Bei uns in Hamburg beginnen ab Montag die Pfingstferien, nur eine Woche, doch die hat es in sich. Die Frage war nämlich seit Wochen: Was tun? Mein Mann möchte relaxen und gut essen, meine Tochter baden und möglichst viel action, ich würde gerne entspannen, aber auch etwas arbeiten und Sohnemann erscheint bei allem etwas lustlos – eben Pubertät. 🙂

Wer seine persönliche Freiheit lebt und dabei rücksichtsvoll nach rechts und links blickt wird mit dem Gefühl erfüllender Verbundenheit belohnt.

Wer seine persönliche Freiheit lebt und dabei rücksichtsvoll nach rechts und links blickt wird mit dem Gefühl erfüllender Verbundenheit belohnt.

 

Achtsam seinen persönlichen Bedürfnissen zu folgen fällt hier nicht leicht. Jeder möchte seine Freiheit leben und verteidigt sie entsprechend. Also haben mein Mann und ich entschieden, dass wir alle samt Hund Henry in die Toskana fahren. Und jetzt plagt mich ein schlechtes Gewissen, denn irgendwie ist das eher unser und weniger der Wunsch unserer Kinder.

„Rousseau nannte dies (das schlechte Gewissen) die „Stimme der Natur in uns“, bei der wir uns emotional unserer selbst bewusst würden. Sie gehe zurück auf unser „Gefühl des Daseins“, das wir unter Menschen ausgebildet haben, die uns wichtig waren. Durch diese Besinnung auf unser Gewissen können wir uns unserer Verbundenheit mit anderen emotional bewusst werden.“

Dr. Nicolas Dierks

Nehme ich mir die Freiheit und setze meine Bedürfnisse durch, ist mein schlechtes Gewissen kein Zeichen dafür, dass ich Angst habe, durch meine Entscheidung Ablehnung und Missbilligung zu ernten. Vielmehr zeigt es mir, wie sehr mir die anderen am Herzen liegen, wie wichtig mir ihr Wohlergehen und ihre Zufriedenheit sind. So gesehen ist das schlechte Gewissen ein Zeichen des Mitgefühls und der Liebe.

Achtsame Wahrnehmung hilft uns, unsere Freiheit zu behaupten

Oft ist es ja so, dass wir einen Anspruch, den jemand an uns stellt, sehr direkt und konkret abweisen. Zum Beispiel möchte euer Partner, dass ihr zu einer bestimmten Zeit zuhause seid, weil er auf eine Paketlieferung wartet. Ihr lehnt jedoch ab, da ihr eine Verabredung habt. Ich glaube, dass es jetzt sehr wichtig ist, zu erkennen, dass euer schlechtes Gefühl eurem Partner gegenüber nichts mit eurer Abgrenzung gegenüber einem Anspruch von außen zu tun hat. Leider passiert das sehr oft, so dass wir unsere persönliche Freiheit mehr und mehr in den Ansprüchen anderer verlieren. Erkennen wir jedoch in der Achtsamkeit, welches der wahre Grund für das schlechte Gefühl ist, kommen wir endlich zu der Freiheit, unsere Bedürfnisse ebenso wertzuschätzen wie die der anderen. Denn es macht einen riesigen Unterschied, ob unsere Motivation aus Pflichtgefühl und Angst besteht oder aus Liebe und Mitgefühl.

Liebe und Mitgefühl sind der Nährboden für die persönliche Freiheit

So wie auf einem Boot kann jeder im wörtlichem und übertragenen Sinn nach vorn (in die Zukunft), nach hinten (in die Vergangenheit) oder zur Seite nach links oder rechts schauen. Dabei kann man bei allen Handlungen und Überlegungen nur sein eigenes Ziel verfolgen oder Rücksicht auf andere nehmen, die Familie und Freunde im privaten Bereich, Kollegen und Vorgesetzte im beruflichen Bereich.

www.tipptrick.com

Dieses Bild mit dem Boot finde ich ganz gut. Was bringt es, wenn ich meine Kinder zu einem Kompromiss überreden möchte, ohne mich tatsächlich bewusst nach allen Seiten umgesehen zu haben. Dazu muss ich mich jedoch bemühen, die Situation der anderen besser zu verstehen. Zum Beispiel kann ich meine Kinder fragen: „Wie beeinflusst unsere geplante Urlaubsreise in die Toskana eure Vorstellungen von der schulfreien Woche?“ Indem ich ihnen zuhöre, schaue ich sozusagen nach rechts und links und gebe dennoch meine persönliche Freiheit nicht auf. Es entsteht eine Verbundenheit – ein Wir. Hieraus kann sich etwas entwickeln, dass uns ganz neue Perspektiven zeigt.

Die persönliche Freiheit ist nur dann von Wert, wenn sie das „Wir“ anerkennt.

Ein Kompromiss lässt sich nicht immer finden und fühlt sich manches Mal auch so an, als würde man eine Ecke seiner persönlichen Freiheit aufgeben. Dennoch lohnt sich der Einsatz, denn erst in einem achtsamen Miteinander entsteht die Art von Verbundenheit, die es ermöglicht, seine Freiheit im Endeffekt wirklich genießen zu können. Je achtsamer wir unsere moralischen Gefühle anschauen, je klarer wir sie erkennen und je mutiger wir sie dem anderen mitteilen, desto freier und gleichzeitig rücksichtsvoller leben wir.

 

 

dtmg

  • Ich erlaube mir meine persönlichen Freiheiten, frage jedoch vorher in der Familie: Wie beeinflussen meine Entscheidungen eure Vorstellungen?
  • Ebenso stelle ich mir selbst diese Frage, wenn zum Beispiel mein Mann seine Interessen verfolgt und ich das Gefühl habe, zurückstecken zu müssen.
  • Spüre ich ein schlechtes Gewissen, atme ich achtsam in das Gefühl hinein: Warum habe ich das schlechte Gewissen? Was verbirgt sich wirklich dahinter?

 


Noch Fragen?

Ihr sucht ausführliche Infos über Achtsamkeit: einfach hier klicken