gefühle übermannten mich wieder und wieder und ich weinte viele Tränen. Für mich war das Schreiben eines Briefes direkt an meine Tochter ein sehr wichtiger Part beim Abschiednehmen. Gedanken, die sich vorher noch nicht an die Oberfläche getraut hatten oder ich nicht gehört hatte, bahnten sich über das geschriebene Wort ihren Weg in meine Wirklichkeit. Es wurde ein wirklich langer Brief.“ S. 69-70, E. Sohler: Jenseits des Dramas, Masou-Verlag, 2017.

Eure Beatrix

 

Der Seele Trost

In Zeiten der Trauer durch Tod oder Trennung können Worte heilend wirken. Das Schreiben kann zu einem vertrauten und geliebten Ritual werden, das neue Hoffnung schenkt und unseren Emotionen eine Stimme verleiht.

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  • Lest Gedichte oder Trauertagebücher und lasst euch davon berühren.
  • Schreibt selbst über Phasen, in denen ihr getrauert habt.
  • Schreibt einen letzten Brief an eine Person, die gestorben ist.

 


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