„Der fünfte Monat ist lieblich und leicht und herrlich in allen Dingen der Erde.“

aus: „Liber divinorum operum – Buch der göttlichen Werke “

Geht das nur mir so, oder freut ihr euch auch täglich über das Grün an den Bäumen, die vielen Blüten, die jetzt überall sprießen und das Gezwitscher der Vögel bis in den Abend hinein. Okay, vielleicht liegt das daran, dass ich einen Achtsamkeits-Fimmel habe, aber schön ist es trotzdem 🙂 Und der lieben Hildegard von Bingen erging es ja offensichtlich ebenso trotz der mystischen Dunkelheit des Mittelalters.  Jedenfalls vermitteln Filme wie „Der Herr der Rinde“, „Der Name der Rose“ oder die Serie „Game of Thrones“ nicht gerade die Leuchtkraft und Leichtigkeit eines wonnigen Maienmonats. Doch seit je her beschenkt uns der Mai mit dem Erwachen der Natur – ein Genuss für unsere Sinne.

Der Wonnemonat Mai beschenkt uns mit Farben und Düften – ein Fest für die Sinne.

Der Wonnemonat Mai beschenkt uns mit Farben und Düften – ein Fest für die Sinne.

Hildegard von Bingen frönte der Freude des sinnlichen Erlebens

Hildegard von Bingen schrieb in ihren Monatstexten über den Mai, dass diese Zeit eine Aufforderung sei, unsere Sinne zu öffnen.

„Die Natur ist im Menschen programmiert. Gott hat dieses Programm in uns hineingeschrieben. Aber es muss aktiviert werden, indem wir es aufrufen. Das tun wir durch unsere Sinne. Sie Sinne sind die Tore und Fenster zur Außenwelt.“

Hildegard Strickerschmidt, aus: „Hildegard von Bingen – Jahreskreis & Lebenskreis“

Wenn wir jetzt in bewusster Achtsamkeit die Natur erleben – und sei es nur auf dem Weg zur Arbeit – bietet sich uns hier eine Kraftquelle voll Energie, aus der wir schöpfen können, um unsere Herzen mit Freude und Zuversicht zu füllen.

Für Hildegard von Bingen waren die Düfte von Kräutern und Blüten Boten der Freude

„Der fünfte Monat, der Mai, Träger allerlieblichsten Duftes der Blüten, macht des Menschen Herz so froh, weil in ihm schon alle Früchte der Erde – dem Menschen zur Freude – ans Licht sprießen.“

aus: „Liber divinorum operum – Buch der göttlichen Werke “

Nehmt euch einmal die Zeit und riecht an den Blumen, die jetzt auf den Wiesen oder in den Parks blühen. Sie duften ganz anders als die vielen Blumen, die auf Plantagen gezogen werden. In ihnen können wir noch den Wind, den Regen, die Sonne und die Erde riechen. Nehmt diese Aromen bewusst auf, verweilt einen Moment und spürt der Freude nach, die der Duft in euch auslöst. Verankert diese Freude in eurem Herzen.

Unser Geschmacksinn ist nach Hildegard von Bingen ein wichtiges Richtmaß für unsere Ernährung

So ist auch dem Mund das Schmecken süß und ergötzlich; wird doch durch diesen Geschmack festgestellt und erkannt, was den Menschen mit Freude erfüllt.“

aus: „Liber divinorum operum – Buch der göttlichen Werke “

Juhu, endlich gibt es wieder Spargel! Das heimische Angebot an frischen Produkten beginnt jetzt wieder reichhaltig zu werden. Ob Sitzkohl, Spinat, Blumenkohl, Radieschen oder Kohlrabi – frisch geerntet schmeckt wesentlich intensiver als importiert. Beim achtsamen Essen spürt ihr genau, was euch bekommt. Es stellt sich ein gesundes Sättigungsgefühl ein und ihr esst mit Freude, da ihr bewusster esst. Statt Essensplänen entscheidet euer Bauchgefühl – euer Körper, euer Herz und euer Verstand.

Nach Hildegard von Bingen sind es unsere Augen, die das Wunderwerk Natur erkennen.

Das Sehen steht allen Sinnen voran, denn unsere Augen können alles überblicken und dadurch haben sie eine viel größere Reichweite als das Hören und das Schmecken. Und ständig nehmen unsere Augen Eindrücke auf: Farben, Lichtreflexe, Formen, eine Flut an Bildern. Je achtsamer wir sind, desto bewusster können wir uns entscheiden, worauf wir unsere Augen richten. Nutzt die Schönheit dieses Monats, all den Reichtum der Natur in euch aufzunehmen und ihn in Dankbarkeit zu genießen. Richtet eure Augen bewusst auf das Erwachen der Natur, auf die Freude und die Fülle.

„Daher ist dieses Sehen mit den Augen so angenehm, so herrlich, weil der Mensch damit durch Erkennen und Auslesen Wertvolles und Minderwertiges unterscheiden kann.“

aus: „Liber divinorum operum – Buch der göttlichen Werke “

Vielleicht mag manch einer die Hildegard von Bingen-Texte für antiquiert halten, doch jedes Mal, wenn ich mich wie hier in einen ihrer Monatstexte vertiefe, verändert sich bereits etwas in mir. Plötzlich kriege ich Lust, achtsamer durch die Welt zu gehen, bewusster und dankbarer. Sollte ich euch ebenfalls dazu ein wenig angestiftet haben, so war meine Schreiberei der Mühe wert. 🙂

 

 

dtmg

  • Beim Einkaufen wähle ich gezielt Produkte aus der heimischen Ernte. Ich mache mir bewusst, dass in jedem Produkt der Regen, die Sonne, der Wind und die Erde enthalten sind.
  • Beim Spazierengehen mit Hund Henry nehme ich mir die Zeit, um an den Blüten und Knospen der Bäume zu riechen.
  • Statt meinen Gedanken nachzuhängen, richte ich meinen Blick bewusst auf die Fülle, die sich mir in der Natur jetzt bietet. Ich spüre der Freude darüber nach.

 


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