Am Donnerstag habe ich mich fremdgeschämt. Sagt man doch so, oder? Jedenfalls schämte ich mich für mein Ego. Ich war bei den Grafschafter Nachrichten eingeladen, um einen Vortrag zu halten. Die Tage davor hatte ich mich bereits verrückt gemacht, von Ängsten geplagt. Meine Emotionen spielten sozusagen Achterbahn. Mal dachte ich, okay, wird schon alles klappen und dann wieder diese zerstörerischen Zweifel. Mir saß ein Floh im Ohr, der mir einredete, ich dürfe auf keinen Fall Karteikarten beim Vortrag benutzen. Doch im Grunde spricht nichts dagegen, mithilfe von kleinen Spickzetteln dem Roten Faden zu folgen. Doch bei einem Vortrag im Frühjahr kam irgendjemand auf mich zu und meinte, ohne die Karteikarten würde ich professioneller wirken. Ein nett gemeinter Ratschlag. Mein liebes Ego, das mich mit dem Anspruch der Perfektion unter Strom hält, griff diese Bemerkung jedoch freudig auf, um mich Anfang der Woche bei meinen Vorbereitungen mit Zweifeln und Unsicherheiten zu versorgen. Und ich dumme Gans bin ihm blind gefolgt. :-)

„Unser Ego ist die Linse, durch die wir die Welt sehen.“

Seine Heiligkeit Gyalwang Drupka

Das Karussell unserer Emotionen vom Ego angetrieben

Schließlich behalf ich mir am Donnerstag doch mit Karteikarten und niemanden störte es. Unser Ego wird quasi als ein falsches Selbstbild erschaffen, weil wir uns nur zu gerne mit etwas identifizieren, was wir gar nicht sind. Ich bin Autorin und gut so. Halte ich einen Vortrag, so spreche ich als Autorin. Das muss reichen. :-)

Vorsicht: Unser Ego kitzelt unterschiedlichste Emotionen in uns wach und manövriert uns so in Rollen, die uns nicht gut tun.

Vorsicht: Unser Ego kitzelt unterschiedlichste Emotionen in uns wach und manövriert uns so in Rollen, die uns nicht gut tun.

Achtet selbst einmal darauf, wann euer Ego euch mit Emotionen versorgt, die im Grunde komplett überflüssig sind. Hass, Wut, Ärger, Neid, Minderwertigkeit, Angst, Gereiztheit und vieles mehr verdanken wir leider viel zu oft unserem Ego.

„Unser Ego besitzt die Fähigkeit, uns in all unseren Entscheidungen, die wir treffen, und in den Taten, die unser Schicksal besiegeln, zu beeinflussen. Wir können sogar Sklaven unseres eigenen Egos werden, ohne dass es uns überhaupt auffällt.“

www.gedankenwelt.de

Unser Ego treibt uns immer zum Vergleich und zur Wertung. Das läuft automatisch ab. Wie oft versuche ich, Recht zu haben. Wie oft meine ich, etwas leisten und erfolgreich dastehen zu müssen. Wie oft ist dort der unausgesprochene Ansporn, bloß immer besser zu sein als der Rest. Und wie oft fühle ich mich sofort persönlich angegriffen, obwohl es zum Beispiel darum geht, dass mein Sohn ( und nicht ich!) fleißiger in der Schule wird. Aber schon meldet sich mein Ego: „ Du schlechte Mutter, Du! Das ist Deine Schuld.“ Merkt ihr, worauf ich hinaus will? Unser Ego schafft es immer, uns mithilfe schlechter Gedanken die Lebensfreude zu vermiesen.

Unsere Emotionen färben unsere Weltsicht. Und wir laufen alle in unserem eigenen Film durchs Leben, in dem das Ego gerne eine Hauptrolle übernimmt.

Unsere Emotionen färben unsere Weltsicht. Und wir laufen alle in unserem eigenen Film durchs Leben, in dem das Ego gerne eine Hauptrolle übernimmt.

Vorsicht vor Ego-Trips auf unsere Kosten

Das eine sind die vielen schlechten Emotionen, die uns klein halten. Erst in der Anstrengung, es perfekter zu machen, werden wir dem Ego gerecht. Das freut sich diebisch über unseren Eifer. Würden wir stattdessen sagen: „Hey, Ego, Du kannst mich mal gerne haben! Ich strenge mich nicht mehr an, Schluss damit! Ich bin mit mir so zufrieden wie ich bin und basta.“ – Oh je, da würde das Ego dicke Backen machen, denn damit hätte es nichts mehr zu lachen und wäre abgemeldet.

