Gastbeitrag von Beatrix Schulte:

Meine-Schreibbar-Bloggerin und Autorin des Buches „Die Seelenfeder“.

 

Ich liebe Cafés. Cafés bedeuten für mich Leben, Geborgenheit, Wärme, Zufriedenheit, Glück. Wenn ich ein Café betrete, betrete ich eine andere Welt. Alle meine Sinne sind direkt empfangsbereit: es duftet herrlich nach Kaffeebohnen und Bohnerwachs, die Kaffeemaschine macht neben dem Klappern der Tasse auf die Untertasse heimelige Geräusche, der Kaffee schmeckt stark und köstlich und während ich mich umblicke und die Gäste beobachte und die Einrichtung des Cafés bestaune, fühle ich mich einfach zu Hause.

 

Der Tag des Kaffees wird am Sonntag, den 1.10.17 gefeiert

 

Cafés in Girona

Ich wollte immer mal wieder für längere Zeit nach Spanien, so wie damals nach dem Abitur mit zwei Freundinnen. Die Sprache hören, selber mehr schlecht als recht sprechen und die Schönheit des Landes genießen. Ich habe mich für Girona entschieden, eine durch und durch romantische mittelalterliche Stadt in der Nähe von Barcelona.

Ich hatte das große Glück, dort schreiben zu dürfen. Ich wollte nicht nur in den Cafés der Stadt sitzen und Leute beobachten, ich wollte vor allem die besondere Atmosphäre nutzen, um über das Schreiben selbst zu reflektieren. So wie es Natalie Goldberg in dem von mir hoch verehrten Buch „Schreiben in Cafés“ beschreibt.

Das passende Café aufspüren

Morgens hatte ich das Glück nur mit dem einfachen Gedanken aufzuwachen, in welches Café ich gehen könnte. Die Entscheidung habe ich nach der inneren Stimmung getroffen, je nachdem wie ich mich fühlte an dem Morgen. Ich wusste vorher nie, über was ich schreiben wollte, nur dass ich es tat. Nachdem ich Stift und Heft eingepackt hatte (keinen Laptop, ich habe das Buch mit der Hand geschrieben), schlenderte ich in Richtung Onyar, der die alte Stadt mit der neuen verbindet. Ich gebe zu, oft genug bin ich in meinem Lieblingscafé gelandet, im Café Catalan. Das hatte natürlich einen Grund…

Der Café-Stammtisch

Jeden Morgen um 10 Uhr traf sich hier ein stolzer katalanischer Senioren-Männer-Stammtisch. Jeden Morgen bestellten sie sich Wasser und einen „Café en un vaso“. Jeden Morgen tauschten sie sich mit Händen und Füßen über das aktuelle Tagesgeschehen aus und schauten ab und zu verschmitzt zu mir herüber. Wir lächelten uns kurz an und tauchten wieder ab in unsere eigene Welt. Sie wussten nichts von mir, ich nichts von ihnen. Beim Schreiben habe ich ab und zu auf den Fluss geschaut, dann wieder auf den Stammtisch oder wieder zum Fluss auf die Wäsche, die vor den oberen Fenstern baumelte. So hatten meine Gedanken Zeit und Muße sich zaghaft auf dem Papier auszubreiten.

Schreiben in Cafés

Schreiben in Cafés

Es waren intensive drei Monate, die ich in Spanien meist schreibend verbrachte. Ich erlaubte erstmals allein meinem Herzen durch das Schreiben mit der Hand die Führung zu übernehmen. So ist die Seelenfeder entstanden, mein Herzensbuch über die Wirkkraft des Schreibens. Ich habe mittlerweile schon viele dankbare Rückmeldungen bekommen und ich freue mich, dass meine Sprache andere Herzen erreicht. Und – ich bin mir sicher, dass ein wesentlicher Faktor das Schreiben in Cafés war. Dort ist der Zugang zum Herzen direkter. Ein Café ist ein Ort, an dem die Zeit stehen bleibt. Hier schlagen die Uhren anders, langsamer. Hier nimmt man sich Zeit. In einer Dokumentation über den Bräunerhof in Wien kommt der Bäcker zu Wort, mit dessen einfache Zutaten für einen guten Apfelstrudel ich schließen möchte: Man braucht Zeit und Liebe, ohne die geht es nicht. Auch für ein Buch braucht man diese beiden Zutaten, ohne die geht es nicht.

Eure Beatrix

 

 

dtmg

  • Bitte nehmen Sie sich Zeit und schauen Sie sich in Ruhe die Doku über das Wiener Kaffeehaus vor über 25 Jahren an: den Bräunerhof und genießen Sie die Atmosphäre dort.
  • Verabreden Sie sich für Sonntag mit Freunden oder der Familie in einem Café, das Sie noch nicht kennen, und tanken Sie Glücksgefühle.
  • Probieren Sie es diese Woche einmal mit Schreiben in Cafés. Üben Sie das freie, expressive oder autobiographische Schreiben oder folgen Sie den Anregungen aus „Die Seelenfeder“.

 


Noch Fragen?

Ihr sucht ausführliche Infos über Achtsamkeit: einfach hier klicken