Neulich sprach jemand von der Reife des Lebens, die so ab dem 50. Lebensjahr beginnt. Das mag man nicht so gerne hören, schließlich herrscht der Jugendkult. Trotzdem hat dieser Begriff durchaus etwas Positives. In dem Monatstext für den September beschreibt Hildegard von Bingen diese Wochen als Reifezeit und als Zeit der Geduld. Und ist es nicht irgendwie auch schön, die Reifezeit zu genießen? Das beinhaltet doch unglaublich viele schöne Momente der Muße, der Dankbarkeit, des sinnlichen Genusses und der bewussten Wertschätzung.

 

Nach Hildegard von Bingen ist jetzt die Zeit der Reife und der Geduld: Nehmt einen Apfel achtsam in die Hand und spürt nach, wie viele Wochen es brauchte, bis diese Frucht reifte.

Nach Hildegard von Bingen ist jetzt die Zeit der Reife und der Geduld: Nehmt einen Apfel achtsam in die Hand und spürt nach, wie viele Wochen es brauchte, bis diese Frucht reifte.

 

Mit Hildegard von Bingen freudvoll die Früchte ernten

 „Der Mensch erkennt durch seinen Tastsinn die Früchte, die zum Essen reif sind. Erst jetzt wird er sie essen, damit durch die Unreife seine Säfte nicht gestört werden und er in eine Krankheit fällt. So entfernt auch dieser Monat den nicht bekömmlichen Saft aus den Früchten.“

aus: „Liber divinorum opera – Buch der göttlichen Werke

Sicherlich bezieht sich Hildegard von Bingens Monatstext auf die tatsächliche Ernte. Bei uns im Garten steht jetzt beispielsweise die Apfelernte an, auf die ich mich bereits seit dem Einzug freue. (Obwohl die Wühlmäuse gerade an den Baumwurzeln nagen und wir als Städter etwas ratlos sind 🙂 ). Doch kann man Hildegard von Bingens Text auch anders lesen: In der Reife des Lebens verfügen wir nämlich endlich über das Wissen, unsere begangenen Fehlern dankbar als Lehre anzunehmen. Diese geistige Reife ist ein wertvolles Geschenk. Dieses sollten wir nicht mit Hadern über das Alter missachten.

 

Hildegard von Bingens Ernährungstipps für den September

„Der Monat September ist daher auch in seinen Eigenschaften wie der Bauch des Menschen. In ihm wird alles, was in ihn hineingeschickt wird, durch Wärme der Leber und der übrigen Eingeweide ausgekocht. Durch die richtige Mischung an Wärme und Kälte wird es auf die Festgesetze Weise dann richtig ausgeschieden. Aber dieser Vorgang wird manchmal durch Krankheiten außer Kraft gesetzt.“

www.hildegardvonbingen.info

Wenn ihr jetzt über den Wochenmarkt bummelt findet ihr eine selten reichhaltige Auswahl an heimischen Obst und Gemüse. Da macht es richtig Spaß, achtsam zu tasten und zu schauen, welche Produkte wir für unsere Mahlzeiten wählen. Eiskalte Getränke und viel Rohkost im Sommer haben nämlich unserem Verdauungssystem nicht unbedingt gut getan. Denn alles, was in unseren Magen geschickt wird muss dort mit viel Energieaufwand verdauungsgerecht verarbeitet werden. Zu kalte und zu rohe Produkte bedeuten für den Verdauungstrakt richtig Arbeit. Jetzt, wo die Zeit der Eintöpfe beginnt, freut sich unser Magen gewiss über etwas Arbeitserleichterung. Und wer trotzdem so hier und da seine Verdauungsprobleme hat, dem ist laut Hildegard von Bingen mit dem Verzehr von Flohsamen und Fenchel geholfen.

 

Nach Hildegard von Bingen ist der Monat der Reife ein Sinnbild für Geduld

„In dieser Weise ist die Geduld immerfort auf dem rechten Wege, weil sie das Himmlische nicht läßt und das Irdische nicht verachtet. Allen Anreiz zum Lasterhaften — des Teufels Fallstrick — zertritt sie in dem wahren Licht, das Gott ist. In allen Dingen überläßt sie sich weder allzu großer Fröhlichkeit, noch stürzt sie uns in die Traurigkeit, …“

www.gottliebtuns.com

Der Monat September könnte uns dazu dienen, sich einmal Gedanken um unsere geistige Reifung zu machen. Hört sich vielleicht zuerst etwas komisch an, doch nehmt beispielsweise die Äpfel, die jetzt rot und prall unsere drei Apfelbäume im Garten schmücken. Es dauerte viele Wochen, Regen und Sonne, bis die Früchte nun endlich gereift zur Ernte schwer an den Ästen hängen. Wir sind so eng mit der Natur verbunden und im Grunde ist die Erntezeit ein wunderbarer Spiegel, um sich einmal in Ruhe mit sich selbst zu beschäftigen. Achtsam zu schauen, mit welcher Bereitschaft wir geduldig unsere geistige Reife annehmen beziehungsweise wertschätzen. Vielleicht nehmt ihr euch tatsächlich einen Apfel in die Hand, befühlt seine Schale, betrachtet die Färbung und ertastet seine Härte. Eine derart simple „Achtsamkeitsübung“ eignet sich wunderbar, um bei sich selbst anzukommen und ein wenig zu reflektieren.

Für mich bedeutet das jetzt am Ende des Textes selbstverständlich: Nix wie ab in den Garten 🙂

 

 

dtmg

  • Beim nächsten Wochenmarktbesuch nehme ich mir Zeit, um die vielen Früchte der Natur achtsam zu ertasten und ihre Aromen intensiv aufzunehmen.
  • Geduld ist ein guter Vorsatz für die Woche. Darauf werde ich sehr bewusst achten.
  • Mehr Geduld bedeutet auch: Ich werde mir wieder mehr Zeit und Muße für die Zubereitung meiner Speisen nehmen, um achtsamer zu spüren, welche Nahrungsmittel mir jetzt gut tun.

 


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