„Wirst du von deinem Ego beherrscht, wird alles, was du siehst, bewertet und verglichen. Du schaffst dir also deine eigene Welt, in der Dinge und Menschen entweder gut oder schlecht sind.“

www.lebeblog.de

Das andere sind die ach so verlockenden „Höhenflüge“, zu dem uns unser Ego nämlich auch verführt. Haben wir uns richtig angestrengt und es besser als die anderen gemacht, belohnt uns unser Ego mit listiger Freude: Wohlmöglich aalen wir uns in Selbstgefälligkeit, verspüren Stolz oder einen Hauch von Arroganz. Nach dem Motto „Tja, da hättet ihr anderen euch eben mehr anstrengen müssen.“ Hand aufs Herz: Ich glaube, wir kennen alle solche Situationen, wo wir uns zu derartigen Gefühlen haben hinreißen lasen, auch wenn wir es ungern zugeben. (Hier dürft ihr es aber, wir sind doch unter uns :-) ). Doch auch hier ist wieder unser Ego am Werk. Denn diese Art von Hochgefühl gibt uns die Bestätigung, dass wir mit unserem Perfektionismus, unseren Anstrengungen weiter machen müssen. Was für eine Zwickmühle!

„Unser Ego ist ein trügerisches Ich-Gefühl, dass uns leicht zu Arroganz, Stolz und Selbstgefälligkeit verleitet.“

 

Die Überlebensstrategien unseres Egos:

Allen voran: Das Ego gehört zu uns. Jedoch sollten wir es mit ein wenig Abstand betrachten.

„Es ist nützlich, es zu kennen, es im Zaum zu halten aber sich nicht von ihm das Leben diktieren zu lassen.“

www.seele-verstehen.de

Sobald wir nämlich verstehen, dass unser Ego eine Menge Theater veranstaltet, um sich immer wieder Gehör zu verschaffen, können wir mit einem Lächeln erkennen, warum wir welche Gefühle haben. Und alleine dieses achtsame Erkennen gibt uns die Möglichkeit, aus einer gewissen Distanz Abstand zu gewinnen.

Mit folgenden Strategien hat unser Ego uns immer wieder an Wickel:

  1. Urteil / Wertung (Achtet einmal darauf, wie schnell ihr wertet und urteilt?)
  2. Vergleich
  3. Angst (Angst regiert immer dann, wenn wir uns von Glaubenssätzen oder Konditionierungen zu lösen wagen.)
  4. Selbstgefälligkeit
  5. Arroganz
  6. Stolz

Im Grunde ist es nicht schwer, dem Ego auf die Schliche zu kommen. Beobachtet eure Emotionen und Gefühle und hinterfragt euch mithilfe achtsamen Spürens. Zum Beispiel:

  • Meldet sich hier das Ego zu Wort?
  • Sehe ich die Situation mit meinem Herzen genauso oder sind hier Konditionierungen und Gedankenmuster am Werk?
  • Kann ich Mitgefühl für mich aufbringen?
  • Muss ich mir das jetzt von meinem Ego bieten lassen (z.B. Zweifel, Sorgen, Grübeln…)

Nächste Woche halte ich wieder einen Vortrag. Mal sehen, welche Marotten meines Egos mir bis dahin so über den Weg laufen. Eines habe ich mir fest vorgenommen: Ich lasse mir nicht mehr alles von meinem Ego bieten. So wie ich bin, reiche ich nämlich auch :-)

 

 

dtmg

  • Je achtsamer ich in mich hineinspüre, desto klarer kann ich erkennen, ob mein Ego oder mein Herz mich leitet.
  • Ich gestehe mir mein Ego lächelnd zu. Es ist ein Teil von mir, doch ich brauche mich nicht mit ihm zu identifizieren.
  • Bei meinem nächsten Höhenflug von Selbstgefälligkeit und Stolz belächle ich mich selbst: Ich genieße das gute Gefühl, aber bitte ohne „Ego-mantenten“ :-)

 


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